Sanierungssprint in Hamburg

In 22 Tagen zum klimaneutralen Einfamilienhaus

In nur 22 Werktagen sanierten mehr als 60 Handwerker:innen und Handwerker eine Doppelhaushälfte von 1963 auf Effizienzhausstandard 70 EE.

Energetisch sanieren kann auch schnell gehen. Foto: Deneff
Energetisch sanieren kann auch schnell gehen. Foto: Deneff

In der Zeit vom 08. September bis zum 10. Oktober wurden eine Wärmepumpe und ein PV-Dach installiert, Dämmung in Dach und Fassade angebracht und die Fenster ausgetauscht. In der kurzen Bauzeit wurden außerdem die komplette Haustechnik modernisiert, drei neue Bäder eingebaut und neuer Wohnraum im Dachgeschoss geschaffen.

Projektmanagement für den Sanierungssprint

Möglich wurde das durch den von Bauingenieur Ronald Meyer entwickelten Ansatz des "Sanierungssprints". Mit Hilfe von Methoden der Zeit- und Prozessoptimierung und einem stundengenauen Bauzeitenplan können alle Gewerke zeitgleich auf der Baustelle tätig sein. Auf der Baustelle in Hamburg wurde nun gezeigt: Der Sanierungssprint funktioniert auch in der Praxis.

Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff e.V.), die das Musterprojekt mit angestoßen hat, ist überzeugt, dass der Ansatz den Sanierungsmarkt revolutionieren kann.

„Mit dem Sanierungssprint kann die Produktivität im Handwerk enorm gesteigert werden. Das heißt, mit den vorhandenen Fachkräften viel mehr zu schaffen und mit der energetischen Modernisierung große Schritte nach vorn zu gehen“, sagt Deneff-Geschäftsführer Henning Ellermann. Zudem seien dadurch Kostenvorteile erreichbar.

"No pain no gain"

Auch wenn die Zeit anstrengend war, würde sich die Baufamilie wieder für den Sanierungssprint entscheiden. Er sei für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer eine Möglichkeit, deutlich besser planen zu können und den Baustress nach einer relativ kurzen Zeit hinter sich zu lassen.

Auch die beteiligten Handwerksbetriebe sehen Vorteile: Es biete die Möglichkeit, mehr Baustellen bei gleichen Ressourcen umsetzen zu können. Dass alle Gewerke gleichzeitig auf der Baustelle sind, verkürze die Entscheidungswege und verbessere den Informationsfluss.

„Die Mitarbeiter lernen sich kennen, auch beim gemeinsamen Mittagessen - hierdurch entwickelt sich ein Teamgeist und man redet miteinander, man klärt Probleme schnell und proaktiv“, beobachtet Sanierungsmanager Lion Horlacher von Renewa. Gemeinsam mit Ronald Meyer betreute er das Hamburger Vorhaben und nimmt bereits Input für die Zukunft mit – auch in der Planungsbranche ergäben sich durch den Sprint Möglichkeiten, die Wertschöpfungstiefe und Geschwindigkeit zu erhöhen.

Start für F&E

Das Projekt wird nun ausgewertet und das Potenzial des Konzeptes unter anderem in einem Forschungsvorhaben mit der Universität Stuttgart im Auftrag der Agora Energiewende untersucht.

„Das Vorhaben in Hamburg ist ein guter Anfang und macht vor, wie’s geht. Knackpunkt ist nun die Skalierbarkeit, die parallel untersucht wird und die wir gerne ganz praktisch im nächsten Schritt angehen möchten. Dafür braucht es mutige Quartiere, Unternehmer und auch politische Unterstützung“, schließt Deneff-Geschäftsführer Henning Ellermann ab. Das Potenzial für die Skalierung sei da: Gerade in den 60er und 70er Jahren erbaute Ein- und Zweifamilienhäuser seien oft typengleich, weisen also ähnliche Baumerkmale und Grundrisse auf. So ließen sich technische Maßnahmen und Planungen standardisieren und eine Skalierung beschleunigen, ist sich Sanierungssprint-Erfinder Ronald Meyer sicher.

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