Intelligente Gebäudetechnik fördert Klimaneutralität
Auf einem 8.700 m² großen Grundstück, das direkt an das Bahngelände des südlichen S-Bahnrings angrenzt, entsteht bis 2027 ein neuer Büro- und Gewerbekomplex namens The Friedenauer. Er bietet auf sieben bzw. elf Geschossen im Quer- und Hochgebäude insgesamt rund 21.000 m² Mietfläche für Büroflächen sowie im Erdgeschoss auch Einzelhandel und Gastronomie.
Der Bau ist Teil der Quartiersentwicklung Friedenauer Höhe, die insgesamt 1.060 Wohnungen und eine großzügige öffentliche Parkanlage umfasst. Bei den Wohnungen handelt es sich um Eigentums- und Mietwohnungen, ein Teil davon entstand im sozialen Wohnungsbau.

Der Gebäudekomplex liegt in unmittelbarer Nachbarschaft von S- und U-Bahn-Station Innsbrucker Platz sowie zahlreicher Buslinien. Damit ist das Gelände verkehrstechnisch „genial“ angebunden, wie Jörn Oltmann, Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg (Bündnis 90/Die Grünen) betont. Zudem sollen Stellplätze für 70 Fahrräder und 114 Pkw entstehen. Ein Teil der Parkplätze wird mit E-Ladestationen ausgerüstet.

Nachhaltige Quartiersentwicklung habe man sich beim Bauherrn OFB Projektentwicklung auf die Fahnen geschrieben, sagt Dr. Bernd Schade, Vorsitzender der OFB-Geschäftsführung. Der Bürobau bildet einerseits den Schluss-Baustein des Projekts Friedenauer Höhe und andererseits den Eingang zum Gelände.
Kreislauffähig und klimaneutral
Für das ESG-konform geplante Projekt werden Zertifizierungen von DGNB (Gold) und Wired Score angestrebt. Die Chancen stehen gut. Neben der guten Anbindung und der sozialen Nachhaltigkeit im Quartier sollen umweltfreundliche Baumaterialien verwendet werden. „Wir arbeiten mit Madaster, der Datenbank für die Wiederverwendung von Baumaterialien zusammen“, sagt Schade, der sich CO2-arme Gebäude wünscht, die Energie produzieren, nicht verbrauchen.
Die Wärmeversorgung wird u.a. durch Abwärmegewinnung aus einem Mischwasserkanal der Berliner Wasserbetriebe erfolgen. Die Umsetzung dieses energetischen Bausteins liege dann bei der Gasag Solution Plus, präzisiert Ramon Otte (Tchoban Architekten). Sie versorgt bereits das Wohnquartier mit Wärme; dort kommen allerdings ein Biogas-Blockheizkraftwerk und ein Erdgaskessel zum Einsatz.
Die Dächer werden dem Berliner Solargesetz entsprechend mit Photovoltaik belegt, so Otte, daneben würden aber auch Dachbegrünung sowie Dachterrassen vorgesehen.
Der wichtigste Aspekt sei die Ökologie, sagt Sergej Tchoban, geschäftsführender Gesellschafter von Tchoban Architekten, die den Entwurf verfassten und über die Ausführungsplanung bis zum Ende des Projektes dabei sein werden.
Neben nachhaltiger Haustechnik werde ein Schwerpunkt auf der Verwendung leichter Baustoffe liegen, die das auf der Bodenplatte lastende Gewicht reduzierten. Die Gebäudehülle aus Stahlbeton falle dünner aus als üblich, die Fassadenverkleidung über der Dämmung werde in Aluminium ausgeführt, so Tchoban. Es werde also weniger Zement benötigt und die Aluminiumfassade sei rückbaufähig und könne wiederverwendet werden.
Nur dort heizen, wo sich Menschen aufhalten
Das Bauvorhaben wird in Kooperation von OFB mit dem Gebäudeautomatisierungsunternehmen Kieback&Peter umgesetzt. „Unsere Gebäudeautomation wird vollständig in das Projekt integriert und bildet die Grundlage für den geplanten klimaneutralen Betrieb“, sagt Christoph Ritzkat, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Kieback&Peter. Dem Pariser Klima Abkommen zufolge sollten ab 2030 alle Neubauten klimaneutral sein; Gebäude wie The Friedenauer könnten das schon heute, so Ritzkat. Aber auch im Gebäudebestand könne Gebäudeautomation 15-30% Energie einsparen.
Kieback&Peter werden ab Mitte 2027 mit ihrem neuen Hauptsitz in den Neubau ziehen. Auf ca. 7.000 m² will man dort die Berliner Standorte bündeln. „The Friedenauer wird damit auch ein Schaufenster für unsere intelligente und nachhaltige Gebäudeautomation“, so Ritzkat. Er sieht den Umzug in „das nachhaltigste Gebäude Berlins“ auch als einen Schritt, um weitere Fachkräfte für das wachsende Unternehmen zu gewinnen.
Die Gebäudeautomatisierer werden selbstverständlich eng mit den TGA-Fachplanenden zusammenarbeiten. Partner ist hier die ZWP Ingenieur AG Hamburg. „Denn wenn die Sonneneinstrahlung das Gebäude aufheizt, sollte die Verschattung heruntergehen, bevor die Klimaanlage anspringt“, sagt Ritzkat. Doch mit diesem Teil des Projektes beginne man erst.
Grußworte, Reden und eine Zeremonie
„Eigentlich sollte der erste Spatenstich im Januar erfolgen“, sagt Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegener (CDU). Er sei froh, dass Ursache der Verzögerung nicht die Berliner Verwaltung, sondern ein unverhofft gefundenes Kabel der Deutschen Bahn gewesen sei, betont er mehrfach. Doch eine Feier in der Sonne sei ein glücklicher Umstand. Wegener würdigt insbesondere das Unternehmen Kieback&Peter, das er zu den Hidden Champions der Berliner mittelständischen Unternehmen zählt und im Bereich Green Tech als besonders aktiv in seinen Bemühungen für einen klimafreundlichen Gebäudebestand lobt.

Unter Anleitung der Moderatorin der Veranstaltung unterzeichneten die Projektbeteiligten und der Bürgermeister eine Urkunde, die sodann zusammen mit Bauplänen, Unternehmensbroschüren der Projektpartner, vier aktuellen Tageszeitungen und weiteren Symbolen in einer Zeitkapsel Platz fand. Den Abschluss des Rituals bildete das Versenken besagter Kapsel in einem Kamin, von dem angenommen werden darf, dass er einen Platz in den unteren Regionen des Gebäudes findet.

MSc, Dipl.-Ing. Silke Schilling
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