Gesundheitsgefahr Luftfeuchte am Arbeitsplatz

Eine zu geringe Luftfeuchte in Büro- und Arbeitsräumen ist nicht nur unangenehm, sondern birgt auch Gesundheitsrisiken. Eine Mindestraumluftfeuchte von 40 % hingegen erhöht Wohlbefinden, Konzentration und Gesundheitsschutz.

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Zu trockene Luft belastet Schleimhäute und Atemwege. Quelle: stock.adobe.com/racle-fotodesign
Zu trockene Luft belastet Schleimhäute und Atemwege. Quelle: stock.adobe.com/racle-fotodesign

Von Holger Lasch, Produktmanager Luftbefeuchtung / Verdunstungskühlung, Condair GmbH


Winterzeit gleich Grippezeit?

Seit vielen Jahren erfasst das Robert-Koch-Institut (RKI) die in Deutschland durch Grippe ausgelösten Krankheits- und Todesfälle. Im seinem Bericht für 2017/2018 kommt das Institut zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Grippewelle startete gegen Jahresende (KW 52), erreichte ihren Höhepunkt im Februar und März (KW 8 bis KW 10) und klang dann im April langsam ab. Dies sind die Monate mit einer sehr geringen Feuchte der Außenluft.
  • 2017/2018 schätzte das RKI rund 9 Mio. Arztbesuche und 45.000 Einweisungen in Krankenhäuser, die durch Grippeinfekte hervorgerufen wurden. Darüber hinaus schätzt das Institut weitere 5,3 Millionen Influenza-bedingte Arbeitsunfähigkeitstage ohne einen Kranken­schein vom Arzt.

Luftfeuchte und Infektionsrisiko

Jeder kennt die unangenehmen Auswirkungen von zu trockener Luft: Die Haut wird schuppig und rissig, Nasen- und Rachenschleimhäute, aber auch die Augen trocknen aus und werden gereizt. Dadurch fühlen wir uns unbehaglich, sind weniger konzentriert und leistungsfähig und werden anfälliger für Atemwegserkrankungen. Eine viel zu geringe Raumluftfeuchte ergibt sich, wenn in kühlen Jahreszeiten trockene Außenluft durch Lüftungsanlagen oder geöffnete Fenster ohne eine geregelte Befeuchtung in warme Räume einströmt. Häufig stellen sich in so belüfteten Räumen dann relative Luftfeuchten von deutlich unter 20 % ein, die die zuvor beschriebenen negativen Symptome auslösen.

Doch gibt es tatsächlich einen direkten Zusammenhang zwischen einer trockenen Luft mit einer relativen Feuchte unter etwa 30 % und der Ausbreitung und den Erkrankungen an Grippe?

Dieses auch in der Medizin kontrovers diskutierte Thema wurde in langjährigen Untersuchungen von Forschern der renommierten US-amerikanischen Universität Yale analy­siert.

Einer aktuellen Studie zufolge, die im Mai 2019 unter dem Titel "Low ambient humidity impairs barrier function and innate resistance against influenza infection" veröffentlicht wurde, begünstigt eine zu geringe Raumluftfeuchte die Ausbreitung von Grippeviren und erhöht damit die Erkrankungsgefahr erheblich. Grippeauswirkungen werden bei 10 - 20 % relativer Luftfeuchtigkeit auch unabhängig von der Viruslast verstärkt.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Der Zusammenhang zwischen einer geringen Luftfeuchte und der Überlebensfähigkeit und Ausbreitung von Grippeviren ist vorhanden und wurde eindeutig nachgewiesen.
  • Eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit verringert den Selbstreinigungsmechanismus der Atem­wege und führt dadurch zu einer geringeren Widerstandsfähigkeit des Immunsystems gegenüber Viren.
  • Die Stärke der Erkrankung verschlimmert sich bei niedriger relativer Luftfeuchtigkeit unab­hängig von der Viruslast. Zudem hemmt eine zu geringe Luftfeuchtigkeit die Reparaturfähig­keit des menschlichen Zellgewebes.
  • Auch wurde aufgezeigt, dass eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 % eine virale Infektion minimiert und den Übertragungsprozess erschwert.

Auf Basis dieser Ergebnisse ziehen die Yale-Forscher folgendes Fazit: Eine geringe Feuchte ist zwar nicht der einzige Faktor, der zur Verbreitung von Grippeviren und zu Krankheiten führen kann. Das Sicherstellen einer relativen Luftfeuchte von mindestens 40 % besonders in den kühlen und trockenen Jahreszeiten ist aber eine geeignete Maßnahme, um die Aus­breitung von Grippeviren und die Zahl der Erkrankungen erheblich zu verringern.

Etliche weitere Studien der vergangenen Jahre zeigen einen eindeutigen Zusammenhang von niedrigen Luftfeuchtewerten und der Ausbreitung von Grippeviren auf.

Mindestraumluftfeuchte 40 %

Seit vielen Jahren ist in der Lüftungs- und Klimatechnik das so genannte Behaglichkeitsdia­gramm bekannt und etabliert, das den Zusammenhang zwischen der Raumlufttemperatur und der relativen Raumluftfeuchte darstellt (Abbildung 1). In diesem Diagramm wird für einen behaglichen Raumluftzustand bei einer Temperatur von etwa 18 bis 24 °C eine Raumluft­feuchte zwischen rund 35 % (untere Grenze) und etwa 70 % (obere Grenze) empfohlen.

In aktuellen technischen Regeln für Lüftungs- und Klimasysteme in Wohn- und Nichtwohnge­bäuden dominieren Vorgaben zu Mindestaußenluftvolumenströmen und zu angenehmen Temperaturen. Zum Unterschreiten einer Schwülegrenze wird bei einer Raumtemperatur von 26 °C ein Maximalwert der relativen Feuchte von rund 60 bis 65 % empfohlen (absolute Feuchte 12 g/kg).

Die Mindestraumluftfeuchte in kühleren und trockenen Jahreszeiten spielt demgegenüber bislang eine untergeordnete Rolle und wird fast sträflich vernachläs­sigt. Hierzu gibt es nur einige Empfehlungen ohne konkret einzuhaltende Vorgaben. So heißt es in der VDI 3804 Raumlufttechnik - Bürogebäude: "Es wird empfohlen, als Untergrenze die Kategorie 1 der DIN EN 15251 mit 30 % r.F. anzustreben. Hierzu ist in der Regel eine Befeuchtungseinrichtung erforderlich... Feuchten < 30 % r.F. können zu Reizun­gen der Augen und der Luftwege führen und damit Infektionskrankheiten begünstigen... Bei tiefen Außentemperaturen ist eine Unterschreitung einer Raumluftfeuchte von 30 % zu erwarten."

Der vom Deutschen Netzwerk Büro erstellte „Ratgeber Büro“, empfiehlt eine Raumluftfeuchte von 40 bis 60 %, der DGUV Ratgeber 215-510 „Beurteilung des Raumklimas“ gibt einen behaglichen Bereich der Luftfeuchte von 45 +- 15 % an und die Infobroschüre des DGUV 202-090 „Klasse(n) – Räume für Schulen“ spricht von einer relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 65 % bei Tätigkeiten mit hohem Sprechanteil.

Aktive Luftbefeuchtung

Zur Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Menschen werden also relative Raumluftfeuchten über 40 % empfohlen, die aber im Winter dauerhaft nur mit einer aktiven Luftbefeuchtung erreicht werden können.

Leider werden diese Empfehlungen bei vielen Planun­gen von Klimaanlagen zu wenig bzw. nicht beachtet. In der Folge arbeiten sehr viele Anlagen noch immer ohne Systeme für eine geregelte, ausreichende Luftbefeuchtung.

In technischen Regeln für die Raumlufttechnik müssen daher verbindliche Werte auch für eine Mindestraumluftfeuchte festgelegt und damit gleichzeitig der Gesundheitsschutz signifikant gesteigert werden.

Positive Beurteilung durch Nutzer

Neben einer Verringerung des Erkrankungsrisikos hat eine Mindestraumluftfeuchte auch sehr positive Auswirkungen auf die Erhöhung der Behaglichkeit und der Leistungsfähigkeit.

Das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) untersuchte in der Studie "Luftfeuchtigkeit am Büroarbeitsplatz" die Bedeutung und die Wirkungen von geringen (etwa 25 % r.F.) und von ausreichend hohen Luftfeuchten (rund 40 % r.F.) an Büro­arbeitsplätzen. Dafür wurde in einem Gebäude über mehrere Monate in Referenzbüros (Temperatur etwa 22 bis 23 °C) das System zur Luftbefeuchtung ein- und ausgeschaltet. Die Ergebnisse belegen sehr deutlich, dass Personen in Büros ohne eine geregelte Luftbefeuchtung Störungen durch eine trockene Luft beklagen, die ihr Befinden und ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen:

Bei einer aktiven Erhöhung der Raumluftfeuchte auf etwa 40 % empfand keiner der Befrag­ten die Luftfeuchte als zu gering, für sogar 84 % war die Luftfeuchte gut. Demgegenüber klagten in den nicht befeuchteten Räumen fast 70 % der Teilnehmer über eine zu geringe Luftfeuchte. Zudem beurteilten 54 % der Befragten die Raumluftbefeuchtung als sehr erfrischend. Auch bei der Beurteilung der Symptome "trockene Atemwege" und "brennende Augen" wurden in den befeuchteten Räumen die Ergebnisse signifikant um jeweils etwa 20 % besser.

Fazit

Es ist mittlerweile medizinisch bewiesen, dass durch das Sicherstellen einer Mindestraum­luftfeuchte von 40 % die Gefahren zur Ausbreitung von Krankheiten wie zum Beispiel Grippe auf ein Minimum verringert werden. Gleichzeitig werden ab einer relativen Feuchte von rund 40 % auch die zuvor beschriebenen unangenehmen Auswirkungen von zu trockener Luft vermieden und die Menschen fühlen sich nun gesund, behaglich und leistungsfähig. Das in der Klimatechnik seit vielen Jahren etablierte Diagramm mit den Vorgaben zu behaglichen und gesunden Raumluftfeuchten spiegelt die Forderungen nach einer Mindestraumluft­feuchte von etwa 35 bis 40 % im Feld "behaglich" durchaus in etwa wieder - aber diese Werte sollten dringend in der künftigen Normung und in der täglichen Praxis der Lüftungs- und Klimatech­nik auch beachtet und umgesetzt werden.

Daher wird auch für künftige tech­nische Regeln empfohlen, das bisherige Behaglichkeitsdiagramm an die neuen medizinischen Erkennt­nisse anzupassen und es dafür leicht zu modifizieren. Das Ergebnis zeigt die nachfolgende Abbildung die hiermit zur fachlichen Diskussion gestellt wird.

Neue Broschüre "Luftfeuchte am Arbeitsplatz

Luftfeuchte am Arbeitsplatz. Quelle: Condair
Luftfeuchte am Arbeitsplatz. Quelle: Condair

In der Broschüre "Luftfeuchte am Arbeitsplatz“ werden in neun Kapiteln technische, gesundheitliche und wirtschaftliche Aspekte zur allgemeinen Luftbefeuchtung dargestellt und anhand von Studien, vielen Beispielen und Abbildungen anschau­lich gemacht.

Die Broschüre umfasst 44 Seiten und ist im Buchhandel für 12,95 Euro erhältlich oder bis 31.März 2021 kostenfrei beziehbar.

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