Die richtige Luftfeuchte für Galerie und Konzertsaal
Das ehemalige Heizwerk in München Aubing, geplant in den 1920erJahren, fristete seit den späten 1980erJahren ein Schattendasein. Techno-Raves hauchten dem Lost Place ab und zu Leben ein. Das änderte sich, als die Brüder Christian und Michael Amberger, Geschäftsführer der Firma Allguth, das Objekt entdeckten. Anstatt dort eine neue Unternehmenszentrale einzurichten, erkannten sie das Potenzial für einen kulturellen Hotspot, einen Treffpunkt für Kreative und Künstler:innen. 2005 gingen das teils verfallene Gebäude sowie 20.000 m² Gelände an das Familienunternehmen Allguth, zwei Jahre später stand das Heizwerk unter Denkmalschutz. Ab 2015 wurden die Pläne für das Areal konkreter. Das Architektenbüro Stenger2 erhielt den Auftrag, den Bestand umzubauen und direkt daneben einen Neubau zu planen.
Bautafel
Objekt: Museum Bergson München
Bauherr: Allguth GmbH, Gräfelfing
Baujahr: 2021/2024
Architekt: Stenger2 Architekten und Partner mbB BDA, München
Planung: IVM Gebäudetechnik GmbH & Co. KG, Dipl.-Ing. Karl-Heinz Mayer, Ebersberg
Ausführendes Unternehmen: Weigerstorfer GmbH, Freyung
Eingesetzte Komponenten:
Galerie (für Vollklima):
2 × Dampf-Luftbefeuchter Condair RS 8
1 × Enthärtungsanlage Condair Soft 60
1 × Umkehr-Osmoseanlage Condair AX05 W
Konzertsaal:
1 × Dampf-Luftbefeuchter x Condair RS 160
1 × Dampf-Luftbefeuchter Condair RS 50
2 × Enthärtungsanlage Condair Soft 120
1 × Umkehr-Osmoseanlage Condair AX 50
Hersteller: Condair GmbH
Die Vision nimmt Gestalt an
Von der Entkernung des Kubus über die Entwicklung der Räume bis zum Gesamtkonzept war es ein längerer Weg. Das Ziel: ein multifunktionaler Komplex, der viele Optionen der Nutzung bietet. Dazu wurde neben dem Heizwerk ein quaderförmiger Neubau errichtet. Die Verbindung zum Bestand löste man mit einem gemeinsamen Empfangsbereich. Als prägend für die äußere Struktur des alten Stahlbetonbaus gelten die Hülle aus Vollziegeln und die lang gestreckten Fensteröffnungen. Im Innern der über 20 m hohen Halle sind die Relikte der riesigen Silos sichtbar geblieben - ein deutlicher Hinweis auf die frühere Nutzung. Bei allem Erhalt des industriellen Flairs wurde zeitgemäße Haustechnik geplant. Hier war die IVM Gebäudetechnik GmbH mit Dipl.-Ing. Karl-Heinz Mayer federführend, die sämtliche Gewerke bis auf Elektro verantwortete.

13 Wärmepumpen sowie eine Gasbrennwert-Doppelkesselanlage mit einer Gesamtleistung von 1.000 kW liefern Wärme und Kühlung. Je nach Raum wird sie per Flächenheizung, Klimadeckensegel und Türluftschleieranlagen eingebracht. Ein unverzichtbarer Teil der technischen Infrastruktur ist die Lüftungs- und Klimatechnik.
Temperatur und Feuchte zusammen denken
Aufgrund der vielfältigen Bereiche und Nutzungen mussten die Anforderungen der einzelnen Abschnitte genau erfasst werden. Anspruchsvoll waren in diesem Zusammenhang die Galerie und der Konzertsaal. Für erstere sah man den Bereich über den alten Kohlesilos vor, die durch einen Gitterboden in weiten Strecken sichtbar blieben. Die Verantwortlichen entwickelten ein ausgefeiltes Konzept für die klimatischen Bedingungen, denn Ausstellungsstücke unterliegen bezüglich der Temperatur und Luftfeuchte strengen Anforderungen. Diese Werte müssen äußerst stabil sein und nur geringe Abweichungen aufweisen, unabhängig von der Besucherzahl, der Jahreszeit oder anderen Einflussfaktoren. Nur dann ist es beispielsweise möglich, Leihgaben für eine Schau zu erhalten.
Etwas anders stellte sich die Situation für den Konzertsaal dar, der sich im Neubau befindet. Sowohl für den bis zu 470 Plätze umfassenden Saal als auch für das Lager des Konzertflügels wurden gleiche Werte vorausgesetzt, um die optimalen klimatischen Bedingungen zu garantieren. Für die Luftfeuchtigkeit sind das nicht unter 45 % relative Luftfeuchtigkeit.

Die Systemauswahl erfolgte einerseits im Hinblick auf die Erfüllung der Vorgaben, andererseits spielten die Folgekosten eine große Rolle. Zudem legte Karl-Heinz Mayer als Planer Wert auf Erfahrung, Support und Kundendienst im Bereich Großprojekte. Daher wurden für die raumlufttechnischen Anlagen Produkte der Alko Therm GmbH und der Wolf Anlagen-Technik GmbH eingesetzt, insgesamt elf Geräte für unterschiedliche Abschnitte. Für alle Details rund um die Luftbefeuchtung kam das Unternehmen Condair zum Zuge.
Dem Ort angepasste Technik – die Galerie
Aufgrund der Vorgaben der Bauherren entschied man sich dafür, die Galerie im zweiten Obergeschoss mit einer Lüftungstechnik auszustatten, die eine Vollklimatisierung gewährleistet. Zudem wurde sie als Doppelanlage ausgeführt – diese Redundanz sichert den Betrieb zu jeder Zeit. Folgende Werte waren für die Auslegung relevant:
- Raumtemperatur 22 °C ± 1K
- Raumluftfeuchte 50 % ± 5 %
- maximale Belegung 50 Personen
- Außenluft-Volumenstrom 30 m³/h*Person
- Luftmenge Frischluft 1.500 m³/h
- Luftmenge Umluft 5.500 m³/h
- Gesamt-Volumenstrom 7.000 m³/h
- belüftetes Volumen ca. 950 m³
- maximaler Luftwechsel 7,3-fach
Die Umsetzung erfolgte mit einem Vollklimagerät von Alko Therm GmbH, das die genannten Parameter für den Luftaustausch erfüllt. Um die Raumluftfeuchte wie vorgesehen zu gewährleisten, fiel die Wahl auf zwei Widerstands-Dampfluftbefeuchter Condair RS 8. Sie erhitzen Wasser nach dem Tauchsiederprinzip auf 100 °C und geben den entstehenden Dampf in die Lüftungsanlage ab. Die Dampfluftbefeuchter sind in eigenen Kuben in den Zuluftkanal eingebaut. Die Steuerung der Vollklimafunktion übernimmt die im RLT-Gerät von Alko Therm integrierte Regelanlage. Dabei bleibt die Lufttemperatur weitgehend konstant. Diese Technik arbeitet mit Widerstandselementen – Heizstäben im Dampfzylinder – und ist daher nicht von der Leitfähigkeit des vorhandenen Wassers abhängig. Die RS 8 können sowohl mit Trinkwasser als auch mit vollentsalztem Wasser betrieben werden. Von Vorteil ist die mit dem Verfahren verbundene Hygiene, denn Keime werden eliminiert und die Luftqualität wird verbessert. Des Weiteren lässt sich die Dampfabgabeleistung stufenlos zwischen 0 und 100 % regeln. Die Geräte verfügen über ein patentiertes Kalkschutzmanagement, mit dem eine dauerhafte Ablagerung von Kalk auf den Heizstäben verhindert wird.

Die befeuchtete Zuluft wird über schmale, lange Schlitzauslässe an einer der Längsseiten der Galerie eingebracht. Sie gestatten eine zugfreie und dezente Luftzufuhr. Dementsprechend erfolgt die Abluftabsaugung auf der gegenüberliegenden Seite. Schalldämpfer verhindern jeweils die Entwicklung von Strömungsgeräuschen. Raumluftfühler überwachen den CO₂-Gehalt, die Feuchte und die Temperatur, damit die Sollwerte jederzeit einreguliert werden.

Dem Ort angepasste Technik – der Konzertsaal
Für den Konzertsaal im Neubau wurde eine eigene Lüftungstechnik installiert, die der Größe und den baulichen Gegebenheiten angepasst ist. Für den Saal galten folgende Werte:
- maximale Belegung 520 Personen
- Außenluft-Volumenstrom 20 bis 30 m³/h 10.400 bis 15.600 m³/h
- Luftmenge Umluft 28 bis 18 m³/je Person 14.600 bis 9.400 m³/h
- belüftetes Volumen 4.600 m³
- Gesamtluftmenge 25.000 m³/h
- Raumtemperatur 22 °C
- Raumluftfeuchte 40 bis 55 %
- maximaler Luftwechsel 5,4-fach
- Entfeuchtung keine
Hier wurde eine raumlufttechnische Anlage der Wolf Anlagen-Technik GmbH installiert. Es sind Widerstands-Dampfluftbefeuchter Condair RS mit insgesamt 210 kg/h Dampfleistung eingebaut. Sie befeuchten im Winter die trockene Luft, um die gewünschten Bedingungen herzustellen.

Die komplette Zuluftführung findet unter dem Konzertsaal statt. Dabei ist der Saal darüber in Zonen eingeteilt: Bodenauslässe gibt es auf der Bühne und in den ersten Reihen des Parketts. Die Sitzreihen im ansteigenden Bereich sowie auf der Empore weisen unterhalb der Sitze Öffnungen auf, durch die die Luft gleichmäßig einströmt.

Damit dieses Verfahren dauerhaft auf dem gewünschten Niveau abläuft, sind die Dampfluftbefeuchter Condair RS in einem vorgelagerten eigenen Technikraum platziert. Die Absaugung erfolgt über der Bühne unter der Konzertsaaldecke.

Wasser für die Befeuchtung und Einbindung in GLT
Das Trinkwasser für sämtliche Bereiche wird per chemischer Enthärtung mit Salz aufbereitet, um einen Härtegrad von ca. 6° zu erreichen. Im zweiten Schritt erfolgt die Reduktion auf 0°. Dazu werden Geräte aus der Condair-Serie Soft eingesetzt. Für die Galerie reicht die Ausführung Soft 60 mit einer Kapazität von 56 m³xdH.

Der Konzertsaal ist mit zwei Soft 120 ausgestattet, die je 109 m³xdH erbringen. Anschließend wird das Wasser zu einer Umkehrosmoseanlage geleitet, die das hochwertige Permeat in einem atmosphärisch geschlossenen Druckspeicher aus Edelstahl bereitgestellt. Dieses hygienisch einwandfreie Wasser steht dann den Dampfluftbefeuchtern zur Verfügung. Durch die Verwendung hochwertiger Membranmodule wird die Dauerabgabe der benötigten Permeatleistung zuverlässig garantiert. Eine großvolumige Bevorratung des Befeuchtungswassers ist deshalb nicht erforderlich. Mit dieser Konfiguration wird stehendes Wasser vermieden und es werden die Hygieneansprüche garantiert, zudem führt es zu längeren Wartungsintervallen. Die Umkehrosmoseanlage Condair AX05 W stellt das Osmosewasser mit einer Permeatleistung von 50 l/h für die Galerie zur Verfügung. Das Modell AX 50 liefert 500 l/h für den Konzertsaal.
Sämtliche Geräte der Luft- und Klimatechnik sind in der GLT zusammengefasst. Dies gelingt problemlos, weil die Widerstands-Dampluftbefeuchter der Serie Condair RS serienmäßig eine Schnittstelle zu den gängigen GLT-Systemen Modbus und BACnet enthalten. So lassen sich die Zonen bedarfsgerecht und nach den kundenspezifischen Vorgaben steuern.
Erste Erfahrungen
Die Vision, einen multikulturellen Begegnungsort zu schaffen, hat sich erfüllt. Durch das Zusammenspiel der regionalen Partner sowie das Einbeziehen des Marktführers im Bereich Luftbefeuchtung konnte das außergewöhnliche Projekt vor einem Jahr abgeschlossen werden. „Nach dem Einschalten funktionierte die Anlage inklusive Luftbefeuchtung einwandfrei“, berichtet Planer Karl-Heinz Mayer. Ebenso positiv äußern sich die Bauherren: „Kurze Wege, schnelle Entscheidungen und Begegnung auf Augenhöhe – dass waren die Voraussetzungen, um das Bergson zu einem Hotspot zu machen. Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis.“ Die große Resonanz des Publikums und aller Gäste gibt ihnen Recht.
Eine Information der Condair GmbH, Garching-Hochbrück
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