Energiewendestudien – Handlungsempfehlungen für erfolgreiche Energiewende

Energiewendestudien – Handlungsempfehlungen für erfolgreiche Energiewende

Im Projekt Energiesysteme der Zukunft (ESYS) der deutschen Wissenschaftsakademien präsentieren der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sowie die Deutsche Energie-Agentur (dena) Empfehlungen für sieben Handlungsfelder, damit Deutschland erfolgreich die Energiewende vollziehen kann und die Klimaziele für das Jahr 2050 erreicht.

Sanierungsrate für Wohngebäude, Energiewende
(Grafik: ESYS/BDI/dena, 2019)

Rasches, entschlossenes Handeln der Politik ist unerlässlich das Gelingen. Ein umfassendes Maßnahme-Paket soll die Basis für umfangreiche Investitionen werden. ESYS, dena und BDI führten unabhängig voneinander Grundsatzstudien zur Machbarkeit der Energiewende durch, kamen aber letztlich zum gleichen Ergebnis. Ihre Vorschläge präsentierten sie auf einer gemeinsamen Veranstaltung in Berlin.

Konkrete Handlungsempfehlungen

Die relevanten Handlungsfelder werden in erneuerbare Energien, flexible Lasten und regelbare Kraftwerke, erneuerbare synthetische Energieträger, neue Technologien im Verkehr, energieeffiziente Gebäude, die Vermeidung von Industrieemissionen sowie eine ganzheitliche Steuerung der Energiewende unterteilt. Hier müssen wichtige Impulse gegeben werden. Der jährliche Nettoausbau der erneuerbaren Energien müsse zum Beispiel laut ESYS, BDI und dena auf mindestens sechs Gigawatt steigen, 50 Prozent mehr als das Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2017 vorsieht.

Die erneuerbaren Energien müssen gleichzeitig in das Stromnetz integriert werden, das dafür entsprechend angepasst und ausgebaut werden muss. Die jährliche Gebäudesanierungsrate müsse von derzeit einem Prozent auf 1,4 bis 2,0 Prozent erhöht werden. Im Jahr 2017 verbrauchten die Deutschen rund 3.800 Terawattstunden Primärenergie. Zum Erreichen der Klimaziele muss der Anteil erneuerbarer synthetischer Energieträger 200 bis 900 Terawattstunden betragen.

Bundesregierung muss handeln

Verzögert sich die Umsetzung, steigen die Kosten deutlich und die nötigen Technologien sowie die Infrastruktur stünden nicht rechtzeitig zur Verfügung. Das Energiesystem muss als Ganzes im Blick behalten werden. Langfristige Rahmenbedingungen müssen gestaltet, technologieoffene Anreize gesetzt, sektorübergreifende Instrumente entwickelt und Raum für Innovationen und neue Geschäftsmodelle geschaffen werden. Die Bundesregierung solle noch in dieser Legislaturperiode das bestehende System an Steuern, Abgaben und Umlagen überarbeiten, um die erforderlichen Investitionen zu tätigen, empfehlen die Experten. Der Fokus einer Reform sollte auf CO2-orientierten Preissignalen für alle Sektoren liegen – auch für jene außerhalb des EU-Emissionshandels wie Wärme und Verkehr. Energiewende und Klimaschutz könnten damit zum wichtigsten Zukunftsprojekt für den Industriestandort Deutschland avancieren.

Stimmen von ESYS, BDI und dena

Prof. Dr. Eberhard Umbach, Mitglied des ESYS-Direktoriums: „Ein schneller Ausbau der Erneuerbaren ist eine grundlegende Voraussetzung, um das Energiesystem klimafreundlich und Strom zum dominierenden Energieträger zu machen. Dafür muss die Bundesregierung den Ausbaukorridor für Wind- und Solaranlagen auf mindestens sechs Gigawatt netto pro Jahr erhöhen und parallel den Netzausbau beschleunigen. Um die schwankende Stromerzeugung auszugleichen, braucht es vielfältige Technologien für kurzfristige Flexibilität – von Batterien in Elektroautos und Wärmepumpen über thermische Speicher und Power-to-X-Anlagen bis zum Demand-Side-Management. Dennoch kommt auch das Energiesystem der Zukunft nicht ohne Reservekapazitäten aus. Flexibel regelbare Gaskraftwerke und Gasturbinen müssen die Versorgung in allen Wetterlagen und zu allen Jahreszeiten sichern.“

Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer: „Aufgrund des Billionenbedarfs an Mehrinvestitionen kommt es für einen erfolgreichen und effizienten Klimaschutz jetzt auf passgenaue Lösungen für die unterschiedlichen Sektoren Gebäude, Verkehr und Industrie an. Im Verkehrssektor werden Wirtschaft und Gesellschaft an die Grenzen der praktischen Umsetzbarkeit stoßen. Wir wollen individuelle Mobilität erhalten, dafür braucht es technologieoffene Lösungen. Im Gebäudesektor muss die energetische Sanierung schneller, umfangreicher und besser vorankommen. Dafür ist eine attraktive steuerliche Förderung der zentrale benötigte Impuls. Die Industrie muss bei Lösungen von heute noch nicht vermeidbaren Prozessemissionen unterstützt werden. Neue Verfahren müssen ab 2030 einsatzbereit sein und Carbon Capture Storage (CCS) wird aus heutiger Sicht für die Erreichung der ambitionierten Klimaziele eine erforderliche Ergänzung darstellen.“

Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung: „Die integrierte Energiewende ist möglich. Die Bereitschaft für einen Aufbruch ist deutlich spürbar – bei den Unternehmen, aber auch in der Gesellschaft. Wenn Politik jetzt die Rahmenbedingungen entsprechend überarbeitet, das System an Steuern, Abgaben und Umlagen eindeutiger auf Klimaschutz ausrichtet und damit einen fairen Wettbewerb für CO2-sparende Technologien ermöglicht, wird das eine enorme Dynamik freisetzen. Dazu gehört auch der Aufbau eines Marktes für erneuerbare synthetische Energieträger – in Deutschland und global. Sie können die Lücke schließen, die nicht durch Energieeffizienz oder die direkte Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien abgedeckt werden kann. Darin sind sich alle drei Studien einig.“