Neue normative Leitplanken
Der Autor: Sven Elsner, Leiter Business Unit Löschwassertechnik Minimax Mobile Services GmbH, Bad Urach
Von stagnierendem Löschwasser können besondere hygienische Risiken ausgehen. In wenig oder nicht durchströmten Leitungsabschnitten besteht die Gefahr mikrobieller Belastungen, die ohne geeignete Trennung auf das Trinkwassernetz übergreifen könnten. Daher müssen Trink- und Löschwasserinstallationen konsequent hygienisch getrennt werden.
Risiken stagnierender Systeme und Rolle der Risikobewertung
Die Grundlage der aktuellen Entwicklung bildet das DVGW-Merkblatt W 551-5, das sich der Risikobewertung stagnierender Löschwassersysteme widmet. Demnach werden in einige stagnierende Systeme keine neuen Nährstoffe eingetragen, so dass sich mikrobiologische Belastungen in Grenzen halten und Organismen langfristig absterben können. Entscheidend ist eine fachkundige Risikobewertung des Anlagenaufbaus. Wird diese positiv durchgeführt, kann Löschwasser gemäß Merkblatt unter bestimmten Bedingungen der Kategorie 3 zugeordnet werden.
Die neue DIN 14467 greift diese Vorgaben auf und konkretisiert insbesondere die Anforderungen an die Löschwasserübergabestelle. Die Norm schafft damit erstmals einen klar formulierten und zertifizierungsfähigen Anforderungskatalog für Produkte, die diese hygienische Trennung ermöglichen.
Integration in die DIN 1988-600:2026-01
Die Überarbeitung der DIN 1988-600 im Januar 2026 ist ein wesentlicher Schritt, um die bestehenden Regelwerke aufeinander abzustimmen. Die neue Fassung integriert sowohl die DIN 14467 als auch Inhalte des DVGW-Merkblatts W 551-5. Gleichzeitig enthält sie detaillierte Hinweise zu Risikobewertung, Armaturen und technischen Anforderungen für Wandhydrantenanlagen mit stagnierendem Wasser.
Damit entsteht erstmals ein konsistenter, verbindlicher Normenverbund, der Planung, Bau und Betrieb solcher Anlagen eindeutig regelt. Betreibern bietet diese weitere Trennmethode eine kostengünstige Möglichkeit, die erforderliche hygienische Trennung umzusetzen.
Planungs- und Ausführungsanforderungen im Überblick
Die Planung von Wandhydrantenanlagen mit hygienischer Trennung erfordert eine systematische Vorgehensweise:
Abstimmung mit dem Wasserversorger
Zu Beginn muss geklärt werden, ob ausreichend Löschwasser mit dem nötigen Druck zur Verfügung steht. Unterversorgungen können im Ernstfall zu Funktionsstörungen der Anlage führen.
Risikobewertung durch qualifizierte Fachpersonen
Eine qualifizierte Fachperson für Trinkwasserhygiene muss die geplante oder bestehende Anlage bewerten. Voraussetzung ist unter anderem eine vollständige Dokumentation der gesamten Installation – ein häufiges Problem in Bestandsgebäuden.
Technische Ausführung nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik
Bei der technischen Ausführung sollte zum Beispiel sichergestellt sein, dass
- ausschließlich geeignete und normkonforme Materialien verwendet werden,
- eine fachgerechte und vollständige Spülung der Anlage durchgeführt wird,
- die Druckverhältnisse korrekt berücksichtigt und entsprechend ausgelegt sind,
- Armaturen richtig und technisch sinnvoll positioniert werden,
- eine vollständige und nachvollziehbare Dokumentation der technischen Ausführung vorliegt.
Fehlen Nachweise oder ist der Anlagenzustand unklar, empfiehlt sich als sicherste Lösung weiterhin ein freier Auslauf.
Standortbedingungen berücksichtigen
Hygienische Trennungen sollten vor Fremdzugriff geschützt sein und in frostfreien Aufstellräumen erfolgen. Die Installation muss zudem wartungsfreundlich erreichbar sein.
Normgerechte Lösungen: Beispiel einer modernen Trennstation
Die Weiterentwicklung der Normen hat die Grundlage für neue Systemlösungen geschaffen, die ohne freien Auslauf auskommen und dennoch einen hygienisch sicheren Betrieb gewährleisten.
Ein Beispiel aus der Praxis ist die Direkttrennstation DTS 50, welche speziell entsprechend der aktuellen DIN-Anforderungen konzipiert ist. Sie nutzt den vorhandenen Versorgungsdruck, verzichtet auf Vorlagebehälter und Pumpentechnik und trennt die Anlage nach einer Löschwasserentnahme automatisch innerhalb von maximal 30 Minuten wieder vom Trinkwassernetz. Die kompakte Bauweise ermöglicht den Einsatz auch in engen Technikräumen und Bestandsgebäuden. Eine integrierte Spüleinrichtung unterstützt zusätzlich den hygienisch sicheren Betrieb.
Solche innovativen Trennstationen zeigen, dass die neuen Normen nicht nur Anforderungen definieren, sondern auch den Weg für technische Lösungen ebnen, die Platzbedarf und Wartungsaufwand reduzieren.
Bedeutung für Betreiber und Planer
Mit den jüngsten normativen Leitplanken ist eine weitere hygienische Trennung von Wandhydrantenanlagen nun verbindlich geregelt. Betreiber müssen aktiv prüfen, ob ihre Anlagen den Anforderungen des Trinkwasserschutzes entsprechen. Unterlassen sie dies trotz Kenntnis eines mangelhaften Anlagenzustands, kann dies haftungsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Die klar strukturierte Normenlage bietet Planern eine eindeutige Orientierung.
Fazit
Die hygienische Trennung bei Wandhydrantenanlagen mit stagnierendem Wasser hat mit der DIN 14467 und der aktualisierten DIN 1988-600:2026-01 eine neue Klarheit und Verbindlichkeit erreicht. Die Normen schaffen einen durchgängigen technischen Rahmen – von der Risikobewertung über den Anlagenaufbau bis zur Auswahl geeigneter Trenntechnologien. Moderne Systemlösungen, wie sie aktuell auf dem Markt vorgestellt werden, unterstützen die Umsetzung dieser Vorgaben und ermöglichen kompakte, wirtschaftliche und betriebssichere Installationen.
Voraussetzung bleibt jedoch eine fachgerechte Planung und eine vollständige Dokumentation, um Fehlerquellen zu minimieren und die hygienische Sicherheit dauerhaft zu gewährleisten.
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