Nach einem Sommer außergewöhnlicher Hitze und Trockenheit, der wie vorausgesagt eintrat, ist nun auch ein überdurchschnittlich nasser Herbst prognostiziert.
Prognosen müssen sich nicht zwingend erfüllen, doch nicht nur die globalen Temperaturen steigen, sondern auch die Wahrscheinlichkeit für Klimaextreme wie lange Hitzewellen und Frostperioden, Dürre und Starkregen. Das sagt auch die Zurich Versicherung. Sie beschäftigt weltweit 1.000 Risikoingenieure sowie Expert:innen für Klima und Nachhaltigkeit, die bspw. Wirtschaftsunternehmen zum Risikomanagement beraten. Angesichts explodierender Schadenssummen durch Naturkatastrophen steigender Zahl und Schwere können sich Versicherungen nicht leisten, den Klimawandel auszublenden. Er wird in zahlreichen Analysen als weit größere Bedrohung für Sicherheit und Gesundheit gelistet als etwa Kriege oder Epidemien; laut World Risk Report des Weltwirtschaftsforums sind Extremwetterereignisse das größte globale Risiko über die nächsten zehn Jahre.
Die Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein sehen die Hitze dieses Sommers als dringende Warnung und haben gemeinsam eine Initiative namens „Cooles Land“ angeschoben: Städte inklusive ihrer Gebäude sollen so schnell wie möglich klimaresilient werden. Schon der Sommer 2027 soll sie besser gegen Hitze gerüstet finden. Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung Nordrhein-Westfalen will sofort starten und stützt sich beim frisch aufgelegten Projekt „Cooles Nordrhein-Westfalen“ auf die Erfahrungen der Zurich Versicherung. Auf Basis kommunaler Klima- und Standortdaten und dem Wissen vor Ort soll ein konkreter Investitionsfahrplan entstehen. Angedachte Schutzmaßnahmen für Menschen und Infrastruktur umfassen etwa Verschattung, Begrünung und Entsiegelung. Dabei sieht Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) das primäre Handlungsfeld zunächst im Stadtraum, doch außenliegender Sonnenschutz, Nachtauskühlung durch Lüftung und als letzte Zuflucht auch Klimaanlagen für öffentliche und Wohngebäude sind ebenfalls Themen. Die Initiative „Cooles Land“ schlägt ein 500-Millionen-Euro-Bundesprogramm ohne Länder-Kofinanzierung für Maßnahmen vor, die sich binnen zwölf Monaten umsetzen lassen. Die Bauministerkonferenz im September 2026 soll Klimafolgenanpassung als Schutzauftrag verankern. Bei Erscheinen der Ausgabe werden wir wissen, ob dieser Plan Erfolg hatte.
Integral planen, bauen und fördern
Sei es im Neubau oder bei Umbau und Sanierung: Aufgabe der TGA-Fachplanung ist die Konzeption und Auslegung der Versorgungsinfrastruktur, Anlagen- und Haustechnik innerhalb des Gebäudes. Dabei ist bereits die Kommunikation mit den Architekten oft schwierig. Geht es um eine klimaangepasste Integration von Gebäuden in das Umfeld jenseits von Grundstücksgrenzen, sind die Möglichkeiten der TGA-Fachplanung quasi nicht existent. Hier läuft nichts ohne umfassende Kooperationen, die in der Regel von anderer Seite initiiert werden müssen: Politik, Kommunen, Stadtplanung.
Das VDMA Forum Gebäudetechnik fordert in einem Positionspapier eine Förderpolitik, die nicht einzelne Teile technischer Systeme, sondern Energieeffizienz, CO₂-Minderung über den Lebenszyklus, Betrieb, Sicherheit, Gesundheit, Trinkwasserhygiene, Barrierefreiheit und Resilienz als Gesamtsystem adressiert. Das betreffe Neubau, Sanierung und Wärmeinfrastruktur gleichermaßen.
Eine auf Einzelkomponenten fixierte Betrachtungsweise, Finanzierung und Förderung der Wärmewende im Gebäudesektor insgesamt kritisiert der Autor des Beitrags auf S. 12 und schlägt eine neue Strategie vor, die Gebäudehülle, Wärmeversorgung, Klimaanpassung, Regenwasser, Gesundheitsschutz und soziale Auswirkungen in Städten und Quartieren als Gesamtsystem wahrnimmt.
Dass Kluges entstehen kann, wenn Architektur, TGA und weitere Beteiligte Gebäude gemeinsam und ganzheitlich planen, bauen und sanieren, zeigen die Beispiele auf S. 16 (Sanierung) und S. 22 (Neubau).
M.Sc., Dipl.-Ing. (FH) Silke Schilling
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