06/26 Editorial

Der beste Zeitpunkt ist jetzt

1105
Wie Verschattungen für urbane Räume auch in europäischen Städten künftig aussehen könnten, zeigt etwa die Expo 2020 in Dubai. Bild: diy13/stock.adobe.com
Wie Verschattungen für urbane Räume auch in europäischen Städten künftig aussehen könnten, zeigt etwa die Expo 2020 in Dubai. Bild: diy13/stock.adobe.com

Nach einem Sommer außergewöhnlicher Hitze und Trockenheit, der wie vorausgesagt eintrat, ist nun auch ein überdurchschnittlich nasser Herbst prognostiziert.

Prognosen müssen sich nicht zwingend erfüllen, doch nicht nur die globalen Temperaturen steigen, sondern auch die Wahrscheinlichkeit für Klimaextreme wie lange Hitzewellen und Frostperioden, Dürre und Starkregen. Das sagt auch die Zurich Versicherung. Sie beschäftigt weltweit 1.000 Risikoingenieure sowie Expert:innen für Klima und Nachhaltigkeit, die bspw. Wirtschaftsunternehmen zum Risikomanagement beraten. Angesichts explodierender Schadenssummen durch Naturkatastrophen steigender Zahl und Schwere können sich Versicherungen nicht leisten, den Klimawandel auszublenden. Er wird in zahlreichen Analysen als weit größere Bedrohung für Sicherheit und Gesundheit gelistet als etwa Kriege oder Epidemien; laut World Risk Report des Weltwirtschaftsforums sind Extremwetterereignisse das größte globale Risiko über die nächsten zehn Jahre.

Die Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein sehen die Hitze dieses Sommers als dringende Warnung und haben gemeinsam eine Initiative namens „Cooles Land“ angeschoben: Städte inklusive ihrer Gebäude sollen so schnell wie möglich klimaresilient werden. Schon der Sommer 2027 soll sie besser gegen Hitze gerüstet finden. Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung Nordrhein-Westfalen will sofort starten und stützt sich beim frisch aufgelegten Projekt „Cooles Nordrhein-Westfalen“ auf die Erfahrungen der Zurich Versicherung. Auf Basis kommunaler Klima- und Standortdaten und dem Wissen vor Ort soll ein konkreter Investitionsfahrplan entstehen. Angedachte Schutzmaßnahmen für Menschen und Infrastruktur umfassen etwa Verschattung, Begrünung und Entsiegelung. Dabei sieht Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) das primäre Handlungsfeld zunächst im Stadtraum, doch außenliegender Sonnenschutz, Nachtauskühlung durch Lüftung und als letzte Zuflucht auch Klimaanlagen für öffentliche und Wohngebäude sind ebenfalls Themen. Die Initiative „Cooles Land“ schlägt ein 500-Millionen-Euro-Bundesprogramm ohne Länder-Kofinanzierung für Maßnahmen vor, die sich binnen zwölf Monaten umsetzen lassen. Die Bauministerkonferenz im September 2026 soll Klimafolgenanpassung als Schutzauftrag verankern. Bei Erscheinen der Ausgabe werden wir wissen, ob dieser Plan Erfolg hatte.

Integral planen, bauen und fördern

Sei es im Neubau oder bei Umbau und Sanierung: Aufgabe der TGA-Fachplanung ist die Konzeption und Auslegung der Versorgungsinfrastruktur, Anlagen- und Haustechnik innerhalb des Gebäudes. Dabei ist bereits die Kommunikation mit den Architekten oft schwierig. Geht es um eine klimaangepasste Integration von Gebäuden in das Umfeld jenseits von Grundstücksgrenzen, sind die Möglichkeiten der TGA-Fachplanung quasi nicht existent. Hier läuft nichts ohne umfassende Kooperationen, die in der Regel von anderer Seite initiiert werden müssen: Politik, Kommunen, Stadtplanung.

Das VDMA Forum Gebäudetechnik fordert in einem Positionspapier eine Förderpolitik, die nicht einzelne Teile technischer Systeme, sondern Energieeffizienz, CO₂-Minderung über den Lebenszyklus, Betrieb, Sicherheit, Gesundheit, Trinkwasserhygiene, Barrierefreiheit und Resilienz als Gesamtsystem adressiert. Das betreffe Neubau, Sanierung und Wärmeinfrastruktur gleichermaßen.

Eine auf Einzelkomponenten fixierte Betrachtungsweise, Finanzierung und Förderung der Wärmewende im Gebäudesektor insgesamt kritisiert der Autor des Beitrags auf S. 12 und schlägt eine neue Strategie vor, die Gebäudehülle, Wärmeversorgung, Klimaanpassung, Regenwasser, Gesundheitsschutz und soziale Auswirkungen in Städten und Quartieren als Gesamtsystem wahrnimmt.

Dass Kluges entstehen kann, wenn Architektur, TGA und weitere Beteiligte Gebäude gemeinsam und ganzheitlich planen, bauen und sanieren, zeigen die Beispiele auf S. 16 (Sanierung) und S. 22 (Neubau).

Risikoabsicherung
Trotz der – verglichen mit anderen Naturgefahren wie Sturm – sehr hohen Schadendurchschnitte wird die Risikovorsorge bezüglich Starkregen in der...

M.Sc., Dipl.-Ing. (FH) Silke Schilling

Dipl.-Ing. Silke Schilling
Chefredakteurin
AnhangGröße
Beitrag als PDF herunterladen51.25 KB

· Artikel im Heft ·

Der beste Zeitpunkt ist jetzt
Seite 3
22.05.2026
10-Jahres-Austausch
Rauchwarnmelder sollten gemäß DIN 14676-1 alle zehn Jahre ausgetauscht werden. Im laufenden Jahr wird hier eine besonders starke Nachfrage in Nordrhein-Westfalen und im Saarland erwartet. Die...
10.11.2025
Batteriespeicher
Stationäre Batteriespeicher sind zu einem strategischen Faktor für Unternehmen geworden, die Energie effizient nutzen, Kosten senken und ihre Versorgungssicherheit erhöhen wollen. Damit...
11.09.2026
Kommunale Wärmewende
Die Wärmewende im Gebäudebestand wird bisher überwiegend als Summe einzelner Sanierungs- und Heizungsprojekte behandelt. Dieser Ansatz bindet erhebliche öffentliche und private Mittel, erzielt jedoch...
16.02.2026
Klimaresilienz und Begrünung
Die Klimakrise ist auch eine Gesundheitskrise – besonders für vulnerable Gruppen in Städten. In dicht besiedelten Quartieren wirken Belastungen wie Hitze, Luftverschmutzung, Feinstaub, Allergien, Lärm...
22.05.2026
Pflichten, Schwachstellen, Handlungsempfehlungen
Durchdringungen von Wänden und Decken für die TGA können im Brandfall zur kritischen Schwachstelle werden. Das Bauordnungsrecht reagiert darauf mit konkreten Anforderungen, die jedoch in der Praxis...
17.08.2026
Flüchtige Gase und harte Gewinne
Bei der Diskussion um Klimaschutz geht es meist um Kohlendioxid. Wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhalten hingegen so genannte F-Gase – Kältemittel, die in fast jeder Kälte- und Klimaanlage vorhanden...