Ruhe bewahren und weitermachen – dieser Slogan eines britischen Propagandaposters von 1939, das zum damaligen Zeitpunkt gar nicht der Öffentlichkeit, sondern direkt dem Papierrecycling zugeführt wurde, sollte einst die Moral der Bevölkerung im Falle der Kriegskatastrophe stärken.
Die Botschaft ist eine Frage der Interpretation und sicher nicht rein progressiv. Doch sie ist heute weltbekannt und gern genutzt, sieht man sich mit bizarren oder katastrophalen Ereignissen konfrontiert, denen man als Durchschnittsperson wenig entgegensetzen zu können glaubt.
Kurz vor Donald Trumps erstem Amtsantritt im Jahr 2016 schienen sich einer Quelle zufolge auch eine ganze Reihe US-amerikanischer Klimawissenschaftler an diese Maxime zu halten. Trump war als Klimaleugner bekannt und die Forschenden mussten mindestens Schwierigkeiten befürchten. In seiner noch kurzen zweiten Amtsperiode sind seinen bizarren Angriffen und den aggressiven finanziellen Kürzungen schnell sowohl Klima-, Wetter- und Geoinformationswebseiten als auch wissenschaftliche Institutionen und Universitäten zum Opfer gefallen. Förderungen für erneuerbare Energien ebenso wie bereits genehmigte Projekte für ihre Gewinnung werden eingestampft und verboten, dagegen Kohlekraftwerke nicht nur hoch subventioniert, sondern auch schon mal gegen den Willen ihrer Eigentümer zum Weiterbetrieb gezwungen.
Es ist möglich, dass sich solche Rückschläge weit über die USA hinaus auswirken. Möglich und recht wahrscheinlich ist aber auch, dass der Fortschritt der Erneuerbaren in einer global vernetzten Welt nicht mehr zu verhindern ist. So übertraf einer aktuellen Studie zufolge die weltweite Energieerzeugung aus Wind und Sonne in der ersten Jahreshälfte 2025 erstmals die aus Kohle; am meisten legte die Solarenergie zu. Die internationale Energieagentur rechnet bis 2030 zwar nicht mehr mit einer Verdreifachung, aber immer noch der Verdoppelung des Anteils Erneuerbarer am Strommix.
Ruhig zu bleiben und weiter zu machen mit dem klimapositiven Umbau von Energiesystem, Wirtschaft und Industrie, Verkehrs- und Gebäudesektor ergibt wirtschaftlich Sinn und erhöht die Sicherheit. Eine stetig wachsende Zahl privater Solaranlagen auf Dächern und an Balkonen scheint zudem nahezulegen, dass das Umbauen vielen Menschen Spaß macht (hier „rechnet“ sich bestimmt nicht jede Anlage). Kosten sparen ist gut, aber selbst aktiv und unabhängiger werden auch. Speicher und Wallboxen sind ein Wachstumsmarkt und am Zeithorizont taucht bereits das E-Auto mit 1.000 km Reichweite und Feststoffbatterie auf. Neubesitzer einer Wärmepumpe sind ganz überwiegend zufrieden, fand der Bundesverband Wärmepumpe heraus, und die Stiftung Warentest bescheinigt Wärmepumpen hohe Effizienz auch im Gebäudebestand. Lassen Sie uns also solche guten Nachrichten betonen und weitermachen.
MSc, Dipl.-Ing. Silke Schilling
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