BEE: Coronakrise senkt Stromverbrauch nur kurzfristig

Vor dem Hintergrund des veränderten Stromverbrauchs sowie konjunktureller Schwankungen durch die Coronakrise hat der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) sein Szenario 2030 zur Entwicklung von Stromverbrauch, Stromerzeugung und jährlicher Installation Erneuerbarer Energien ergänzt.

BEE-Szenario 2030: 65 % Erneuerbare Energien bis 2030 - Cover. Quelle: BEE
BEE-Szenario 2030: 65 % Erneuerbare Energien bis 2030 - Cover. Quelle: BEE

Das Szenario 2030 stellt dar, wie sich die gegenwärtige Entwicklung der Erneuerbaren Energien auf den Klimaschutz bis 2030 auswirkt. Dafür wurden die Ausbauziele der Bundesregierung mit den erforderlichen Ausbaumengen bis 2030 verglichen.

"Bedingt durch die Coronakrise sinken der industrielle Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen in Deutschland. Diese kurzfristigen Effekte dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Energiebedarf mittel- und langfristig deutlich steigen wird. Um einerseits wettbewerbsfähig zu bleiben und andererseits die Klimaziele zu erfüllen, müssen Industrieunternehmen, die Wärmeversorgung und der Verkehrssektor klimafreundlich modernisiert und die Sektorenkopplung vorangebracht werden", sagt Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie e.V. (BEE). "Nach allen Expertisen braucht es perspektivisch deutlich mehr Strom für den wachsenden Bedarf an klimafreundlichen Wärmepumpen, Elektromobilität und Power-to-X-Anwendungen. Für ein nachhaltiges und widerstandsfähiges Energiesystem sind Erneuerbare Energien in ihrer ganzen Kraft und Vielfalt nötig, sonst droht 2030 eine gewaltige Ökostromlücke in Höhe von 100 TWh. Anstatt drängende Entscheidungen bei der Energiewende weiter auszusitzen, muss die Bundesregierung rasch bestehende Barrieren beseitigen und den längst überfälligen Fahrplan für den Ausbau der Erneuerbaren bis 2030 vorlegen.“

Um den im Koalitionsvertrag vereinbarten Anteil von 65 % Erneuerbaren Energien im Stromsektor bis 2030 zu erreichen, sind nach den BEE-Berechnungen 481 TWh Strom aus Erneuerbaren Energien erforderlich. Dafür ist eine jährliche Installation von 4.700 MW Windenergie Onshore, 2.000 MW Windenergie Offshore, 10.000 MW Photovoltaik, 600 MW Bioenergie, 50 MW Wasserkraft und 50 MW Geothermie notwendig. Die Bundesregierung hingegen gibt mit dem wenig ambitionierten Klimaschutzprogramm 2030 die Menge an Erneuerbaren Strom im Jahr 2030 zwischen 372 bis 382 Terawattstunden an, welche 65 % entsprechen soll. Die Umrechnung auf 100 % entspräche somit einem Bruttostromverbrauch von lediglich 572 bis 587 TWh, heißt es in der Mittelteilung des BEE.

Als Referenz für die Ausbaupfade für Erneuerbare Energien und die Einbeziehung einer verstärkten Sektorenkopplung bis zum Jahr 2030 erweise sich das Jahr 2020 aufgrund der Coronakrise nicht mehr als geeignete Referenz. „Kurzfristige Effekte wie ein niedrigerer Energieverbrauch der Industrie, ein Anteil von Erneuerbaren Energien am Strommix von über 50 Prozent im ersten Quartal 2020 sowie das mögliche Erreichen des Klimaziels für 2020 sind krisenbedingt nicht nachhaltig und deshalb nicht dazu geeignet, um Rückschlüsse auf die kommende Entwicklung bis 2030 zu ziehen. Nach der Wirtschaftskrise von 2008 haben wir erlebt, dass der Stromverbrauch rasch wieder gestiegen ist. Dies gilt es jetzt ebenso zu berücksichtigen, wie die wachsenden Bedarfe bei der Sektorenkopplung“, kommentiert Peter. „Ein schnellerer Ausbau ist nötig und möglich. Die dezentralen Erneuerbaren Energien sind deshalb jetzt zu stärken, um so zu regionaler Wertschöpfung, neuen Arbeitsplätzen und dem Erreichen der Klimaziele beizutragen.“

BEE-Szenario 2030


 

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