Projekt LeCo: Legionellen-Bekämpfung in der Schweiz

Wie die Gefahr durch Legionellen einzudämmen ist, untersucht ein multidisziplinäres Forschungsteam unter Leitung des Schweizer Wasserforschungsinstituts Eawag in einem neu gestarteten Projekt.

Eine Elektronenmikroskop-Aufnahme von Bakteriengemeinschaften in einem Duschschlauch. (Foto: Frederik Hammes und ZMB, UZH)
Eine Elektronenmikroskop-Aufnahme von Bakteriengemeinschaften in einem Duschschlauch. (Foto: Frederik Hammes und ZMB, UZH)

In der Schweiz häufen sich die Fälle der Legionärskrankheit: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) registrierte im vergangenen Jahr 582 Fälle der schweren Lungenentzündung, die durch Legionellen verursacht wird. 2013 waren es noch halb so viele. Trotz Antibiotikabehandlung führt die Krankheit bei fünf bis zehn Prozent der Betroffenen zum Tod.

Das Einatmen fein zerstäubter, mit Legionellen kontaminierter Wassertröpfchen kann überall dort passieren, wo solche Tröpfchen entstehen: in Autowaschanlagen, Rückkühlwerken von Klimaanlagen oder industriellen Kühltürmen. Unter bestimmten Umständen allerdings können sich Legionellen auch im Trinkwasser bilden. Dann werden Springbrunnen, Dampfbäder und Duschen zu einer potenziellen Infektionsquelle.

In zentralen Trinkwasseraufbereitungsanlagen, die die Gemeinden und Städte versorgen, werden die meisten Bakterien und Nährstoffe aus dem Wasser entfernt. Auch im Verteilnetz, also den Leitungen, die Trinkwasser zu den Gebäuden bringen, bleibt die Konzentration niedrig. "Doch dann wird es problematisch", erklärt Frederik Hammes von der Abteilung Umweltmikrobiologie des Wasserforschungsinstituts Eawag. Krankheitserreger gelangen in die Gebäudeinstallationen, denn in Gebäuden wird Wasser erwärmt und dadurch können sich Legionellen in den Warmwasserleitungen der Hausinstallation bilden. Bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 40 °C wachsen die Erreger optimal. Zwar lassen sich Legionellen abtöten, indem das Warmwasser auf 60 °C erhitzt wird. Doch etwa an der Duschbrause wird diese Temperatur nur selten erreicht. Hinzu kommt, dass die Boiler in vielen Gebäuden unter 60 °C bleiben, um Energie zu sparen.

Legionellen können sich aber auch in Kaltwasserleitungen vermehren, wenn die Wassertemperatur regelmässig auf kritische Werte. Weitere Faktoren wie der Nährstoffeintrag über die verbauten Materialien und ein unregelmässiger oder fehlender Wasseraustausch fördern ebenfalls die Vermehrung. Fragen wie Legionellen-Vorkommen und Humaninfektion genau zusammenhängen oder wie Trinkwasserleitungen am effektivsten auf Legionellen untersucht werden können, sind Thema des Forschungsprojekts.

Das vier Jahre dauernde, multidisziplinäre Projekt «Legionellen-Bekämpfung in Gebäuden» («Legionella control in buildings» - LeCo) unter der Leitung der Eawag wird vom fördern das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), dem Bundesamt für Energie (BFE) und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gefördert. Daran beteiligt sind neben der Forschungsgruppe Trinkwassermikrobiologie von Frederik Hammes auch die Hochschule Luzern (HSLU), das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH), das Kantonale Labor Zürich (KLZH) sowie die Eawag-Forschungsgruppe «Krankheitserreger und menschliche Gesundheit» unter der Leitung von Tim Julian.

Julian, zusammen mit dem Swiss TPH, will wissen, wie viele Legionellen im Duschwasser zu wie vielen Krankheitsfällen führen. Konkret: Anhand eines mathematischen Modells wollen die Forschenden die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion bei verschiedenen Legionellen-Konzentrationen berechnen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt in der Verbesserung der Probennahme. Denn seit 2017 ist eine Verordnung in Kraft, nach der öffentlich zugängliche Duschen nicht mehr als 1000 Legionellen pro Liter Wasser enthalten dürfen. Doch die Bakterienzusammensetzung in einer Trinkwasserinstallation variiert und macht die Beprobung aufwändig. «Um die Aussagekraft und Vergleichbarkeit der Proben zu erhöhen, müssen wir die Entnahme optimieren und standardisieren», sagt Franziska Rölli vom Institut Gebäudetechnik und Energie der HSLU.
«Eine wichtige Rolle spielt auch die Sensibilisierung und Aufklärung». Denn oft wären Fachpersonen aus der Architektur, der Fachplanung, der Sanitär-Installation und Gebäudebetrieb nicht genügend mit der Legionellen-Thematik vertraut. Deswegen legt das Projekt-Konsortium neben den Forschungsaktivitäten Wert darauf, das neu erworbene Wissen zum Beispiel in Workshops oder mittels Seminaren weiterzuvermitteln.

Weitere Informationen zum Projekt LeCo

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