Energiewende-Monitoring

Unterschiedliche Resonanzen auf Bericht und Vorschläge der Energieministerin

Der Monitoringbericht zur Energiewende wurde am Montag veröffentlicht. Die vorgeschlagenen Schlüsselmaßnahmen der Bundesministerin Katherina Reiche passen nicht durchgehend dazu.

Bild: stock.adobe.com/piyaset
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Reiches Erklärung startet zukunftsweisend: „Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist zweifellos ein großer Erfolg – heute stammen schon fast 60 Prozent unseres Stroms aus Wind, Sonne und Co. Dennoch: die Energiewende steht an einem Scheideweg. Damit sie gelingt, müssen Verlässlichkeit, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Kostentragfähigkeit des Energiesystems für unseren Wirtschaftsstandort ins Zentrum rücken. Denn nur mit sicherer, sauberer und bezahlbarer Energie können wir Arbeitsplätze sichern, Wettbewerbsfähigkeit erhalten und sozialen Zusammenhalt stärken", sagt sie.

Sie schlägt zehn wirtschafts- und wettbewerbsfreundliche Schlüsselmaßnahmen vor:

  1. Ehrliche Bedarfsermittlung und Planungsrealismus
  2. Erneuerbare Energien markt- und systemdienlich fördern
  3. Netze, Erneuerbare Energien und dezentrale Flexibilität synchron ausbauen
  4. Technologieoffenen Kapazitätsmarkt schnell implementieren
  5. Flexibilität und Digitalisierung des Stromsystems voranbringen
  6. Einheitliche und liquide Energiemärkte erhalten und ausbauen
  7. Förderregime überprüfen, Subventionen systematisch senken
  8. Forschung zukunftsgerichtet vorantreiben, Innovationen fördern
  9. Wasserstoff-Hochlauf pragmatisch fördern, überkomplexe Vorgaben abbauen
  10. CCS/CCU als Klimaschutztechnologie etablieren

Für und Wider aus Ingenieur- und Wirtschaftsverbänden

Adrian Willig, Direktor des Verein Deutscher Ingenieure (VDI), begrüßt, dass der Monitoringbericht mehr Pragmatismus und Realismus als Ziel nennt. Der größte Bremsklotz sei jedoch der stockende Netzausbau. "Hier brauchen wir mehr Tempo und moderne Strukturen: digitale Netze, intelligente Messsysteme und grid-forming-fähige Einspeiser für die Systemstabilität", so Willig. "Mehr einheitliche Standards bei den Netzanschlüssen würden den Ausbau zusätzlich beschleunigen. Intelligente Messsysteme und Batteriespeicher sind keine Zukunftsmusik, sondern überfällige Basis-Infrastruktur." 

“Die Gutachter und Bundeswirtschaftsministerin Reiche unterstrichen bei der Vorstellung ausdrücklich das Festhalten an den Klimazielen, am Erneuerbaren-Ausbauziel von 80 Prozent bis 2030 und an einem ambitionierten Netzausbau. Das Gutachten stellt auch klar, dass nur bei einem starken Anstieg des Strombedarfs der vollständige Erhalt der gegenwärtigen Industriestruktur gesichert, die Sektorenkopplung umgesetzt und der Bedarf von neuen (KI-)Rechenzentren gedeckt werden kann. Der Ausbau der Erneuerbaren muss also unvermindert weitergehen. Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie der weiteren Umsetzung der Energiewende“, kommentiert BEE-Präsidentin Dr. Simone Peter.

Aus Sicht der DENEFF greift der Bericht jedoch entscheidend zu kurz: Energieeffizienz, der wesentliche Baustein für die Entwicklung des Energie- und Strombedarfs und der zentrale Hebel, um die Energiewende tatsächlich kosteneffizient zu gestalten, werde zwar als wichtig anerkannt, aber weder beziffert noch bei den Handlungsempfehlungen systematisch berücksichtigt. Zudem erkenne der Bericht zwar an, dass Gebäudesanierungen und Energieeffizienz eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Strombedarfs spielen. erwähnt aber ausdrücklich, dass das Energieeffizienzgesetz nicht Gegenstand der Untersuchung ist. Damit bleibt Effizienz in den Szenarien eine große Unbekannte – statt eine klar bezifferte Ressource. An einer der wenigen Stellen, an denen der Bericht Energieeffizienz erwähne, werde sogar behauptet, dass Effizienz den Ausbau der Erneuerbaren hemmen könne. Belegt werde das nicht. Tatsächlich zeigten aktuelle Daten und Studien das Gegenteil: Laut Umweltbundesamt hätte der Anteil erneuerbaren Stroms 2024 ohne Effizienzgewinne nur bei 41,3 % statt bei 54,4 % gelegen.

Der Bundesverband Solarwirtschaft e. V. warnt vor Förder-Einschnitten. Zwar werde der Stromverbrauch nach Einschätzung der Gutachter in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich vorübergehend langsamer wachsen als ursprünglich angenommen. Die Gutachter leiten daraus jedoch nicht die Empfehlung ab, den Ausbau der Solarenergie zu bremsen. Demgegenüber würden aber die Ankündigungen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, die Förderung neuer Solardächer streichen zu wollen, im Falle einer Umsetzung unweigerlich darauf hinauslaufen. 

Die Bioenergieverbände im Hauptstadtbüro Bioenergie (HBB) begrüßen, dass Biomasse auch langfristig eine stabilisierende Rolle im Stromsystem einnehmen soll, kritisieren jedoch die viel zu niedrigen Potenzialannahmen. Der Monitoringbericht weise auf die großen Vorteile flexibler Bioenergiekapazitäten hin, da diese direkt den Bedarf an fossilen Gaskraftwerken reduzieren können, sagt Sandra Rostek, Leiterin des HBB und bedauert: „Bei den Potenzialen der Bioenergie haben die Studienautoren leider erneut darauf zurückgegriffen, alten Wein in neue Schläuche zu füllen. Das Mengenpotenzial der Stromerzeugung aus Bioenergie wurde aufgrund eines Methodenfehlers erneut viel zu niedrig angesetzt, da man sich auf Szenarien bezieht, die bereits fälschlicherweise voraussetzen, dass die Stromerzeugung aus Biomasse perspektivisch sinkt. Allein durch eine Flexibilisierung des bestehenden Biogasanlagenbestands seien bis 2030 bis zu 12 GW möglich, so Rostek.

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