Thesenpapier

Schon heute 90 % CO2 sparen bei Gebäuden

Ein Positionspapier des Fraunhofer Spin-offs Ampeers Energy stellt fünf Thesen dazu auf, wie die CO2-Reduktion in der Immobilienwirtschaft voranzutreiben ist.

Dr. Karsten Schmidt. Quelle: Ampeers Energy
Dr. Karsten Schmidt. Quelle: Ampeers Energy

Das Papier erläutert u.a., wie in der Immobilienbranche durch einen Paradigmenwechsel zur dezentralen Energieversorgung massive Potenziale ausgeschöpft werden können.

Der  Immobiliensektor verursacht allein  in Deutschland 120 Mio. t CO2  pro Jahr. Laut Bundesregierung muss diese Zahl  bis 2030 halbiert  werden.  Lösungsansätze sind bereits vorhanden, bleiben bislang allerdings oftmals ungenutzt. Durch ein intelligentes Energiemanagement, die  flächendeckende Modernisierung des Immobiliensektors sowie die Durchsetzung von Mieterstrom und eigenproduzierten erneuerbaren Energien lässt sich massiv CO2  einsparen und zugleich Geld verdienen.

1. CO2-Einsparungen bis zu 90% sind schon heute möglich

„Die Technologie für saubere Energie ist längst vorhanden, Politik und Immobilienunternehmen setzen allerdings häufig auf die falschen Mittel. Wir haben zwar  die passenden Techniken, es fehlt aber ein intelligentes Energiemanagement, das die  einzelnen Sektoren vernetzt. So werden Potenziale regelrecht verschenkt, sagt Dr. Karsten Schmidt, CEO von Ampeers Energy. Die  Elektrifizierung der Wärmeseite reduziert fossile Brennstoffe signifikant, da sie etwa 70% der Emissionen einer Immobilie ausmachen. Das Konzept der  Sektorenkoppelung hilft also, die  Wärmeversorgung von fossilen Energiequellen unabhängig zu machen.

2. Die dezentrale Energieversorgung ist ein profitables Geschäftsmodell

Eine weitere These: CO2  einsparen ist ein profitables Geschäftsmodell mit bis zu 10% Rendite. Das soll gelingen, indem erneuerbare Energien selbst produziert werden. Dafür  haben Immobilieneigentümer:in- nen bereits heute vielfältige Optionen und Vermarktungsmöglichkeiten. Möglich ist dies u.a. durch Nutzung intelligenter Software.

3. CO₂-Ziele erreichen mit flächendeckenden Modernisierungen

Dennoch trägt der Immobiliensektor nach aktuellen Berechnungen bislang deutlich zu wenig zur Minderung der CO₂-Emissionen bei. Entsprechend müsste sich die aktuelle Sanierungsquote vervierfachen, um das von der Bundesregierung gesetzte Ziel der CO₂-Neutralität bis 2045 zu erreichen. Softwarebasierte Planungstools und standardisierte Energiekonzepte, die von einzelnen Gebäuden auf ganze Quartiere übertragen werden, können dabei helfen.

4. Mehr soziale Gerechtigkeit durch Mieterstrom und dezentrale Wärme

Sowohl die Unabhängigkeit vom Weltmarkt als auch die Kosteneinsparungen r Mieter:innen werden zunehmend wichtiger. Denn gerade mit Blick auf die steigende Inflation und die hohen Gaspreise werden Lösungen wie Mieterstrom oder dezentrale Wärme entscheidend sein, um ein soziales Gleichgewicht zu erhalten.

5. Einsparungen beim Netzausbau mit dezentraler Stromversorgung  

Darüber hinaus soll eine dezentrale Stromversorgung langfristig deutliche Einsparungen beim Netzausbau in Deutschland ermöglichen. Die These: Strom, der nicht mehr von Windanlagen aus dem Norden in den Süden transportiert werden muss, weil er lokal erzeugt wird, ist günstiger Strom. Hierbei werden flexible Stromtarife, wie sie bereits heute vom Gesetzgeber verlangt werden, eine zentrale Rolle spielen. Letztverbraucher können Kosten sparen, wenn sie zu Zeiten Strom beziehen, in denen ausreichend Strom im Netz vorhanden ist und entlasten damit die Netze. Flexible Stromtarife sind geradezu prädestiniert r die dezentrale Energieversorgung im Quartier, sofern auch ein intelligente Sektorenkopplung stattfindet.

Interessierte können das Positionspapier unter diesem Link herunterladen.

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