Extremwetter und Wasserknappheit

Noch viel Luft nach oben bei Schutzkonzepten in Kommunen

Obwohl in einigen Orten schon jetzt Wasser knapp wird, haben viele deutsche Landkreise und kreisfreie Städte keine Konzepte, wie künftige Krisen aufgrund des Klimawandels verhindert werden können. Dies zeigt eine gemeinsame Recherche von Correctiv, BR Data, WDR Quarks und NDR Data.

Quelle: stock.adobe.com/Thomas Bethge
Quelle: stock.adobe.com/Thomas Bethge

Häufige Extremwetterereignisse und dadurch höhere finanzielle Belastungen – die große Mehrheit der Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland rechnet in den nächsten Jahrzehnten mit diesen Herausforderungen. Das geht aus einer Befragung hervor, die Journalistinnen und Journalisten von NDR, BR, WDR und Correctiv unter allen deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten durchführten. Durch diese Recherche ist der bislang umfangreichste öffentlich verfügbare Datensatz zur Klimafolgenanpassung der Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland entstanden.

Viele Regionen sehen jetzt schon ein Problem bei der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen. Von den Landkreisen und kreisfreien Städten, die an der Befragung teilgenommen haben, gibt gut die Hälfte an, dass die erforderlichen Maßnahmen in den kommenden Jahren vermutlich nicht finanziert werden können. Ein weiteres Drittel geht davon aus, dass die Finanzierung nur für einen Teil der Maßnahmen reichen wird. Ein explizites Anpassungskonzept für die Folgen des Klimawandels hat offenbar nur eine Minderheit der Landkreise und kreisfreien Städte. Und längst nicht überall haben Kreise den Überblick, was in ihren Gemeinden bereits an Maßnahmen existiert.

Kreise und Städte erwarten zunehmende finanzielle Belastungen

An der detaillierten Umfrage nahmen insgesamt 329 Verwaltungen, also rund 82% aller Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands, teil. 96% von ihnen gehen davon aus, dass sie von Extremwetterereignissen wie Hitze, Dürre, Wassermangel, Starkregen oder Hochwasser bis 2050 stärker betroffen sein werden. 86% rechnen dadurch mit zunehmenden finanziellen Belastungen – vor allem durch Starkregen und Hitzewellen.

Etwa die Hälfte der Landkreise und kreisfreien Städte befürchtet, künftig häufiger Wassermangel zu erleben. „Wir wissen, dass sich in vielen Regionen die Grundwasservorräte gegenwärtig nicht hinreichend erneuern, weil Niederschlag fehlt“, sagt Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen). Das Umfrageergebnis überrasche sie daher nicht. „Deshalb ist es gut, dass wir mit der Nationalen Wasserstrategie einen Beitrag dafür leisten, Vorsorge zu tragen“, so die Bundesministerin. „Wir müssen sensibler mit Wasser umgehen und das richtet sich in erster Linie an die großen Verbraucher, also die Industrie.“

Konzepte zur Klimaanpassung fehlen noch in vielen Regionen

„Für das Gebiet jeder Gemeinde und jedes Kreises ist nach Maßgabe der Zuständigkeitsbestimmung des Landesrechts ein integriertes Klimaanpassungskonzept aufzustellen“, heißt es im Entwurf des Klimaanpassungsgesetzes, das am Donnerstag (13.07.2023) im Kabinett beschlossen werden soll.

Von den Landkreisen und kreisfreien Städten, die sich an der Umfrage beteiligten, hat bislang nur etwa ein Viertel ein solches Klimaanpassungskonzept (26%) - also ein zentrales Dokument, in dem Klimarisiken und Anpassungsstrategien festgehalten werden. Bei weiteren 22% ist ein Konzept in Arbeit, fast die Hälfte hat somit kein Konzept (48%).

„Mich erschreckt an dem Ergebnis, dass sich relativ viele Kreise und kreisfreie Städte noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt haben und gar kein Konzept haben“, sagt Anja Bierwirth, Leiterin des Forschungsbereiches Stadtwandel am Wuppertal Institut Klima, Umwelt, Energie. „Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu ergreifen, bedeutet auch einen langfristigen Umbau der Städte. Je früher ich damit anfange, umso mehr Chancen habe ich, meine Stadt in den nächsten zehn bis 15 Jahren deutlich resilienter zu machen, als sie jetzt ist“, sagt sie.

Begrünung gegen die Hitze

Von den abgefragten Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels wurden einige deutschlandweit besonders häufig umgesetzt. Der Blick auf die kreisfreien Städte und die Landkreise, die nach eigenen Angaben gut über die Aktivitäten in ihren Gemeinden informiert sind, zeigt: In 65% der Regionen wurden dürreresistente Baum- und Pflanzenarten angepflanzt. Um der zunehmenden Hitze zu begegnen, haben 55% ihre Region durch Bäume begrünt, 48% setzten auf Begrünung von Fassaden und Dächern. Ein Hitzeaktionsplan existiert nur in 14% der Landkreise und kreisfreien Städte, ist aber bei 36% in den nächsten fünf Jahren geplant. Solche Aktionspläne dienen dazu, die Bevölkerung vor Ort besser auf Hitzephasen vorzubereiten und sie zu schützen, etwa durch Frühwarnsysteme oder das Bereitstellen von Informationen zum richtigen Verhalten bei Hitze.

Die Umfrage wurde mit fachlicher Beratung der TU Dortmund und unter Hinzuziehung von Klimaexperten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung durchgeführt.

Risikoabsicherung
Trotz der – verglichen mit anderen Naturgefahren wie Sturm – sehr hohen Schadendurchschnitte wird die Risikovorsorge bezüglich Starkregen in der...
Gebäudekühlung
Im Jahr 2013 und aktuell im Juli 2021 standen weite Teile Deutschlands temporär unter Wasser und Starkregenereignisse verursachten Schäden in...
Printer Friendly, PDF & Email
17.09.2025
Woche der Klimaanpassung
Städte können sich mit diversen Maßnahmen vor Extremwetter schützen.
06.06.2025
Hitzegefahr in der Stadt senken
Grüne Oasen können Hitze in der Stadt abmildern. Gegen Wasserknappheit bei anhaltender Trockenheit hilft etwa gereinigtes Wasser aus Duschen, Waschbecken und Badewannen, das auch Ressourcen schont...
24.04.2026
IÖW Studie
Eine aktuelle Studie vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung sowie IÖW und IW Consult zeigt, dass sich kommunale Einnahmen aus Erneuerbaren verdoppeln können, wenn Wind und Sonne im...
30.04.2026
Energiewende in den Kommunen
Die Energiewende vor Ort scheitert selten am Willen der Verantwortlichen - sondern an fehlenden Netzkapazitäten, fehlendem Geld und komplizierten Verfahren.
16.09.2025
Woche der Klimaanpassung
Wasser ist zentraler Baustein einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung. Die Woche der Klimaanpassung vom 15.-19.09. bringt Akteure zusammen und zeigt, was geht.
14.04.2026
Mehr als nur Sensorik
Ein professionalisiertes IoT stärkt Klimaresilienz und Energieeffizienz und hilft dabei, die Gebäudesicherheit datenbasiert zu verbessern