KfW-Energiewendebarometer 2023

Neun von zehn Haushalten stehen hinter der Energiewende

Die meisten Menschen in Deutschland sehen die Notwendigkeit und wollen die Energiewende, auch im eigenen Haushalt und Umfeld. Wirtschaftliche Gründe sind das am häufigsten genannte Hindernis für Investitionen.

Quelle: stock.adobe.com/snapshotfreddy
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Neun von zehn Haushalten stehen hinter der Energiewende

Die Menschen in Deutschland spüren auch in diesem Jahr die Auswirkungen des Klimawandels durch Temperaturrekorde, Hitze- und Dürreperioden oder Extremwetterereignisse. Zugleich verdeutlichen die geopolitischen Entwicklungen der letzten eineinhalb Jahre, wie riskant eine einseitige fossile Energieversorgung nicht nur für das Ziel der Klimaneutralität, sondern auch für die Energieversorgungssicherheit ist.

Gestiegene Energiepreise machen energetische Maßnahmen attraktiver, schränken aber auch die Investitionsspielräume der Menschen ein. Vor diesem Hintergrund stimmen die Ergebnisse von KfW Research aus dem KfW-Energiewendebarometer 2023 zuversichtlich: Neun von zehn Haushalten (88 %; Vorjahreswert: 89 %) stehen weiter hinter dem Projekt Energiewende. Trotz der Herausforderungen und Unsicherheiten des vergangenen Jahres genießt sie damit weiterhin überaus hohen Rückhalt in der Bevölkerung. Die haushaltsrepräsentative Befragung für das KfW-Energiewendebarometer lief von Dezember 2022 bis April 2023.

13 Mio. Haushalte nutzen Energiewendetechnologie, am häufigsten PV-Anlagen, Wärmepumpen und Solarthermie

Die Nutzung von Energiewendetechnologien hat sich binnen Jahresfrist ausgeweitet. Fast jeder dritte Haushalt in Deutschland (32 %; Vorjahr: 29 %) ist bereits ein „Energiewender“ und nutzt mindestens eine entsprechende Technologie. In absoluten Zahlen sind das rund 13 Mio. Haushalte – 1,2 Mio. mehr als im Vorjahr.

Vorreiter sind einkommensstarke Haushalte (42 % im obersten Einkommensquartil), aber die einkommensschwächeren holen allmählich auf (25 % im untersten Einkommensquartil). Am häufigsten genutzt werden aktuell Photovoltaikanlagen (12 %; Vorjahr: 9 %), Wärmepumpen und Solarthermieanlagen (jeweils 10 %; Vorjahr 9 % bzw. 10 %). Ein Elektroauto ist in 6 % (5 %) der Haushalte vorhanden.

Die Anschaffung einer Energiewendetechnologie im laufenden Jahr haben sich 7 % der Haushalte vorgenommen. Am häufigsten sind dabei PV-Anlagen (7 %) und Batteriespeicher (6 %) geplant. Bei den Elektroautos zeichnet sich ebenfalls eine Zunahme ab: 3 % der Haushalte wollen 2023 eines anschaffen. Der relative Zuwachs ist bei den Elektroautos mit +50 % sogar am größten.

„Die Ergebnisse des KfW-Energiewendebarometers zeigen, dass die Menschen auch in Zeiten hoher Energiekosten der Energiewende eine sehr große Zustimmung entgegenbringen und viele von ihnen sich aktiv daran beteiligen wollen“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Das ist auch zentral, denn die privaten Haushalte verantworten fast 40 % der CO2-Emissionen in Deutschland und wir brauchen sie für das Gelingen der Transformation. Nun geht es darum, die positive Einstellung und Akzeptanz zu erhalten – und noch mehr Haushalte für die erforderlichen Maßnahmen und Investitionen zu gewinnen.“

Hindernisse

Fragt man nach den Hindernissen für die Umsetzung einer Energiewendemaßnahme, so werden am häufigsten wirtschaftliche Gründe genannt. 41 % der Immobilieneigentümer geben an, sich die Investition nicht leisten zu können (diese Daten werden nicht jährlich erhoben, Vorwert 2021: 29 %) Der Anstieg dieses Sanierungshemmnisses zeigt sich über verschiedene Maßnahmen hinweg – von der Dämmung über den Einbau von Fenstern bis hin zur Anschaffung einer Photovoltaikanlage.

Die Vermutung, dass sich die Investition nicht lohne, nennen 39 % als Hindernis.

Auf Rang 3 rangiert mit 27 % die mangelnde Verfügbarkeit von Handwerkern. Die hohe Bedeutung finanzieller Gründe für das Ausbleiben von Energiewendeinvestitionen dürfte die gesunkenen finanziellen Spielräume vieler Haushalte infolge gestiegener Energiekosten bzw. des generell gestiegenen Preisniveaus widerspiegeln, sowie auch die stark gestiegenen Baukosten.

60% der Haushalte spüren Kostendruck bei Wärme und Strom

Der aktuellen Befragung von KfW Research zufolge spüren 60 % der Haushalte bei der Wärme- und Stromversorgung einen großen oder sehr großen Kostendruck (Vorjahr: 50 %). Haushalte mit Gas- und Ölheizungen liegen allerdings über dem Durchschnitt, Haushalte mit Wärmepumpe und Holzpelletheizung hingegen deutlich darunter. Rund 70 % gehen von weiter steigenden Heizkosten aus; über 20 % der Haushalte wurden diese zum Befragungszeitpunkt bereits angekündigt.

Die Haushalte reagieren unterschiedlich auf die gestiegenen Heizkosten. Dabei werden die Anpassungsmaßnahmen in Haushalten, die mit fossiler Energie heizen, häufiger genannt als in solchen, die mit klimafreundlichen Technologien heizen. Am häufigsten berichten die Haushalte, weniger heizen (70 %) und weniger Warmwasser verbrauchen zu wollen (55 %). Jeder dritte (36 %) Haushalt gibt an, an anderer Stelle zu sparen, um die höheren Heizkosten bezahlen zu können.

Viele Eigentümer ziehen eine energetische Sanierung in Erwägung. Fast ein Drittel gab an, darüber nachzudenken. Unter den Mietern haben übrigens immerhin 13 % der Haushalte ihre Vermieter auf eine energetische Verbesserung der Immobilie angesprochen. Und fast zwei Drittel der befragten privaten Vermieter (64 %) sehen auch selbst aktuell oder in den kommenden 10 Jahren einen Sanierungsbedarf bei ihrer vermieteten Immobilie. Immerhin 26 % dieser Vermieter mit Handlungsbedarf gaben sogar an, bereits für das laufende Jahr Dämmmaßnahmen oder den Austausch der Heizung zu planen. 

Die aktuelle Analyse ist abrufbar unter www.kfw.de/energiewendebarometer

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