DAA WärmeIndex Q2 2025

Heizungsmarkt braucht endlich Klarheit

Branchenverbände melden schwache Zahlen und pessimistische Ausblicke. Auf niedrigem Niveau ist die Nachfrage nach Wärmepumpen bei DAA im Vergleich zu anderen Heizungssystemen aber stark. 

Indexierte Entwicklung verbauter Heizungen auf Basis erneuerbarer und fossiler Quellen. Grafik: DAA, Daten: Heizungsfinder
Indexierte Entwicklung verbauter Heizungen auf Basis erneuerbarer und fossiler Quellen. Grafik: DAA, Daten: Heizungsfinder

Im zweiten Quartal war die Nachfrage nach Heizungssystemen bei DAA verhalten und schwankend. Nachfragespitzen von über 100 Indexpunkten gab es nur bei Wärmepumpen und bei Solarthermie. Die wöchentlichen Indexwerte zur Nachfrage nach regenerativen Systemen pendelten in diesem Quartal zwischen 42 und 95. Das Interesse an fossilen Heizungssystemen bewegte sich zwischen 16 und 39 Indexpunkten. Insgesamt sind erneuerbar betriebene Heizungen bei DAA stärker gefragt.

Vorsichtig optimistisch: Zusagezahlen für BEG-Heizungsförderung

Dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) zufolge wurden im April 2025 rund 26.000 und im Mai rund 24.000 Förderzusagen erteilt. In jedem Monat machte die Wärmepumpenförderung mit über 20.000 Zusagen das Gros aus. Solarthermie lag stets um die 500 Zusagen und Biomasseheizungen bei etwa 2.500 Zusagen.

Hausbesitzer sind nach wie vor daran interessiert, ihre Heizung auf eine klimafreundliche Option umzustellen. Die Förder-Nachfrage ist stetig, aber deutlich verhalten. Möglicherweise wird abgewartet, bis die neue Regierung mehr Klarheit schafft.

Regenerative stärker als Fossile

Der Vergleich des Interesses an fossilen und regenerativen Heizungssystemen bei DAA zeigt eine deutliche Präferenz für Erneuerbare. Doch auch deren Wert lag zu keiner Zeit im 2. Quartal über 100.

Schwächster Absatz seit zehn Jahren

Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) meldet derweil, dass im Jahr 2025 mit dem schwächsten Heizungsabsatz der letzten zehn Jahre gerechnet werde. Eine leichte Erholung sei nur bei Wärmepumpen und Biomasseheizungen zu beobachten. Bei Wärmepumpen habe es in Q1 2025 ein Plus von 35% gegenüber dem – ebenfalls schwachen – Vorjahr gegeben. Das sind in absoluten Zahlen gerade einmal 62.000 Wärmepumpen. Politisch angestrebt waren einmal 500.000 pro Jahr.

Die Zahlen von DAA und die Ergebnisse des BDH zeigen: Heizungen sind insgesamt im Jahr 2025 wenig gefragt. Die Absatzschwäche im Jahr 2025 könnte teils durch die Vorzieheffekte aus dem Boom-Jahr 2023 begründet sein.

Warten auf die Wärmeplanung

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung von Hausbesitzern beim Heizungstausch könnte das Warten auf die Ergebnisse der Kommunalen Wärmeplanung sein. Kommunen mit weniger als 100.000 Einwohnern haben noch bis 2028 Zeit, ihren Wärmeplan vorzulegen. Für Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern endet die Frist bereits 2026. Erst mit Vorliegen der Kommunalen Wärmeplanung wissen Hauseigentümer genau, was bei Ihnen in Sachen Heizung möglich ist. In Anbetracht dessen ist die derzeitige Zurückhaltung bei der teuren Investition in eine neue Heizung verständlich. Dieses abwartende Verhalten der Verbraucher lähmt den Markt jedoch effektiver, als es reine Preismechanismen könnten. Der BDH fordert in diesem Zusammenhang, das Gebäudeenergiegesetz (GEG) vom Vorliegen der kommunalen Wärmeplanung zu entkoppeln.

Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) spricht in seinem Konjunkturbericht aus dem April 2025 von einer anhaltend pessimistischen Geschäftslagenstimmung. Die aktuelle Geschäftslage bewerten die Umfrageteilnehmer mit +38,6 % zwar noch positiv. Gegenüber dem Vorjahreswert von +58,8 % ist sie aber deutlich gesunken. Den Indikator zur zukünftigen Geschäftslage bewerten die Teilnehmer pessimistisch mit -11,2 %. Im Vorjahr waren es allerdings -16,4 %. Interessant ist die Umsatzentwicklung: Nur 14 % der teilnehmenden Betriebe gaben gestiegene Umsätze für die letzten drei Monate an. Im Vorjahr waren es 26 %. Die Frühjahrs-Geschäftslage im Gewerk “Heizung” bewertet die Branche mit 29,7 % am schlechtesten – im Vorjahr waren es noch 49,9 %. Die zukünftige Geschäftslage bewertet das Gewerk Heizung pessimistisch mit -10,4 %.

Zusätzlich spielt der typische saisonale Rückgang im Heizungssegment während der Frühjahrs- und Sommermonate eine Rolle. Zum Herbst, also zum Beginn der Heizperiode, steigt die Heizungsnachfrage erfahrungsgemäß wieder an.

DAA zu den Entwicklungen am Heizungsmarkt

“Unsere Zahlen für das zweite Quartal bestätigen, was die gesamte Branche spürt: Der Heizungsmarkt ist weiter von Verunsicherung geprägt. Zwar zeigt unser WärmeIndex eine klare Präferenz der Verbraucher für erneuerbare Heizsysteme wie die Wärmepumpe, doch die Gesamtnachfrage bleibt auf einem niedrigen Niveau. Die Gründe dafür sind vielschichtig, wie unsere Analyse zeigt. Das Warten auf die kommunale Wärmeplanung spielt ebenso eine Rolle wie die allgemeine Erwartungshaltung gegenüber der neuen Regierung", sagt DAA Geschäftsführer Malte Steingrube. 

"Doch diese Zurückhaltung speist sich meines Erachtens nicht nur aus dem Warten auf neue Pläne, sondern auch aus dem Mangel an verlässlichen politischen Signalen. Es reicht nicht, ambitionierte Ziele für den Wärmepumpen-Absatz zu formulieren, wenn gleichzeitig das Vertrauen der Bürger in die Stabilität der Rahmenbedingungen untergraben wird. Die kurzfristig zurückgenommene Senkung der Stromsteuer ist hierfür ein Paradebeispiel. Auch wenn die finanzielle Entlastung überschaubar gewesen wäre, ist das Signal für Hausbesitzer, die eine Investition für die nächsten 20 Jahre planen, problematisch.

Ähnlich kritisch für die langfristige Perspektive ist die aufkeimende Debatte um die technischen Standards für Smart Meter in Form der “Smart Meter Light”. Wärmepumpen werden erst durch intelligente Messsysteme und dynamische Stromtarife wirklich optimal und wirtschaftlich betrieben. Nachdem der Rollout dieser Schlüsseltechnologie nach Jahren der Verzögerung endlich anläuft, riskiert eine neue Diskussion über abweichende Standards genau das, was wir jetzt am wenigsten brauchen: weitere Verzögerungen und neue Unsicherheit bei allen Marktteilnehmern.

Um das Ruder auf dem Heizungsmarkt herumzureißen, braucht es mehr als nur Förderprogramme. Es braucht eine Politik, die Verlässlichkeit ausstrahlt, technologische Weichenstellungen konsequent umsetzt und den Menschen so die nötige Planungssicherheit gibt, um mutig in eine klimafreundliche Zukunft zu investieren. Der Wille der Verbraucher ist da – nun müssen die Rahmenbedingungen stimmen.”

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