Ohne TGA keine Bauwende

Fachforum fordert neues Planungsverständnis

Die TGA wird in der Planungshierarchie bislang oft nachrangig behandelt. Beim Fachforum „TGA neu denken" diskutierten Expert:innen aus Bau, Wohnungswirtschaft, Wissenschaft und Politik, wie das anders geht und Gebäude künftig effizienter geplant und betrieben werden können.

Die TGA-Planung gehört an die vorderste Stelle im Planungsprozess. Hier: TGA in der Viega World Attendorn. Bild: Viega
Die TGA-Planung gehört an die vorderste Stelle im Planungsprozess. Hier: TGA in der Viega World Attendorn. Bild: Viega

Beim Fachforum vom Netzwerk Neues Bauen - 80 Sekunden und Viega kamen rund 60 Vertreterinnen und Vertreter der Viega World in Attendorn zusammen, um konkrete Ansätze für eine Neuausrichtung zu entwickeln. Ausgangspunkt: Die TGA verantwortet bis zu 80% des Energieverbrauchs im Gebäudebetrieb – wird in der Praxis jedoch häufig erst am Ende des Planungsprozesses berücksichtigt. Karsten Müller, CEO Viega Europe, formulierte es pointiert: „Gebäude werden nicht ineffizient betrieben, weil die Technik schlechter geworden ist. Sie werden ineffizient betrieben, weil die Ergebnisse und Daten aus der Planung nicht medienbruchfrei für die Betriebsphase genutzt werden.“

Die Teilnehmenden waren sich einig: Die Bauwende setze eine grundlegend veränderte Planungslogik voraus. Leitbild müsse eine integrierte TGA-Planung sein – verwirklicht durch die Vorverlagerung von Entscheidungen in die frühen Leistungsphasen. Der entscheidende Hebel ist ein detailliert beschriebenes Nutzungskonzept, das die Anforderungen des späteren Gebäudebetriebs von Beginn an einschließt.

Robert Kroth, Geschäftsführer von Neues Bauen – 80 Sekunden, unterstrich: Die dafür nötigen Ressourcen, Konzepte und Produkte seien längst vorhanden – was fehle, sei der Mut, sie an den Anfang des Planungsprozesses zu stellen: „Das Wissen über integrale TGA-Planung ist vorhanden – als Expertise, als Produkt, als Konzept. Was fehlt, ist seine Verortung am Beginn des Planungsprozesses, nicht an seinem Ende."

Wasser: die nächste Ressourcendebatte

Neben Energie rückte beim Forum eine zweite strategische Ressourcenfrage ins Zentrum: Wasser. Nach einer Dekade, in der die Debatte nahezu ausschließlich auf Energieverbrauch verengt war, zog das Forum eine schärfere Konsequenz: Wasserversorgung, Materialflüsse und Betriebsprozesse müssen integraler Bestandteil der Planung werden – nicht als Ergänzung, sondern als Ausgangspunkt.

„Wir haben jahrzehntelang optimiert, was vorhanden war. Jetzt müssen wir neu definieren, was gebraucht wird", so Prof. Dr.-Ing. Viktor Grinewitschus, Prorektor für Forschung an der EBZ Business School. Das Gebäude der Zukunft brauche kein Versorgungssystem mehr, sondern ein intelligentes Steuerungssystem,
das nicht nur durchleitet, sondern denkt.

Dass diese Neubewertung aus Sicht der Hersteller bereits begonnen hat, machte Daniel Quick, Vice President Product Management EU, Viega Europe Board, deutlich: „Wir haben gelernt, Energie als strategische Größe zu behandeln. Jetzt steht Wasser vor der gleichen Neubewertung – als Ressource, die Gebäude aktiv managen müssen, nicht nur passiv durchleiten. Die technischen Antworten liegen bereit. Die Aufgabe ist es, diese auch im Planungsprozess abzubilden.“

Das Forum verdichtete die Diskussion zu drei Adressaten

An die öffentliche Hand: Eine verlässliche Grundlage für die Bauwende entsteht dort, wo Normen, Richtlinien und Förderprogramme die Realität ressourcenintegrierten Bauens widerspiegeln. Ein sinnvoller Ansatzpunkt wäre die schrittweise Erweiterung bestehender Programme um Aspekte wie Wasser, Materialflüsse und Betriebsoptimierung – auf Bundes- wie auf Landesebene.

An die Bau- und Wohnungswirtschaft: Solange Bauherren, Projektentwickler und Projektsteuerer die TGA-Planung nicht als integralen Bestandteil der frühen Leistungsphasen beauftragen und vergüten, bleibt ihr Potenzial systematisch ungenutzt. Die Entscheidung für eine ressourcenintegrierte Planung fällt nicht am Zeichentisch – sie fällt im Briefing. Wer Gebäude wirtschaftlich und zukunftsfähig betreiben will, muss diese Weichenstellung zu Beginn des Prozesses treffen.

An die Hersteller: TGA-Komponenten müssen modularisiert, Schnittstellen standardisiert werden. Entscheidend ist dabei, TGA-Gewerke nicht länger als Einzeldisziplinen zu begreifen, sondern als Synergiesystem – und Innovationen für die Betriebsoptimierung von Gebäuden als gemeinsame Branchenaufgabe zu verstehen.

TGA-Taskforce: gemeinsam für ein neues Planungsverständnis

Das Forum machte sichtbar, was strukturell fehlt – aber auch, was bereits vorhanden ist: ausgereifte Technologien, erprobte Konzepte, vorhandene Kompetenzen. Aus dem Forum heraus haben Viega und Neues Bauen – 80 Sekunden eine gemeinsame TGA-Taskforce initiiert. Ihr Ziel ist kein weiteres Normungsvorhaben, sondern ein neues Planungsverständnis, das Gebäude konsequent vom Betrieb her denkt – und die TGA nicht als nachgeordnetes Gewerk, sondern als planerischen Ausgangspunkt begreift. Dieses Verständnis soll gemeinsam entwickelt und in die Breite der Bau- und Wohnungswirtschaft getragen werden.

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