Offener Brief zur Bauministerkonferenz

Deutsche Umwelthilfe, Architects for Future und NABU fordern Turbo für Umbau statt Neubau

In einem offenen Brief fordern Deutsche Umwelthilfe (DUH), Architects for Future (A4F) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) die Bauministerinnen und -minister der Bundesländer auf, Hemmnisse für Umbau, Sanierung und Weiternutzung von Bestandsgebäuden abzubauen.

Aus ehemaligen Bürogebäuden lässt sich vielleicht noch etwas anderes machen. Bild: stock.adobe.com/gehapromo
Aus ehemaligen Bürogebäuden lässt sich vielleicht noch etwas anderes machen. Bild: stock.adobe.com/gehapromo

In Zeiten knapper Ressourcen, steigender Baukosten und verfehlter Klimaziele muss das Bauen im Bestand zur Regel werden. Konkret brauche es vereinfachte Verfahren, klare Regeln und Rechtssicherheit für Bauherrinnen und Bauherren, Planungsbüros sowie für Kommunen, heißt es in dem offenen Brief. Lange Verfahren, fehlender Bestandsschutz, strenge Abstandsflächen und starre Stellplatzpflichten bremsen aus Sicht der Organisationen aktuell Umbauprojekte und damit auch die schnelle Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Bundesländer wie Baden-Württemberg und Niedersachsen gehen schon mit gutem Beispiel voran. Ihre Ansätze gilt es zu bündeln und weiterzuentwickeln, um eine länderübergreifende, planungssichere Regelung für das Bauen im Bestand zu schaffen.

„Die Bauministerinnen und -minister müssen jetzt eine Novelle der Musterbauordnung auf den Weg bringen, die Altbausanierung und Umbau im Bestand gegenüber Neubau priorisiert", sagt Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH. Das gelänge nur mit dem Abbau von Hürden für Nutzungsänderungen und Umbauten sowie einer Genehmigungspflicht für Gebäudeabrisse. „Nach den Debatten zum Bau-Turbo sind jetzt in den Landesbauordnungen und im Baugesetzbuch weitere Schritte nötig, um Umbau, Nachverdichtung und Innenentwicklung voranzutreiben. Deutschland braucht einen Umbau-Turbo, um Klima und Ressourcen zu schützen. Insbesondere über eine starke Raumordnungsplanung lassen sich Entsiegelung und Stadtbegrünung endlich verbindlich als Maßnahmen der Klimawandelanpassung verankern“, so Metz.

Andrea Bitter, Architects for Future Deutschland e.V.: „Baugesetzbuch, Landes-Bauordnungen und Anforderungen aus der EPBD dürfen nicht länger getrennt voneinander diskutiert werden. Wir brauchen ein gesetzliches Regelwerk, das Klima, soziale Verantwortung und planerische Qualität zusammen denkt – auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Die Kommunen nehmen in der Umsetzung eine Schlüsselrolle ein und müssen deshalb viel enger in die Prozesse eingebunden werden. Der Weg ist klar: Wir müssen Leerstand aktivieren, Gebäude um- und Flächen effizienter nutzen und unseren Lebensraum klimaresilient umgestalten. Der Umbau muss als Regelfall vorangetrieben werden. Etwas anderes können wir uns nicht mehr leisten – ökologisch, sozial und ökonomisch. Wenn wir nicht sofort und umfassend handeln, vergeben wir die Chancen, die wir aktuell noch haben.”

„Die spürbaren Folgen der Klimakrise zeigen unmissverständlich, was es braucht: den konsequenten Erhalt unserer Grünflächen. Der jüngst im Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedete Baumentscheid bestätigt, wie wichtig verbindliche Maßnahmen zum Schutz städtischer Natur sind. Gleichzeitig wissen wir um die Relevanz von bezahlbarem Wohnraum. Kluge Lösungen durch Umbau und Optimierung des Bestands bieten die Möglichkeit, gleichermaßen Grünflächen zu sichern und Wohnraum zu schaffen. Von der Bauministerkonferenz erwarten wir daher, genau diesen Fokus für die anstehende BauGB-Novelle zu setzen“, sagt Stefan Petzold, Senior-Referent für Siedlungsentwicklung des NABU. 

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