BTGA-Herbstgutachten

Einbrechender Nichtwohnbau betrifft auch die TGA

Mit seinem Herbstgutachten prognostiziert der BTGA im nächsten Jahr einen historischen Tiefstand für den Nichtwohnbau.

Erwartungen der TGA-Betriebe: Herausforderungen im Marktumfeld. Quelle: B+L Prognose 09/2024, BTGA-Herbstgutachten
Erwartungen der TGA-Betriebe: Herausforderungen im Marktumfeld. Quelle: B+L Prognose 09/2024, BTGA-Herbstgutachten

Im Vorfeld des 4. TGA-Wirtschaftsforums in Berlin stelllte der BTGA Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung sein neues Herbstgutachten mit dem Titel "Marktausblick Nichtwohnbau Deutschland 2024" vor. Demnach werden die Einbrüche im Bausektor, die sich in den vergangenen Jahren beobachten ließen, weiter anhalten und auch Ausiwrkungen auf Aufträge und Umsätze der TGA-Branche haben. Ein Tiefstand wird für 2025 erwartet.

"Wir erwarten ein weiter sinkendes Bauvolumen," sagt BTGA-Hauptgeschäftsführer Frank Ernst. Erst 2026 sehe man wieder dezente Lichtblicke.

Ernst weist auch auf die wirtschaftliche Bedeutung der Branche hin: Mit einem Umsatzvolumen von fast 90 Mrd. Euro und rund 45.000 Beschäftigten stellt die TGA-Branche einen wichtigen Bereich der deutschen Bauwirtschaft und der Wirtschaft insgesamt dar.

Betrüblich für alle Beteiligten ist zweifellos das mehr als deutliche Verfehlen der Ziele im Wohnungsneubau. Der Nichtwohnbau sei bislang noch nicht so stark eingebrochen, da die Industrie für Effizienz arbeite, sagt Frank Ernst. "Die Industrie hilft sich selbst." Häuslebauer und Wohnungsbauuntrenehmen brauchen hingegen viel öfter Förderung.

TGA als Klimaschützer

Der Rücklauf im Neubau könne teilweise durch Maßnahmen und Aufträge im Gebäudebestand ausgeglichen werden, heißt es in dem Gutachten. In den Bereichen Sanierung, Austausch, Wartung und Instandhaltung ist die Entwicklung durchaus positiv. Der Gebäudebestand gewinnt damit weiter an Bedeutung für die TGA-Fachbetriebe.

Die Politik sollte bei der Transformation des Gebäudebestandes hin zur Klimaneutralität nicht auf die wichtige Stütze TGA-Fachbetriebe verzichten, denn sie können durch die Sanierung ineffizienter Haus- und Gebäudetechnik die Energie- und Gebäudewende aktiv mit vorantreiben.

Wie das Herbstgutachten ebenfalls belegt, bleibt der Anteil der Technischen Gebäudeausrüstung an den Bauinvestitionen insgesamt weiterhin hoch. Die zentralen Tätigkeitsfelder der TGA-Fachbetriebe sind der Nichtwohnbau und der großvolumige Wohnungsbau: Bei vielen Neubauprojekten im Nichtwohnbau entfallen rund 50% der Bauinvestitionen auf die Technische Gebäudeausrüstung und deren Installation. Im klassischen Wohnungsbau liegt dieser Anteil jedoch bei maximal 15%.

Im Nichtwohnbau ist er deutlich höher. Das zeigt das große Potenzial des Nichtwohnbaus und des großvolumigen Wohnungsbaus für Energieeinsparung und Klimaschutz im Gebäudebereich. Mit "großvolumig" sind hier Wohngebäude mit sechs und mehr Geschossen gemeint, sowie zusammenhängende Gebäudekomplexe mit mehr als 30 Wohneinheiten. Diese Art Wohnungsbau wird von Investoren, Bauträgern und Projektentwicklern beauftragt.

Herausforderungen für TGA-Fachbetriebe und resultierende Forderungen

Rund die Hälfte der befragten TGA-Fachbetriebe kritisiert die „Unsicherheit bei politischen Entscheidungen“, insbesondere auch beim Thema Heizung.

Die Unternehmen fordern z.B.:

  • mehr Klarheit bei Förderungen
  • weniger Bürokratie und schnellerer Entscheidungen
  • transparente politische Ausrichtung auf Emissionsziele
  • einfacheres Bauen, denn hohe Baustandards und umfangreiche Normenführen erhöhen Baukosten und Mieten

Fachkräfte in Handwerk und Planung

Für das Schmerzthema Fachkräftemangel kommt mit den rückläufigen Aufträgen aber keine Entspannung. Im Handwerk und bei der planenden Zunft müssen Unternehmen weiterhin kreativ bleiben, um ihre demografisch bedingten Abgänge auch nur annähernd auszugleichen. Zugleich bleibt es aber auch für junge Leute attraktiv, Energie- und Gebäudetechnik zu studieren. Planungsbüros suchen händeringend Ingenieurinnen und Ingenieure, bestätigen Betroffene.

Während das Handwerk von der Politik eine bessere, zielführendere Zuwanderungsstrategie einfordert, die schnell und bürokratiefrei zum Ziel führt, nehmen Planungsbüros die Akquise zum Teil selbst in die Hand und sehen sich, teils auch erfolgreich, auf dem internationalen Fachkräftemarkt um.

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