Loftiges Wohnen in ehemaligen Heeres-Kleiderkammern

Anfang 2017 war Baubeginn für die umfangreiche Umgestaltung der Nebenstelle des alten Heeresbekleidungshauptamtes in Bernau bei Berlin zu einer Wohnanlage. Von den acht Häusern des Gebäudeensembles sind vier inzwischen bezogen, das fünfte soll in Kürze fertiggestellt werden. Die Systemtechnik für die Wärme- und Wasserversorgung kommt aus einer Hand: von Uponor und dem Tochterunternehmen KaMo.

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Im Vitalquartier PankeBogen trifft nach dem Umbau urbaner Industriecharme mit Berlin typischer Klinkerfassade auf modernen Wohnkomfort. Bild: Nordland
Im Vitalquartier PankeBogen trifft nach dem Umbau urbaner Industriecharme mit Berlin typischer Klinkerfassade auf modernen Wohnkomfort. Bild: Nordland

Einst ließ die Wehrmacht in den Gebäuden im brandenburgischen Bernau nordöstlich von Berlin Uniformen und Ausstattungsgegenstände für alle Waffengattungen herstellen und lagern. Nach dem Krieg nutzte die sowjetische Armee den Komplex als Nachschub- und Versorgungsdepot. Nach deren Abzug 1991 vom ehemaligen Gebiet der DDR verfiel das Gelände des Nebenlagers. Erst 2003 begannen mit Förderung des Bundes sowie der EU die Aufräumarbeiten auf dem Gelände.

PankeBogen nennt der Investor, die Nordland GmbH aus Hannover, die zukünftige Wohnanlage. Hier, wo die Panke in Richtung Hauptstadt fließt, um dort in die Spree zu münden, entstehen 600 moderne Zwei- bis Fünf-Zimmerwohnungen mit direkter Großstadtanbindung. Lediglich 30 Minuten dauert die Fahrt mit der S-Bahn in das Berliner Stadtzentrum. Der im Viertelkreis angelegte Gebäudekomplex aus der Zeit des Nationalsozialismus ist mit eines der größten zusammenhängenden Bauwerke im Osten Deutschlands, denn die Gebäudeblöcke sind über einen gemeinsamen Keller miteinander verbunden.

Insgesamt ca. 70.000 m² Wohnfläche entstehen in den Fabriketagen von 1939, die Wohnungen größtenteils mit bodentiefen Fenstern und hallenhohen Decken. Die alten, aus Stahlbeton gebauten und mit Backsteinen verklinkerten Gebäude, wurden bzw. werden komplett entkernt und mit Riemchen neu verklinkert. Sie bestehen jeweils aus drei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss. Der Bezug der Gebäude erfolgt sukzessive. Vier der acht Häuser sind bereits bezogen, das fünfte steht kurz vor der Vermietung. Die Häuser 6, 7 und 8 folgen später.

Heizwärme zentral – Warmwasser dezentral

Die gesamte Wohnanlage PankeBogen wird mit Fernwärme versorgt. Die ursprüngliche Planung des Investors sah für die Wärme- und Warmwasserverteilung in den Gebäuden ein zentrales System vor. Nach eingehender Beratung entschieden die Bauherren sich dann für eine dezentrale Warmwasserbereitung. Der Vorteil gegenüber einer zentralen Warmwasserbereitung liegt u. a. darin, dass durch die direkte Anbindung an den Heizungsvorlauf ein Trinkwarmwasserspeicher zugunsten eines Heizungspufferspeichers entfällt und eine Warmwasserverteilung mit Zirkulationsleitungen in den Versorgungsschächten nicht erforderlich ist. „Der Betreiber hat für eine einwandfreie Trinkwasserhygiene zu sorgen. Da sich in diesem Fall weniger als drei Liter Wasser in den Leitungsstrecken befindet und es sich somit nicht um eine Großanlage handelt, entfällt für ihn die Beprobungspflicht. Gleichzeitig ist das Legionellenrisiko minimiert“, begründet Michael Papst, Technischer Fachberater bei Uponor und Projektbetreuer in Bernau, die Entscheidung des Investors für die dezentrale Warmwasserbereitung. Durch den geringeren Installationsaufwand spart er zudem auch Kosten.

Dezentrale Frischwarmwasserstationen

Insgesamt werden 600 Wohnungsstationen in der Wohnanlage PankeBogen installiert. Die werkseitig gefertigten Stationen sind in den Wohnungen vorwiegend im Flurbereich eingebaut und fallen durch ihre weißen, abnehmbaren Frontplatten kaum auf. Die dezentralen Frischwarmwasserstationen sorgen dafür, dass nur dann warmes Wasser durch das Verteilsystem fließt, wenn es auch tatsächlich vom Nutzer angefordert wird. Dadurch wird stagnierendes Warmwasser vermieden. Die Warmwasserbereitung erfolgt im Durchflussprinzip über einen in der Station integrierten, leistungsstarken Plattenwärmetauscher, der für einen hohen Warmwasserkomfort für den Mieter oder Wohnungseigentümer sorgt. Wird die Wasserauslaufarmatur geöffnet, ist sofort warmes Wasser verfügbar.

Die KaMo-Stationen sind mit einem Kaltwasseranschluss sowie Heizungsvor- und -rücklauf ausgestattet. Das Heizwasser wird zentral im jeweiligen Hausanschlussraum des Hauses bereitgestellt. Dort befinden sich neben der Fernwärmestation, die das mit 90 °C ankommende Heizwasser auf ca. 65 °C beimischt, zum Ausgleich von Spitzenlasten drei Heizungspufferspeicher mit je 1.000 l Fassungsvermögen. Von hier aus wird das Heizwasser über den Heizungsvorlauf direkt zu den Frischwarmwasserstationen geleitet. Die Raumheizung reguliert der Nutzer individuell. Der Verbrauch an Wärme für Heizung, Warm- und Kaltwasser wird über Wärmemengen- und Wasserzähler in der Station erfasst. Somit ist auch eine präzise Kostenabrechnung für jede einzelne Wohnung möglich. Wegen der großen thermischen Länge der verwendeten KaMo Wärmetauscher kann die Vorlauftemperatur des Heizstrangs nur 5 °C oberhalb der gewünschten Wassertemperatur liegen.

Das bedarfsorientierte Funktionsprinzip dezentraler Systeme ist besonders komfortabel, weil Frischwarmwasser in hygienisch einwandfreier Güte nahezu uneingeschränkt zur Verfügung steht. Durch die genaue Planung und Platzierung der Wohnungsstation beträgt das Leitungsvolumen zwischen dem Frischwassersystem und den Zapfstellen weniger als drei Liter. Daher müssen keine regelmäßigen Legionellen-Prüfungen erfolgen, die die Trinkwasserverordnung sonst für vermieteten Wohnraum vorschreibt. Zudem sinkt der Energieverbrauch, da nur nach Bedarf Wasser erwärmt wird und die durchschnittliche Temperatur im Verteilsystem im Gegensatz zu zentralen Systemen niedriger ausfällt.

Langlebig und sicher

Von der Kellerverteilung über die Steigstränge bis hin zur Wohnungsinstallation wurden alle Häuser im Bernauer PankeBogen mit Verbundrohrsystemen ausgestattet. Die langlebige Installation, für die der Hersteller zehn Jahre Haftung übernimmt, bietet ein Höchstmaß an Sicherheit. Die Fußbodenheizung, von der insgesamt 60.000 m² verlegt wurden, sorgt als besonders energieeffizientes System für niedrigere Heizkostenabrechnungen und bietet dem Mieter mehr Wohnkomfort. Die milde Strahlungswärme von unten sorgt für ein angenehmes Raumklima und ist auch für Allergiker geeignet, da kaum Staub aufgewirbelt und die Schimmelpilzbildung minimiert wird. Für den Investor bietet die Ausstattung der Wohnungen mit Fußbodenheizung den Vorteil höherer Energieeffizienz und Wertigkeit der Wohnungen, und somit eine Vermietbarkeit zu höheren Preisen.

Zum Leistungspaket gehörte auch die Durchführung der Heizlastberechnung. Diese liegt aufgrund der guten Dämmung der Gebäude, der abgehängten Decken und der guten Fenster (U-Wert 0,8) im Mittel bei ca. 30 bis 40 W/m².

Im Sanitärbereich kam das vorgefertigte Installationsmodul ISI Box für den Einbau in Metallständerwänden zum Einsatz. Im Modul sind alle Komponenten für die Trinkwasserversorgung sowie der Abwasseranschluss bereits vormontiert und werkseitig auf Dichtheit geprüft.

Fazit

Das Gesamtkonzept für den Umbau ist schlüssig: Statt der ursprünglich geplanten zentralen Variante mit Warmwasserspeichern, entschied man sich für die dezentrale Trinkwasserbereitung. Das bietet Sicherheit für die Einhaltung der Trinkwasserhygiene, minimiert das Legionellenrisiko und sorgt für einen hohen Warmwasserkomfort. Die Ausstattung mit Fußbodenheizung wertet die Wohnanlage zusätzlich auf. Uponor und KaMo lieferten dabei nicht nur alle Komponenten aus einer Hand, sondern unterstützten das Bauvorhaben intensiv – von der Planung bis einschließlich der Vor-Ort-Beratung.

Eine Information der Uponor GmbH, Haßfurt

Siehe Firmenprofil

Redaktion (allg.)

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Loftiges Wohnen in ehemaligen Heeres-Kleiderkammern
Seite 132 bis 133
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