Marktentwicklung

Bautrends 2021: Fachkräftemangel, Preisanstiege und Corona

Das deutsche Baugeschehen entwickelt sich auch nach über 15 Monaten Coronakrise weiter positiv. Vor allem aber der Fachkräftemangel und die erhöhten Baupreise sind ein Problem.

Quelle: BauInfoConsult
Quelle: BauInfoConsult

BauInfoConsult bat in telefonischen Interviews jeweils 120 Architekten, Bauunternehmer, Dachdecker/Zimmerer, Maler/Trockenbauer und SHK-Installateure um eine Einschätzung zu den wichtigsten Trends am Bau. Dabei sollten die Bauprofis spontan die Entwicklungen nennen, die derzeit den stärksten Einfluss auf das Baugeschehen haben.

An oberster Stelle landete einmal mehr der Fachkräftemangel: Jeder zweite befragte Bauakteur sieht das Problem qualifiziertes Personal zu finden als drängend an. Das gilt insbesondere für die Befragten aus dem Bauhauptgewerbe und den Ausbaugewerken.

Auch wenn die Ausbildungsoffensive im Bauhandwerk langsam Früchte trägt und auch die Bauwirtschaft gerade in Zeiten von Corona für viele Schulabgänger als Arbeitgeber an Attraktion gewonnen hat: Der aktuell nach wie vor starken Nachfrage, die es im Wohnungsbau, aber auch im Tiefbau zu bewältigen gilt, ist mit den Fachkräften von morgen, die erst in Ausbildung sind, noch wenig geholfen.

Baupreisanstieg bereitet mehr als jedem Vierten Sorgen

Immerhin hat der unangenehme Trend ja wenigstens einen an sich erfreulichen Hintergrund (nämlich eine volle Auftragspipeline, ohne die ja auch keine Fachkräfte fehlen würden). Doch daneben treten aus Sicht der Verarbeiter und Architekten weitere Probleme, die zu den Kernentwicklungen der nächsten zwei Jahre gehören. So rechnen 27 % der Befragten damit, dass die Preisanstiege für Bauleistungen der Branche auch langfristig erhalten bleiben werden.

Im Zuge der starken Immobilien- und Baunachfrage, die den deutschen Markt seit den Zehnerjahren prägt, sind die Baupreise permanent im Anstieg (sieht man von dem kurzen Intermezzo durch die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung im zweiten Halbjahr 2020 ab). Aktuell kommt es laut Meldungen von Herstellern, Händlern und Bauakteuren zu Lieferengpässen infolge der hohen Nachfrage auf Märkten wie China und den USA, sodass Materialien wie Holz, Dämmmaterial und Kunststoffkomponenten zu recht plötzlichen Preiserhöhungen führen, die Bauprojekte mit einem Schlag deutlich verteuern. Und so das Potenzial mit sich bringen, die Bauherrennachfrage unerwartet zu dämpfen.

Corona

Nach über einem Jahr Coronakrise könnte man meinen, dass sich die Bauakteure an die widrigen Umstände ihrer Arbeit gewöhnt haben (die ja immerhin durch den Anspruch an Systemrelevanz mehr oder weniger durchgängig möglich war). Doch auch wenn deutlich weniger Bauakteure als im Vorjahr 2020 Corona als Haupttrend für 2021 ansehen, ist das Virus für 40 % der Planer und Handwerker weiter Thema Nummer eins.

Schließlich bestimmen Hygienekonzepte, kontaktarme Zusammenarbeit und Mitarbeiter in Quarantäne auch weiter noch den Baualltag – und das Ende der Fahnenstange ist trotz der erfreulichen Fortschritte bei der Eindämmung der Pandemie noch nicht mit Sicherheit abzusehen. Dazu kommen weitere 15 %, die durch mehr Insolvenzen infolge von Corona wirtschaftliche Einbußen auch am Bau befürchten.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit stützen die Nachfrage

Immerhin: Mit insgesamt 37 % der Bauprofis, die energieeffizientes oder nachhaltiges Bauen als einflussreiche Trends identifizieren, sind auch zwei wichtige Treiber der Baukonjunktur unter den Top-Trends für 2021 und 2022 vertreten. Angesichts der Klimadiskussion und der starken Bauherrennachfrage nach MAP-Mitteln zur energieeffizienten Sanierung dürfte der Branche dieser erfreuliche positive „Gegentrend“ auch weiter erhalten bleiben.

Auffällig bleibt, dass neben den sechs Top-Trends (siehe Abbildung) verhältnismäßig wenige andere Themen von den Bauprofis als Trends identifiziert wurden. Der um sich greifende Wohnungsmangel, der zu einem deutlichen Bau- und Immobilienpreisboom geführt hat, oder auch tiefgreifende Entwicklungen wie die Digitalisierung der Bauprozesse werden angesichts der allgegenwärtigen Krise ganz offensichtlich als weniger prägend wahrgenommen.

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