Welche Erfahrungen haben Sie mit Korrosion in hydraulischen Systemen gemacht?
Gibt es wirklich dieses Schädigungspotenzial?
Beim Lesen solcher Artikel schlagen jedoch immer zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits billige ich dem Wasser das in den Artikeln beschriebene Schädigungspotenzial zu, da es die gesamte Anlage durchströmt und so mit vielen Bestandteilen in den technischen Anlagen in Berührung kommt. Zudem tragen die heutigen Strömungsquerschnitte, neue Rohrmaterialien, niedrige Systemtemperaturen in Verbindung mit Flächenübergabesystemen und die immer sensibler werdenden Anlagenbauteile (Ventile, Pumpen, Messinstrumente usw.) zu einer höheren Störanfälligkeit bei. Andererseits stammen die Artikel nahezu überwiegend von Autoren, die im Hauptberuf gleich die vermeintlich passenden Lösungen für die dargestellten Probleme anbieten. Neutrale und wissenschaftlich erstellte Beiträge finden sich so gut wie nicht. Kurzum, ich war mir nicht ganz sicher, welche tatsächliche praktische Relevanz das Thema „Wasserqualität in Heiz- und Kühlanlagen“ wirklich hat.
Ja, es existiert!
Meine Unsicherheit endete, als auch eines der Bundesbauprojekte, in denen ich ein energetisches Monitoring durchführte, die in den Artikeln geschilderten Symptome aufwies. Die Ursachenforschung brachte es dann an den Tag: Korrosion hatte innerhalb weniger Jahre nach Inbetriebnahme des Gebäudes die Stellventile der Kühl- und Heizdecken funktionsunfähig gemacht. Ein Totalaustausch der Ventile war die Folge. Die anschließende Suche nach dem oder den Verantwortlichen für den Funktionsverlust der Anlage führte zu keinem eindeutigen Ergebnis; alle Beteiligten arbeiteten gemäß den aktuellen Vorschriften und dem Stand der Technik.
Auch wenn es sich bislang nach meiner Kenntnis um einen Einzelfall im Bundesbau handelte, verfolge ich seither das Thema „Wasserqualität in technischen Anlagen“ noch intensiver. Der beschriebene Funktionsverlust einer Anlage stellt sicherlich den „worst-case“ dar, aber selbst die Beeinträchtigung der energetischen Effizienz von Heiz- und Kühlanlagen sollte bei den steigenden energetischen Zielsetzungen in unseren Bauprojekten möglichst ausgeschlossen werden.
Beteiligen Sie sich an der wissenschaftlichen Untersuchung
Daher bin ich sehr froh, dass das Steinbeis-Innovationszentrum energie+ gemeinsam mit der Leuphana Universität Lüneburg die „Korrosion in hydraulischen Systemen“ wissenschaftlich untersuchen wird. In dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekt sollen in der Praxis aufgetretene Schadensbilder erfasst und analysiert sowie Gegenmaßnahmen getestet werden. In einem ersten Schritt werden die Erfahrungen von Fachplanern und Betreibern mit dem Thema Korrosion im Rahmen einer Online-Befragung ermittelt.
Ich möchte Sie ermutigen und auffordern, sich an der Online-Befragung zu beteiligen. Damit helfen Sie einerseits, ein belastbares Erfahrungsbild in Bezug auf die Korrosionsthematik in heutigen Heiz- und Kühlanlagen zu zeichnen und andererseits Strategien zur Steigerung der Qualität in Planung und Ausführung gebäudetechnischer Anlagen zu entwickeln.
Dr.-Ing. Olaf Böttcher
Bundes-Energiebeauftragter
Website zum Projekt: http://siz-energie-plus.de/?page_id=995
Link zur Umfrage „Korrosion in hydraulischen Systemen“: https://de.surveymonkey.com/r/?sm=dGI%2ftI1yaakKvhGNbiuuCg%3d%3d














