Nachhaltige Zukunftslösung

In Velden an der Vils entsteht eine der modernsten Produktionsstätten für den Bau von Schaltschränken. Im Herbst 2022 geht das Werk in Betrieb. Die Planung der NExT Factory der Schaltbau GmbH überzeugt nicht nur durch ein CO2-freies Energiekonzept, sondern auch durch eine nachhaltige Regenrückhaltung, für die ein System von Graf zum Einsatz kam.

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Um das Kiesbett für die Rückhalteanlage zu erstellen, musste der Grundwasserspiegel durch den Einsatz von Pumpen abgesenkt werden. Bild: Graf
Um das Kiesbett für die Rückhalteanlage zu erstellen, musste der Grundwasserspiegel durch den Einsatz von Pumpen abgesenkt werden. Bild: Graf

NExT steht bei der Produktionsstätte der Schaltbau GmbH für New Energy, New Work, Excellence in Processes sowie Technology driven. In der Praxis bedeutet das u. a. die Anwendung eines CO2-freien Energiekonzeptes, transparente Arbeitswelten, exzellente Wertschöpfungsprozesse sowie den Einsatz und Ausbau von Technologien entlang der Wertschöpfungskette. „Wir sind im neuen Werk nahezu autark bei unserer Energieversorgung“, sagte Dirk Konrad, Geschäftsführer der Schaltbau GmbH, beim ersten Spatenstich. „Unser Konzept ermöglicht uns eine dauerhaft nachhaltige und CO2-freie Produktion.“

Im neuen Werk in Velden entwickelt und fertigt die Schaltbau GmbH elektromechanische Komponenten wie Schütze, Stecker und Schalter für vielfältige Gleichstromanwendungen in der Industrie, der Bahn und in neuen Märkten.

Regenwasserrückhaltung

Aufgrund der geologischen Gegebenheiten entschied sich die ATP München Planungs GmbH nach einem Bodengutachten in Abstimmung mit der unteren Wasserbehörde statt für die geplante Versickerung für eine Rückhaltung des Regenwassers und einen gedrosselten Einlauf in die Mischwasserkanalisation. Entgegen der ersten Annahme war vor Ort eine Versickerung im Verwitterungslehm ohne einen zeit- und kostenaufwändigen Austausch des Bodenkörpers nicht möglich.

Auf dem Werksgelände wurden mit 1.422 Graf EcoBloc Modulen drei unterirdische Rückhalteanlagen mit einem Netto-Rückhaltevolumen von 585 m3 installiert. Da die Graf EcoBloc Module sowohl für den Bau von Versickerungs- als auch für Rückhalteanlagen geeignet sind, bedurfte es nur geringer Änderungen bei der Planung.

Zur Dimensionierung der Niederschlagsmenge wird anhand des KOSTRA-Datensatzes des DWD eine Starkniederschlagsprognose berechnet. Für den Standort berechnet sich eine fünfjährig wiederkehrende Wahrscheinlichkeit eines fünfminütigen Starkregenereignisses.

Der modulare Aufbau des Regenrückhaltesystems von Graf bietet die Möglichkeit, das Volumen und vor allem Länge, Breite und Höhe den örtlichen Gegebenheiten individuell und platzsparend anzupassen. Die Regenrückhaltesysteme sind unter den abschüssigen Park- und Fahrflächen mit einem Gefälle von 2,6 % installiert und bis SLW 30 belastbar.

Die Graf EcoBloc Inspect Module wurden innerhalb von nur zweieinhalb Arbeitstagen vor Ort zu einem mehrlagigen Blockverbund montiert. Bild: Graf

4.188 m2 Fläche des Flachdachs der NExT Factory und 195 m2 Wegflächen werden in die Regenrückhalteanlage 1 entwässert. Das anfallende Niederschlagswasser von 11.566 m2 Dachfläche und 3.069 m2 Wegflächen wird in die Regenrückhalteanlagen 2 und 3 geleitet. Die Zuleitungen sind in den Größen DN 250 bis DN 400 an die Regenrückhalteanlagen dimensioniert. Das Wasser wird kontrolliert mit mehreren Drosselabläufen mit insgesamt 26,46 l/s (6,72 l/s Regenrückhalteanlage 1, 15,78 l/s Regenrückhalteanlage 2, Regenrückhalteanlage 3 3,96 l/s Becken 3) an die Mischwasserkanalisation abgegeben.

Das Graf EcoBloc Inspect Modul wurde bei der Regenrückhalteanlage 1 in einem einlagigen Blockverbund (17,6 × 15,2 × 0,66 m) mit einem Nettovolumen von 137,29 m³ erstellt. Der Verbund wurde dabei mit einem stufigen Rückbau den örtlichen Gegebenheiten angepasst. Die Rückhalteanlagen 2 und 3 wurden als Rechteck (55,2× 2,8 × 0,66 m) mit einem Nettovolumen von 447,68 m³ verlegt.

In der Modulgröße mit 420 l Speichervolumen entspricht das Graf EcoBloc Inspect Modul dem gängigen Flächenraster von 80 × 80 cm. Das Modul wird zu 100 % aus recyceltem Kunststoff hergestellt. Die Module sind konstruktiv auf eine Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren unter Berücksichtigung einer zweifachen Sicherheit ausgelegt. Zudem sind sie mit gängigen Inspektionskameras DN 200 inspizierbar.

Das modulare System bietet die Möglichkeit, die Regenrückhalteanlage entsprechend den örtlichen Gegebenheiten individuell und platzsparend anzupassen. Bild: Graf

Das ausführende Unternehmen Brandl GmbH, Neufraunhofen, erstellte für die Regenrückhalteanlage 1 in einer Tiefe von 2,18 m und für die Regenrückhalteanlagen 2 und 3 in einer Tiefe von 2,82 m ein Kiesbett. Die Baugruben wurden mit einem Sand-Kies-Gemisch verfüllt. Die Erdüberdeckung bis Geländeoberkante beträgt bei der Regenrückhalteanlage1152 bis 176,50 cm und bei den Regenrückhalteanlagen 2 und 3 212 bis 260 cm. Um die Arbeiten ausführen zu können, musste der Grundwasserspiegel durch den Einsatz von Pumpen abgesenkt werden.

Für das Bauvorhaben wurden die Module innerhalb von nur zweieinhalb Arbeitstagen vor Ort zu einem mehrlagigen Blockverbund montiert. Nach der Montage des Blockverbundes wurden die Rohrpositionen für den Zulauf und Ablauf zum externen Drosselschacht (jeweils DN 315) sowie die Entlüftung positioniert. „Anlieferung und Aufbau haben sehr gut funktioniert und alle Anschlüsse haben gepasst“, berichtete Bauleiter Stefan Rusch von Brandl.

Der Blockverbund wurde anschließend mit Geotextil eingeschlagen. Diese innere Schicht wurde in einem zweiten Arbeitsschritt mit einer wasserundurchlässigen 2-mm-HDPE- Kunststoffdichtungsbahn verschweißt. In einem dritten Arbeitsschritt wurde die Rigole nochmals mit dem Geotextil umschlossen.

Der Blockverbund wurde nach der Montage mit Geotextil eingeschlagen. Bild: Graf

Der dreilagige Aufbau verhindert den unkontrollierten Wasseraustritt aus den Modulen. Die innere Geotextilschicht schützt dabei die HDPE-Kunststoffdichtungsbahn vor möglichen Beschädigungen durch Kanten der Rigole. Das äußere Geotextil dient als Schutzschicht für das System.

Schachtsysteme Vario 800 im Blockverbund integriert

In den EcoBloc-Verbund der drei Regenrückhaltesysteme sind 21 Schachtsysteme Vario 800 von Graf positioniert. Diese dienen als Revisions- und Spülschächte. Beim Graf Vario 800 System wird ein Element des Schachtsystems in den EcoBloc Verbund passgenau integriert. Das modulare System ermöglicht es, Schachtzugänge frei und ohne statische Einschränkungen zu positionieren. Dadurch ist kein zusätzlicher Aushub notwendig, und das Schachtvolumen wird in das Fassungsvermögen des Regenrückhaltesystems einbezogen.

Die Schächte wurden bei Graf bereits projektspezifisch vormontiert und anschlussfertig angeliefert. Bild: Graf

Das Schachtsystem Graf Vario 800 lässt sich nicht nur individuell anpassen, sondern überzeugt durch eine lichte Weite des Schachtes von 60 cm. Dies erleichtert bei der Inspektion den Zugang. Der Schacht kann in der Höhe flexibel an die Geländeoberkante angepasst werden. Bei den Regenrückhalteanlagen variieren die Gesamthöhen des Teleskopschachtes bis zur Geländeoberkante von 128,5 bis zu 216 cm.

Die Schächte wurden bei Graf bereits projektspezifisch vormontiert und anschlussfertig angeliefert. Dies sparte Zeit beim Einbau und erleichterte die Inbetriebnahme vor Ort. Die Teleskopschächte sind SLW 30 befahrbar.

Eine Information der Otto Graf GmbH, Teningen

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Nachhaltige Zukunftslösung
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