Klimazonen im Museum des 20. Jahrhunderts

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Museum des 20. Jahrhunderts am Scharounplatz Bild: Herzog & de Meuron
Museum des 20. Jahrhunderts am Scharounplatz Bild: Herzog & de Meuron

Kategorie: Innovatives Konzept

Objekttyp: Öffentliches Gebäude - Museum

Am Berliner Kulturforum entsteht das Museum des 20. Jahrhunderts der Architekten Herzog & de Meuron. Das neue Haus der Staatlichen Museen zu Berlin wird voraussichtlich ab 2026 zusammen mit der benachbarten Neuen Nationalgalerie bedeutende Berliner Sammlungen mit Werken des 20. Jahrhunderts zeigen. Buro Happold wurde mit der Planung der Technischen Gebäudeausrüstung und Teilen des Lichtdesigns beauftragt.

Klimalösung für besondere Herausforderungen

Ein Museum ist ein besonderer Raum, der an sich wirken soll, aber auch als Hintergrund für die Ausstellungsstücke. Die Exponate reagieren extrem sensibel auf Temperatur- und Feuchteschwankungen. Es musste deshalb eine unsichtbare Haustechnik geschaffen werden, die strikteste klimatische Kriterien erfüllt. Als Antwort auf die komplexen architektonischen und technischen Herausforderungen verlegte das Ingenieurbüro die Gebäudetechnik weitgehend in das Untergeschoss. Entwickelt wurde zudem ein Klimakonzept, das bei aller architektonischen Offenheit des Museums eine Abgrenzung der drei vorgesehenen Klimazonen - den Eingangsbereich als Pufferzone, den Boulevard und den eigentlichen Ausstellungsbereich - ermöglicht, ohne dass Wände gezogen und Türen geschlossen werden müssen. Teil des Konzeptes ist eine zweistufige Kaskadierung der Zuluft.

Die Wirksamkeit verschiedener Konzepte der Klimazonenabgrenzung wurde während der Entwurfsphase durch Simulationen und im 1:1 Modellversuch mit einer Klimakammer visualisiert. Dabei untersuchten die Projektbeteiligten Dietmar Poguntke (Buro Happold), Max Doelling (Buro Happold), Thomas Tian (Tian Building Engineering), Dietmar Rossbruch (Fa. Krantz) z. B. das Lüftungsverhalten verschiedener Türmodelle und Varianten der Zonenabgrenzung. Die Lösung sollte unsichtbar, unhörbar und möglichst auch nicht zu spüren sein, sie sollte energieeffizient und wirtschaftlich arbeiten. Im Test waren etwa eine Tunneloption für die Eingangszone zwischen Boulevard und Ausstellungsbereich und verschiedene Varianten einer Durchgangsbegrenzung mit Schürzen und Türluftschleier, Einblasdüse im Sturzbereich und Fußbodenabsaugung.

Die gefundene neuartige Lösung – ohne Schürze, aber mit Integration der Düse direkt in den Türsturz – wurde in Zusammenarbeit mit der Aachener Firma Krantz in einem 1:1 Anschauungsmodell optimiert und schließlich in die Entwurfsplanung überführt.

Das Ergebnis ermöglicht die Vision „offenes Haus der Kunst“ und erfüllt außerdem die hohen Anforderungen an die Raumluftqualität sowie die Voraussetzungen für Zertifizierung nach BNB (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen) für den Niedrigstenergiestandard.

Buro Happold, Berlin

www.burohappold.com

Redaktion (allg.)

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