Daikin Nachhaltigkeitsgipfel in Kopenhagen

Unter dem Motto „Gemeinsam eine nachhaltige Zukunft gestalten“ fand vom 05. - 07. Februar in Kopenhagen der internationale Daikin VRV-Summit 2020 statt. Auf dem Event präsentierte Daikin seine "Environmental Vision 2050" und stellte u.a. die neue Produktreihe VRV 5 vor.

Daikin VRV-Summit Kopenhagen. Quelle: Redaktion
Daikin VRV-Summit Kopenhagen. Quelle: Redaktion

Fast 500 Teilnehmer – Planer und Anlagenbauer aus ganz Europa ud der halben Welt – versammelten sich in der Oeksnehallen, einer früheren Rinderauktionshalle, Baujahr 1901. Die Oksnehallen, ein quadratisches Ziegelgebäude in typischer Industriearchitektur mit gusseisernen Dachstützpfeilern, bot einst Raum für 1.600 Rinder; heute wird hier z. B. mit Innovationen gehandelt. Zwischen verschiebbaren Textilwänden, die das Auditorium von den Open Spaces trennten, folgte man den Präsentationen, diskutierte klimatische und wirtschaftliche Entwicklungen, fachsimpelte zu den Details der ausgestellten Klimageräte, Wärmepumpen und Cloudlösungen, knüpfte Beziehungen und schob neue Kooperationen an.

Begleitet von Pomp, Duck and Circumstance, geliefert von einer enthusiastischen Modern Dance Truppe, präsentierte Daikin erstmals seine neue VRV 5-Serie (VRV / VRF: variable refrigerant flow, dt.: variabler Kältemittel-Volumenstrom). Die reversiblen Wärmepumpen zum Heizen und Kühlern, Teil einer kompletten Produktpalette von Split-, Sky Air-, Kaltwasser- und Heizgeräten mit dem klimaschonenden Kältemittel R-32, kommen ab September 2020 auf den Markt. Ihre Technologie geht mit der Philosophie der Nachhaltigkeit konform, die das global aufgestellte Unternehmen in seiner „Vision 2050“ formuliert. Kernelemente sind etwa Energie- und Ressourceneffizienz sowie die Einführung der Kreislaufwirtschaft, die im eigens aufgelegten und bereits erfolgreich getesteten Reclaimed Refrigerant Programm Widerhall findet. Gesammelt und wiederaufbereitet werden aber nicht nur die Kühlmittel, sondern auch die Anlagen-, einschließlich der Rohr- und Elektromaterialien.

In diesem Zusammenhang überrascht die Wahl des Veranstaltungsortes Kopenhagen nicht – die Stadt hat viel in die nachhaltige Stadt- und Verkehrsentwicklung investiert. Zudem war Dänemark das erste Land, das Klimaneutralität bis 2050 zur Politik machte. Damit der Nachhaltigkeitsgipfel nicht den Teufel mit Beelzebub austreibt, kompensierte Daikin die durch die Flüge der Teilnehmer entstandenen Treibhausgasemissionen durch Ausgleichszahlungen in ein 8-MW-Biomassekraftwerk im indischen Bundesstaat Radjasthan. Im Werk, das in Kooperation der Klimaschutzorganisation atmosfair und der Kalpataru Power Transmission Limited (KPTL) entstand, dienen Rest- und Abfallstoffe aus dem Senfanbau, die lokalen Farmern abgekauft werden, zur Stromerzeugung.

Bis 2050 will die EU klimaneutral sein. Die Energie-, Logistik- und Baubranche sowie die Heizungs-, Klima- und Lüftungsbranche spielen dabei eine große Rolle. Zugleich wird die Klimaerwärmung, gekoppelt mit der zunehmenden Urbanisierung der Welt, die Nachfrage an Kühlungstechnologien steil nach oben treiben. Daikins "Vision 2050" beinhaltet zudem, die 17 UNO-Nachhaltigkeitsziele von 2016 in ihrer Gesamtheit in die Unternehmensstrategie zu integrieren. Das Unternehmen sieht sich hier als Lieferant von Komfortlösungen, die zur Wertschöpfung für Städte beitragen, die Luftqualität verbessern, das Energiemanagement optimieren und die Dekarbonisierung des Gebäudesektors durch Bereitstellung (reversiblen) Wärmepumpen für Nullenergiehäuser unterstützen. So empfiehlt sich die VRV-Technologie etwa bei der Bewertung von Punkten für die Nachhaltigkeitszertifikate BREEAM/LEED. Zudem engagiert man sich bei der Umsetzung der neuen F-Gase-Verordnung. Daikin will die Nachhaltigkeit stärken, ohne an Komfort und Wirtschaftlichkeit zu sparen. Für den Konzern selbst lohnt sich das: Der VRV-Markt weist ein Wachstum von 10 % auf.

Kreislaufwirtschaft als Kernpunkt der Daikin-Nachhaltigkeitsstrategie

Seiner Vision 2050 folgend investiert Daikin in zukunftssichere Produkte mit langer Lebensdauer. Das global agierende Unternehmen implementiert die Kreislaufwirtschaft und wird seine Kunden dabei unterstützen, dies ebenfalls zu tun. Matthias Fahy, Experte für Kreislaufwirtschaft bei Daikin, Belgien, erläuterte auf dem Daikin-VRV-Summit das Konzept. Ansgar Thiemann vom Daikin Headquarter Brüssel gab Auskunft zur konkreten Umsetzung bei Daikin.

Klimawandel und Ressourcenverschwendung

Weltweit nehmen Fluten und Dürren zu, Teile des kontinentalen Festlands werden in Kürze unter Wasser stehen, sagt Matthias Fahy. Die Weltbevölkerung wächst und zur Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Konsumverhaltens verbraucht sie bereits heute die Ressourcen von 1,7 Erden; 2050 werden es drei sein. Kleidung, Elektronik und Plastikverpackungen werden immer schneller weggeworfen. Landschaften und Meeren verwandeln sich in Mülldeponien. Zugleich werden wichtige Ressourcen werden immer schneller ausgebeutet, erschöpft und zur Mangelware.

Loops statt Recycling

Von den Maßnahmen, die der Europäische Green Deal auflistet, ist Fahy zufolge der Übergang zur Kreislaufwirtschaft am wichtigsten. So werden gegenwärtig etwa nur 1 % der Mobiltelefone überghaupt gesammelt. Die meisten ausrangierten Geräte liegen zu Hause in Schubladen. Eine Recyclingwirtschaft ist jedoch keine Lösung, denn Recycling ist heute überwiegend Downcycling unter Mitnutzung neuer Materialien. Die Alternative ist eine Erneuerungsstrategie, bei der in so genannten Loops neue Produkte unter Verwendung wiederaufbereiteter Stoffe und Produkte hergestellt werden. Sie kann das Müllaufkommen auf Null bringen und den Energie- und Materialverbrauch drastisch reduzieren.

Ein Beispiel ist etwa das Telekommunikationsunternehmen Cisco, das in Fehlervermeidung und eine Reparaturinfrastruktur investiert und dabei dramatisch Materialkosten einspart. Vorbildlich auch das Mobiltelelefon der niederländischen Firma Fairphone, das modular aufgebaut ist und Rohstoffe, wo möglich, aus fairer Produktion ankauft. Defekte oder veraltete Module (Batterie, Display, Kameramodul usw.) können vom Nutzer einzeln entnommen und ersetzt werden; die Firma liefert Videoanleitungen zum Selbermachen.

Kernfeature der Kreislaufwirtschaft sind auch die neuen Service-Modelle, die das bisherige Produkt durch den Dienst ersetzen, den es seinem Nutzer leistet: Hersteller verkaufen nicht länger das Produkt, sondern seine Nutzung. So verkauft die Firma Miele die Lebenszeit der Waschmaschine und nicht mehr die Maschine selbst. Das ist Wäschewaschen als Service, so wie auch der Besitz eines Privatfahrzeugs vom Konzept der Mobilität als Service abgelöst werden kann. Das ist kein ökologisches, sondern ein ökonomisches Modell, sagt Fahy. Zu den Pionieren der Service-Ökonomie gehören Danone, Ikea, Google oder auch Philips. So stammen heute 11 % der Einnahmen von Philips aus dem Servicesektor und viele Produktteile sind bereits aus recycelten Materialien.

Closing the Loop: Die Daikin-Strategie für die Kreislaufwirtschaft

Als Teil seiner „Environmental Vision 2050“ will Daikin die Kreislaufwirtschaft zum eigenen und dem Tagesgeschäft von Planern und Anlagenbauern machen. So garantiert sie etwa für alle ihre Anlagen 10 Jahre Ersatzteilgarantie nach Fertigungsende der Produktlinie. Die Firma selbst recycelt Kupfer und Aluminium und führt die gesamten Installationen z. B. Kühlmittelleitungen, Verdrahtungen der Wiederverwertung zu. Als Kühlmittelhersteller hat Daikin zudem mit der Wiederaufbereitung von Kühlmitteln begonnen. In einem Pilotprojekt wurde z.B. in Milano das gesamte Mengenäquivalent für Kühlmittel und Gerätematerialien eingesammelt und aufbereitet.

Im Aufbereitungsprozess erhält das Kältemittel dieselbe Qualität wie Neuware. In der Niederlassung Ostend in Belgien wurden im vergangenen Jahr 150 t aufbereitetes Frischgas in neuen Geräten wiederverwendet. Um das zu erreichen, wird etwa ein Servicepaket für das Händlernetzwerk angeboten. Im Vereinigten Königreich läuft die Rückforderung und Wiederverwendung von Frischgas unter dem Titel „Reclaim with Confidence“.

Das Loop-Vertragsformat für das Kältemittel R410a ähnelt dem Prinzip des Ökostromvertrag. Daikin gibt eine Garantie nicht für die Bereitstellung aufbereiteten Kühlmittels selbst, sondern für den Anteil an aufbereitetem Kühlmittel im Gesamtkreislauf, der per Vertrag zugesichert wurde. Die Produkte werden mit dem neuen Label „Certified Reclaimed Refrigeration Allcocation“ versehen. Komplett geschlossene Loops existieren bereits, wie eine Fallstudie von 2019 zeigt, die 12 Händler in sechs Ländern einschloss, darunter Deutschland und Österreich. Im Lauf des Jahrs 2020 wird das Konzept in Europa ausgerollt und 50 Händler einschließen. In den kommenden Jahren weitet Daikin seine Rückgewinnungsleistungen als Service aus und will so die Produktion von über 500 t neuer Kältemittel vermeiden.

Neben weiteren Maßnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft liegt der Fokus der Umweltstrategie auch auf dem Produkt selbst: Neben dem geringeren Einsatz von Neumaterialien durch Kreislaufwirtschaft, enthalten die neuen Daikin VRV-Geräte mit R32 ein Kältemittel mit niedrigem GWP sowie auch eine geringere Kältemittelmenge als zuvor. Eine Reihe von Maßnahmen sorgen für die Leckbegrenzung. Sie arbeiten energieeffizient und benötigen geringere Rohrquerschnitte.

Ausblick: Zur neuen Produktreihe gehört etwa die Mini VRV5 Serie. Mehr zu den Details dieser Anlagen für besonders kleine Anwendungsfälle gibt es auf der Daikin Leading Air Convention am 22. und 23.04.2020 in Berlin.

Detaillierte Produktinformationen werden im weiteren Verlauf bereitgestellt.

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