Der Hauptbestandteil der Holzbalkendecke ist brennbar. Das muss aber kein Nachteil sein! Holz ist ein Werkstoff, von dem wir wissen, dass er ein Abbrandverhalten von 1 Millimeter pro Minute aufweist. Das heißt, je dicker das Holz, umso länger der Feuerwiderstand. Dazu kommen noch Schichten aus Putz und Schüttungen. Ist dieses Gesamtkonstrukt intakt, so hält es Feuer zuverlässig auf. Aus diesen Gründen hat die Klassifizierung des Feuerwiderstandes einen Zusatz wie zum Beispiel F30 B.
Durch die Decke gehen
Die DIN 4102-4 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen – Teil 4: Zusammenstellung und Anwendung klassifizierter Baustoffe, Bauteile und Sonderbauteile kennt Brettstapeldecken und gefüllte Decken mit offenen Balken oder eben die verputzte Decke.
Das Problem ist jedoch, dass bei keiner Holzbalkendecke die Durchdringung mit Rohren und Kabeln geregelt ist. Nun fand aber gerade diese Decke in der Historie die häufigste Anwendung. Man kommt also in der Praxis nicht umhin, für die Durchdringungen Lösungen im Hinblick auf den Brandschutz zu finden.
Nachträglich sollen da Rohre und Kabel durch! Was nun, lieber Handwerker?
Lösung 1: Nichts tun
Die Holzbalkendecke bleibt gänzlich unverändert. Wasser und Strom sollten via Bluetooth durch die Decke und das Abwasser wird, wie im Mittelalter, aus dem Fenster entsorgt.
Lösung 2: Betonausfachung/Betonplombe/Betonklotz
Es gibt viele Namen für das Einbringen von Wechseln, das Auslaiben mit Brandschutzplatten und das anschließende Ausfüllen mit Beton. Bei allen Varianten wird im Prinzip ein Stück der Holzbalkendecke entfernt und gegen ein Stück Betondecke ausgetauscht. Damit ist eine Verwendung von Schottsystemen, mit Zulassung in einer Betondecke möglich.
Das verlangt das Koordinieren mehrerer Gewerke, ist teuer und zeitaufwändig. Es bringt zusätzliche Lasten und hat zwei entscheidende Nachteile:
- Es gibt für den Einbau der partiellen Betondecke in die Holzbalkendecke keine Zulassung oder Prüfung.
- Der Feuerwiderstand des Schottsystems laut Zulassung in einer Betondecke (häufig F90) bezieht sich nur auf die Durchführung. Der Feuerwiderstand laut Klassifizierung der Holzbalkendecke liegt meist darunter (F30 B oder F60 B).
Lösung 3: System Deckenstanzer - Einfach bohren!
Der Deckenstanzer ist ein Edelstahlrohr, das im Bohrverfahren als verlorene Schalung eingebracht wird. Der umliegende Deckenaufbau der Holzbalkendecke wird nicht zerstört. Im Deckenstanzer werden dann Medien mit marktüblichen Brandschutzlösungen eingebracht. Dieses Verfahren wurde erfolgreich getestet und seit Neustem hat der Deckenstanzer eine Bauproduktenzulassung sowie eine allgemeine Bauartgenehmigung (aBG). Es handelt sich also hierbei um die erste Zulassung von Durchführungen durch eine klassische Holzbalkendecke in Deutschland!

Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin betrat hier ebenfalls Neuland. Es wurde lange geprüft, um dieses Verfahren auf rechtlich saubere Füße zu stellen.
Aus formalen Gründen gibt es mehrere aBG’s, je eine pro Abschottung. Alle aBG’s bescheinigen vorerst eine Feuerwiderstandsdauer von 30 Minuten.
Sollte das Brandschutzkonzept F60 B vorsehen, muss dies zuvor mit dem Brandschutzprüfer abgestimmt werden. Wir bei SWS haben im Jahr 2019 auch über 60 Minuten geprüft und verfügen über ein gültiges MPA-Protokoll.
Und wie wird’s gemacht?
Der Handwerker nutzt ein Kernbohrgerät mit 5/4 Zoll Aufnahme und das SWS Werkzeug – Starterset als Setzwerkzeug. Im Zusammenwirken mit dem aufgesteckten Deckenstanzer entsteht so eine Lochkreissäge XXL. Wie genau der Deckenstanzer in die Holzbalkendecke eingebohrt und befestigt wird, ist in einem kurzen Video auf unserer Homepage zu sehen. Liebe Handwerker: Bitte vorher anschauen und los geht’s!
Es gibt zwei Durchmesser (80 und 160 Millimeter) und zwei Standardlängen (320 und 420 Millimeter). Sonderlängen bis 1.000 Millimeter sind auf Anfrage möglich.

In jedem Fall wird die komplette Deckenkonstruktion von der oberen Laufschicht bis zur untersten Lage durchbohrt. Die Hülse des Deckenstanzer reicht von der Unterseite der Laufdielung bis zur Unterseite der relevanten Deckenkonstruktion. Somit sind seitliche Versprünge und seitliche Einführungen im Bereich des Deckenaufbaus nicht möglich!
Je nach verwendetem Schottsystem muss der Deckenstanzer deckenbündig abgeschnitten werden. Bei der 1 Millimeter Wandstärke helfen Metallsäge oder Winkelschleifer.
Der Ringspalt, außen um den Deckenstanzer, wird an der Deckenunterseite mit einem im Brandfall aufschäumenden Fugenfüller kaltrauchdicht verschlossen. Welche Brandschutzprodukte jetzt zum Einsatz kommen finden Sie in unserem Montagehelfer im Bereich Download.
Alle brandschutztechnischen Maßnahmen inklusive der Restspaltverfüllungen sind mindestens über die komplette Deckenstärke auszuführen.
Alle Produkte zum System Deckenstanzer sowie die benötigten Brandschotts sind beim Großhandel zu haben. Also ran und viel Freude beim sauberen Loch!
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