Düsseldorfer Sanierungs- und Neubauprojekt „Le Coeur“
Bestandsgebäude haben einen Wert, der mit dem reinen Kaufpreis oft nicht beziffert wird. Vor allem, wenn es sich um Büro- und Geschäftsgebäude in der 1A-Lage kaufkraftstarker Städte handelt. Denn neben dem Grundstücks- und dem Objektwert wird bei Ersatz oder Sanierung immer öfter die so genannte „Graue Energie“ in die Kalkulation einbezogen. Also jene unsichtbare Energiemenge, die für die Herstellung, den Transport, die Verarbeitung und die spätere Entsorgung von Baustoffen wie Beton, Stahl, Ziegeln oder Glasfassaden benötigt wird.
Wird dieser Anteil grauer Energie beispielsweise im Rahmen von Nachhaltigkeitsbewertungen bei Kernsanierungen kapitalisiert, entsteht automatisch ein Mehrwert, der den Marktwert des Objektes überschreitet. Zu berücksichtigen ist hier u. a., dass Rohstoffe wie Sand und Kies weltweit immer knapper und folglich teurer werden.

Graue Energie nutzen
Genau diese Bewertung nahm der Projektentwickler Hines Immobilien GmbH bei der Kernsanierung und dem Teilneubau des „Le Coeur“ vor. Zudem zog Hines, nach eigenen Angaben einer der größten privaten Immobilieninvestoren und -verwalter der Welt, alle Register des ressourcenschonenden Bauens, um für das „Green Building“ mit einem dann nur noch etwa 50-prozentigen Neubauanteil eine „Platin“-Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zu erreichen. Allein aufgrund der Weiternutzung der bestehenden Bausubstanz konnten 3.600 t CO₂ eingespart werden. Positiv in die Ökobilanzierung flossen außerdem 960 m² zerstörungsfrei zurückgebaute Natursteinfassade und 77 t wiederverwendetes Plattenmaterial ein.
Energieverbrauch in der Nutzungsphase minimieren
Der nachhaltige Betrieb des „Le Coeur“ wird durch ein fein abgestimmtes Gesamtkonzept aus Photovoltaik und Geothermie für die Wärmegewinnung bestimmt. Auf der Verbrauchsseite stehen ihm energieeffiziente Installationen wie wassergeführte Deckensysteme zur komfortablen Raumtemperierung oder bedarfsgesteuerte Systeme zur kontrollierten Lüftung mit Wärmerückgewinnung gegenüber. Eigens entwickelte und programmierte Raumautomationssysteme vernetzen die verschiedenen TGA-Systeme, um einen möglichst geringen Energieeinsatz mit effizientester Wirkung zu erzielen.
In der Nachhaltigkeitsbewertung bekam das „Le Coeur“ dafür schon in der Vorzertifizierung die „Platin“-Auszeichnung der DGNB.
Halogenfreie Dämmung und EPDs
Bei der Realisierung des Millionenprojektes stand daher auch jeder Meter der eingesetzten Installationssysteme auf dem Nachhaltigkeitsprüfstand. Für die Heizungsanbindeleitungen kam das Pressverbindersystem „Raxofix“ zum Einsatz, weil es werksseitig eine halogenfreie Dämmung gemäß den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) hat.

„An diesem Pressverbindersystem wird deutlich, dass nachhaltiges Bauen und Installieren nicht zwangsläufig teurer oder aufwändiger als herkömmliche Installationen sein muss“, sagt Viega Key Account Manager Mathias Eich. Denn das „Raxofix“-Programm habe sich schon seit vielen Jahren im Markt als wirtschaftliche und robuste Variante zur Anbindung von Heiz- und Kühlsystemen sowie Trinkwasserinstallationen etabliert. „Mit der Weiterentwicklung der vorgedämmten ‚Raxofix‘-Rohre auf ein halogenfreies Material vereinen unsere Produkte nun Verarbeitungsvorteile und die gleichzeitige Erfüllung anspruchsvoller Nachhaltigkeitsstandards“, so Eich. „Mit den GEG und DIN-konform vorgedämmten Rohren werden gleichzeitig die für Zertifizierungen – beispielsweise durch die DGNB – so wichtigen Nachhaltigkeitsaspekte bedient. Davon profitieren sowohl der ausführende Fachhandwerker und zuständige Fachplaner als auch der Investor.“

Die metallenen Pressverbindersysteme „Temponox“ (Heizung/Kühlung) und „Sanpress Inox“ (Trinkwasser) wiederum wirken sich aufgrund ihrer Recyclingfähigkeit am Ende der Nutzungsphase positiv auf die Nachhaltigkeitsbilanzierung aus.

Für alle Pressverbindersysteme stellt Viega die entsprechenden Umweltproduktdeklarationen (EPDs) bereit. So können die Umweltauswirkungen dieser Bauprodukte im Rahmen der DGNB-Zertifizierung exakt bewertet werden. Neben den Ökobilanzdaten enthalten die vom unabhängigen Institut ift Rosenheim ausgestellten EPDs u. a. Informationen zur Materialzusammensetzung, Materialkonformität oder Lebensdauer. Diese Angaben unterstützen zusätzliche Anforderungen der Gebäudezertifizierung und tragen zur ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbewertung bei.

Digitales Bauen zwingend notwendig
Realisiert wurde die Technische Gebäudeausrüstung in den Gewerken Sanitär, Heizung, Kälte und Lüftung sowie Elektro und die Mess-, Steuer- und Regeltechnik ab Leistungsphase 5 durch die Salvia Gebäudetechnik. Für das auf solche Millionenprojekte spezialisierte Unternehmen war das „Le Cour“ eine gern angenommene Herausforderung. Denn aufgrund des Zusammenhangs von Bestandsintegration, nachhaltiger Nutzung und „Green Building“ über die reine Baudienstleistung hinaus stellte es von der Materialauswahl über die Umsetzung bis hin zur digitalen Dokumentation viele anspruchsvolle Aufgaben, sagt Dipl.-Ing. Thorsten Riechers, Salvia-Niederlassungsleiter Borken. „Unser Selbstverständnis ist es, mit unserer Arbeit, Gebäude zum Leben zu erwecken“ so Riechers. „Im Falle des ,Le Coeur‘ geht dieser Anspruch aber noch viel weiter, weil er durch die DGNB-Zertifizierung bis in den kompletten Lebenszyklus hineinträgt.“
Auf Grundlage der Fachplanung von HTW Ingenieure aus Düsseldorf suchten die Spezialisten aus Borken den Austausch mit Herstellern wie Viega. Im Fokus standen Produkte und Systeme, die über die erforderlichen Zulassungen verfügen und deren Materialien den hohen Nachhaltigkeitsanforderungen entsprechen. Mindestens genauso wichtig war es aber, von Anfang an die notwendigen Dokumentationen mit den Nachweisen für die „Green Building“-Eignung aufzubauen und in die permanent fortgeschriebene BIM-Planung (BIM: Building Information Modeling) zu integrieren. Thorsten Riechers: „Dafür ist es eigentlich unerlässlich, dass der Hersteller, wie im Falle der Rohrleitungen, die notwendigen Daten jeweils in aller Tiefe digital hinterlegt hat. So können wir die Produktdaten und Zertifikate über selbst erarbeitete Match-Tabellen direkt in unsere Prozesse einfließen lassen und damit ohne großen Aufwand verlust- und fehlerfrei weiterarbeiten.“
Daten für nachhaltigen Betrieb
Der Betreiber muss mit diesen Daten weiterarbeiten können, um den nachhaltigen Betrieb und am Ende des Lebenszyklus den ressourcenschonenden Rückbau des Objektes abzusichern. „Im ersten Schritt haben wir für uns selbst ein großes Interesse an umfassenden Datenstämmen, um den Bauprozess wirtschaftlich auf hohem Qualitätsniveau umzusetzen. Im zweiten Schritt, nach der Übergabe, spielt der Nutzen dieser Daten für unsere Kunden eine mindestens ebenso wichtige Rolle. Denn in der Betriebsphase eines solchen Objektes muss im Vergleich zur Erstellung ein Vielfaches an Energie eingesetzt werden, um das Gebäude wie vorgesehen zu betreiben. Unsere Daten bieten die unverzichtbare Grundlage, um diese Prozesse effizient, nachhaltig und dauerhaft zu monitoren und zu optimieren“, so Thorsten Riechers.
Sollte der Betreiber es wünschen, werde die Aufgabe durch einen entsprechend aufgestellten Dienstleistungsbereich Salvia Gebäudetechnik West GmbH übernommen, da nicht alle Investoren oder Betreiber über die notwendigen Ressourcen verfügen: „Das ,Le Coeur‘ ist durch Projektentwickler Hines dafür schon bestens aufgestellt. Bei anderen Objekten hilft unsere Expertise, bei den Betreibern ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen und das jeweilige Gebäude auch bei Nutzungsänderungen oder Umbauten im Sinne des ,Green Buildings‘ qualifiziert weiterzuentwickeln“, so Riechers.
Eine Information der Viega GmbH & Co. KG, Attendorn
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