Ökologisch bauen und sanieren

Wassergeführte und elektrische Klima-Elemente für Bestand und Denkmalschutz

Flächenheizungen für Wand, Boden und Decke bieten zusammen mit geeigneten Dämmmaßnahmen und einer effizienten Anlagentechnik zukunftsfähige Energiekonzepte für Bestandsgebäude und den Denkmalschutz. Flächenheizungen sind als Niedertemperaturheizungen ideal kombinierbar mit regenerativen Energien und Wärmepumpen. Entscheidend für die erzielbare Energieersparnis ist eine genaue Auslegung des Flächensystems und der notwendigen Kapazität der Wärmepumpe.

1105
Historische Hofreite energetisch saniert und optimiert Bild: B. Kern, junkerei.de
Historische Hofreite energetisch saniert und optimiert Bild: B. Kern, junkerei.de

Eigenschaften der Flächenheizung

Flächenheizungen erfreuen sich wachsender Beliebtheit bei Bauherrn, Planenden und Architekten. Neben ihrer Wirtschaftlichkeit bieten sie eine ganze Reihe von Vorzügen gegenüber herkömmlichen Heizsystemen. Dazu gehören erhöhte Behaglichkeit durch Strahlungswärme, trockene Oberflächen, Vermeidung von Schimmelbildung durch gleichmäßige Wärmeverteilung, Bauteilschutz und ein optimales Raumklima. In Verbindung mit einer Wärmepumpe können Wand- und Deckenheizungen auch zum Kühlen genutzt werden.

Lehm-Klima-Elemente für Decke, Boden und Wand

Für ein besonders gesundes Wohnklima bieten sich Lehm-Flächensysteme für Wände, Decken oder Fußböden an, die zur Beheizung von Neu- ebenso wie Bestandsbauten eingesetzt werden können. In fast jedem Sanierungsprojekt kann passend zum Raumkonzept ein Flächenheizungssystem eingebaut werden. Soll etwa ein originaler Fußboden erhalten bleiben, können Wand- oder Deckenflächen mit Lehmplatten zum Heizen belegt werden. Wird in den oberen Geschossen eine Fußbodenheizung gewünscht, bietet sich die Bodenheizung als besonders leichtes und flaches System an, das auch auf Balkendecken eingebaut werden kann und gute Trittschalldämmung liefert.

Wandheizung frei verlegt an den Außenwänden Bild: B. Kern, junkerei.de

Die WEM Wand- oder Deckenheizung aus Lehm ist sowohl als Nass-System zum Einputzen als auch als Trockenbau-System aus Lehmplatten mit integrierten wasserführenden Rohren verfügbar. Beide Systeme werden vorzugsweise mit Lehmputz verputzt, der bei den Nass-Systemen auch dicklagig verarbeitet werden kann und nach dem Verputzen mit der Wandheizung trockengeheizt werden darf. Weniger Wasser bzw. Baufeuchte als beim Nassbau-System wird beim Einbau des Klimaelement-Trockenbausystems in das Gebäude gebracht, was im Sanierungsablauf eine bedeutende Zeitersparnis bringen kann.

Mit der Wärmebildkamera lassen sich die erwärmten Wände sichtbar machen. Bild: B. Kern, junkerei.de

Lehm-Infrarotheizung

Eine weitere Einbauvariante ist die elektrische Flächenheizung, die oft auch als Infrarotstrahlungsheizung bezeichnet wird. Die Lehm-Variante besteht aus stabilen Lehm-Trockenbauplatten, den elektrischen Klimaelementen. In diese ist eine Elektroheizmatte integriert. Das System kann als Wand- und als Deckenheizung eingesetzt werden und bietet wegen der Unabhängigkeit von einer wasserführenden Heizanlage eine hohe Flexibilität.

Das elektrische Klimaelement hat eine kurze Reaktionszeit. In Bestandsobjekten wird es bislang vor allem in Räumen eingesetzt, die selten genutzt oder nur temporär beheizt werden. Bei der technischen Entwicklung des elektrischen WEM Klimaelementes wurde das Augenmerk auf eine besonders geringe Belastung durch elektrische oder magnetische Wechselfelder gelegt. Sie wurde durch das Institit für Baubiologie und Nachhaltigkeit IBN unterstützt und messtechnisch begleitet.

Umdenken zu mehr Nachhaltigkeit und ökologischer Verantwortung

Die immer drängender werdende Notwendigkeit, nachhaltige Aspekte und die Reduzierung des CO2-Abdrucks von Gebäuden zu berücksichtigen, macht auch vor der Altbausanierung nicht halt und wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Planer, Architekten und Denkmalämter sollten vorangehen und den Weg für den Einsatz von regenerativen Energien und zukunftsfähigen Lösungen in Sanierungsobjekten ebnen. Flächenheizungen in Kombination mit Lehm liefern dazu einen wichtigen Beitrag, da sie eine energieeffiziente und gleichmäßige Beheizung ermöglichen. Die umweltfreundlichen Lehmbaustoffe werden aus regional verfügbaren Sekundärrohstoffen mit wenig Energieaufwand hergestellt und sorgen durch ihre feuchteregulierenden Eigenschaften für ein optimales, gesundes Raumklima.

Sanfte Kühlung ohne Zugluft

Flächenheizsysteme an Wänden und Decken können in Kombination mit eine Wärmepumpe auch zur angenehmen Kühlung von Gebäuden genutzt werden. Auch an dieser Stelle ist Lehm das Material der Wahl, da er durch seine feuchteregulierenden Eigenschaften eine deutlich höhere Toleranz an eventuell entstehendem Kondensat an den Tag legt als andere Putze. Bei höheren Kühllasten sollte eine Taupunktüberwachung integriert werden, die zusätzliche Sicherheit bietet. Im Gegensatz zu herkömmlichen Klimaanlagen, die kalte Luft in den Raum blasen und eine starke Luftbewegung erzeugen, liefert eine Flächenkühlung eine sanfte und schonende Klimatisierung von Räumen ohne Zuglufterscheinungen.

Energetische Sanierung einer alten Hofreite

Ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1907 mit dem Status eines Einzelkulturdenkmals wurde saniert mit dem Ziel, den Status eines „Nullenergiehauses“ zu erreichen. Die Sanierung erfolgte mit ökologischen Baustoffen wie Lehm, Holz, Holzfaserdämmung, Lehmfarben, Stopfhanf, Eichendielen usw. Eingebaut wurden Photovoltaikanlage, Batteriespeicher und Wärmepumpe. Alle Außenwände wurden mit Wandheizung auf Innendämmung belegt und mit Lehmputz eingeputzt. Die Wandheizung kann als Niedertemperaturheizung ideal mit regenerativen Energien betrieben werden und wird außerdem im Sommer zum Kühlen genutzt. Nach Angaben des Bauherren, der selbst Energieberater und Denkmalexperte ist, produziert das Haus in der Bilanz so viel Energie im Jahr wie es für die Heizung, das E-Auto und den Hausstrom benötigt, die CO2-Einsparung liege bei ca. 12 t pro Jahr.

Heizen und Kühlen mit Lehm in spanischem Hotel

Öko-Hotel Can Mascort in der Altstadt von Palafrugell Bild: Hotel Can Mascort/Clicons Barcelona

Auch beim Umbau eines Denkmals zum ökologischen Hotel an der Costa Brava in Spanien wurden WEM Klimaelemente verbaut. Das romantische Eco-Hotel Can Mascort ist in der Altstadt von Palafrugell, in Meeresnähe rund 120 km nördlich von Barcelona gelegen. Die Eigentümerfamilie hat sich bei der Sanierung des historischen Gebäudes aus dem Jahr 1694 ganz der biologischen Renovierung unter Verwendung natürlicher Materialien und eines Energiekonzeptes mit der Nutzung sauberer und erneuerbarer Energien verschrieben. Bei all dem sollte ein maximaler Komfort für die Gäste, eine harmonische Innenarchitektur und eine minimale Auswirkung auf die Umwelt erreicht werden. Die Wandheizungselemente aus Lehm werden hier – neben der Heizfunktion im Winter – im Sommer ebenfalls zum Kühlen verwendet. Aufgrund seiner hohen Dichte trägt das Material Lehm mit seiner hohen Speicherfähigkeit auch zur passiven Kühlung und damit zu einem sehr angenehmen Raumklima bei. Das Endergebnis spricht für sich: Das charmante Öko-Hotel bietet ein gut durchdachtes und harmonisches Gesamtkonzept für einen luxuriösen und dennoch nachhaltigen Aufenthalt in einem einzigartigen Ambiente.

Vorher/Nachher: Das Herzstück der WEM Wand- und Deckenheizung ist eine 25 mm dicke Lehmplatte mit integrierten Heizleitungen. Bild: Hotel Can Mascort/Clicons Barcelona

Energieeffizienz trifft Ästhetik

Flächenheizungen bieten in der Bestandssanierung eine sehr effektive und energieeffiziente Möglichkeit, Gebäude auf eine besonders komfortable und behagliche Art zu beheizen, die Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig die Energiekosten zu senken. Erfahrungsgemäß spielt bei der Entscheidung von Eigentümern einer Bestandsimmobilie für eine Flächenheizung auch eine Rolle, dass diese unsichtbar in Wand, Boden oder Decke integriert ist und somit die Ästhetik der Räume nicht beeinträchtigt. Um die gewünschte Energieersparnis im späteren Betrieb tatsächlich zu erzielen, ist eine sorgfältige Planung und Auslegung unter Berücksichtigung der Gebäudedaten und Heizlastberechnungen wichtig, insbesondere wenn eine Wärmepumpe eingesetzt wird.

Kapillarmatten
Wärmepumpen sind im Neubau heute vielfach Standard, können aber auch im Gebäudebestand gute Dienste leisten. In beiden Fällen arbeiten sie besonders...
Pionierkaserne wird Schule
Im Sommer eine gesunde, stille und klimaneutrale Raumkühlung ohne aufwändige Klimatechnik und Luftentfeuchtungsanlagen, im Winter eine angenehme...

Gerd Meurer

Gerd Meurer
AnhangGröße
Beitrag als PDF herunterladen324.09 KB

· Artikel im Heft ·

Wassergeführte und elektrische Klima-Elemente für Bestand und Denkmalschutz
Seite 54 bis 56
Premium
Bild Teaser
Wärmepumpen

Der größte Teil des Energiebedarfs im Gebäudesektor entfällt auf die Bereitstellung von Raumwärme und Trinkwarmwasser /1/. Die Wärmeversorgung in

EPBD 2024
Was die neue EU-Gebäuderichtlinie für Planung, Bau und Gebäudetechnik bedeutet
Frei
Bild Teaser
Einfamilienhaus Dillingen

Als Familie Gutmair Anfang 2024 ihr neu gebautes Haus im bayerisch-schwäbischen Dillingen bezog, ging ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Auch gut

Premium
Bild Teaser
Ein Bad fürs Leben

Ein heute sinnvoll geplantes Komfortbad ist das seniorengerechte oder gar barrierefreie Bad von morgen. Dabei stehen Bequemlichkeit, Flexibilität und

Premium
Bild Teaser
Schleifen vermeiden

Statt statischer Planung braucht es heute eine flexible Prozessarchitektur. Ein Plädoyer für mehr Dynamik, mehr Vernetzung und ein neues Verständnis

Analyse zur GEG-Novelle
Die neue Publikation des VDMA Gebäudetechnik zeigt, dass die GEG-Novelle Energieeffizienz, Komfort, Gesundheit und Resilienz im Gebäudebetrieb sinnvoll zusammenführen kann – sofern Bewährtes...