Zweiter PV-Gipfel

Bundesklimaminister Habeck legt umfassende Strategie zum PV-Ausbau vor

Habecks Strategie benennt Maßnahmen in elf Handlungsfeldern - von der Energiepolitik bis hin zur Fachkräftesicherung, industriellen Wertschöpfung in Europa und Technologieentwicklung.

Quelle: BMWK
Quelle: BMWK

Sollen u.a. Heizungen künftig zu einem signifikanten Anteil mit grünem Strom betrieben werden, muss auch der Ausbau der Solarenergie in Deutschland erheblich beschleunigt werden. Bis 2030 solle der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch bei 80 % liegen, sagt Robert Habeck. "Die Photovoltaik soll mit einer installierten Leistung von 215 Gigawatt bis 2030 hier einen wichtigen Beitrag leisten."

Der Zubau ziehe an, so Habeck: "Er lag im vergangenen Jahr bei über 7 Gigawatt. Für das laufende Jahr gilt ein Zwischenziel von 9 Gigawatt. Die Chancen, dass wir dieses Zwischenziel erreichen stehen gut: Im ersten Quartal 2023 wurden bereits knapp 2,7 GW neu installiert." Im Konsultationsprozess nach dem ersten PV-Gipfel im März 2023 gingen mehr als 600 Stellungnahmen ein.

In den vergangenen Monaten brachte die Bundesregierung zahlreiche Maßnahmen auf den Weg, um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen, darunter die Anhebung der Ausschreibungsmengen, die Anpassung der Vergütungssätze und die Beseitigung regulatorischer Hürden. Die PV-Strategie nimmt nun verbleibende Hemmnisse in den Fokus.

Handlungsfelder der Photovoltaikstrategie:

  • Freiflächenanlagen: Für einen Zubau von 11 GW/a ab 2026 müssen ausreichend Flächen zur Verfügung stehen und Planungs- und Genehmigungsverfahren schneller werden. Zudem sind innovative Konzepte wie Agri-PV zu nutzen, um Flächenkonkurrenzen vorzubeugen.
  • Dachanlagen: Größere Gebäudeanlagen im Gewerbe sollen einen Schub erhalten. Auch im Bereich kleiner PV-Anlagen enthält die Strategie Verbesserungen und Vereinfachungen.
  • Mieterstrom und gemeinschaftliche Gebäudeversorgung: Die Dächer von Mehrfamilienhäusern werden heute viel zu wenig für PV genutzt. Um das zu ändern, will man ein neues Modell zur gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung einführen. Damit wird die Vor-Ort-Nutzung von Solarstrom für alle Parteien im Haus ermöglicht. Darüber hinaus will man das bestehende Mieterstrommodell verbessern.
  • Balkon-PV: Balkon-PV soll von allen einfach genutzt werden können. Dazu soll Bürokratie entfallen und die Anlagen sollen schnell angeschlossen werden können.
  • Netzanschlüsse: Netzanschlüsse von Freiflächenanlagen wie von Dachanlagen sollen deutlich beschleunigt und vereinfacht werden. Für größere Dachanlagen soll der Zertifizierungsprozess vereinfacht werden.
  • Akzeptanz: Mehr Teilhabe, die finanzielle Beteiligung der Kommunen und einfache Regeln für die Bürgerenergie.
  • Steuerrecht: Der Abbau steuerrechtlicher Hürden ist wichtig für den Hochlauf der PV. Ob z.B. bei der Gewerbe- oder der Erbschaftssteuer, das BMWK setzt sich für weitere Verbesserungen für die PV ein.
  • Industrie: Aufbau industrieller Produktionskapazitäten für die ganze Wertschöpfungskette in Deutschland und Europa, so dass die steigende Nachfrage maßgeblich aus heimischer Produktion gedeckt werden kann.
  • Fachkräfte: Zahl der Fachkräfte zur Herstellung, Planung, Installation und Wartung von PV-Anlagen steigern, u.a. durch eine Zunahme von Ausbildungsangeboten und Fortbildungen.
  • Technologieentwicklung: Technologieentwicklung entlang der gesamten Wertschöpfungskette voranbringen, u.a. im Rahmen des kommenden 8. Energieforschungsprogramms.
  • Europäischer Rahmen: den schnelleren PV-Ausbau auch europäisch vorantreiben, etwa mit der EU-Strategie für Solarenergie und im Rahmen des „Fit for 55“-Paketes.

Mit der Umsetzung der Strategie werde unmittelbar begonnen, heißt es. Ein Teil der Maßnahmen soll im Rahmen des sog. „Solarpaket I“ noch vor der Sommerpause ins Kabinett. Weitere Maßnahmen sollen in einem zweiten Solarpaket folgen. Für Anregungen bleibt die eigens eingerichtete E-Mailadresse pv-strategie@bmwk.bund.de weiterhin aktiv.

Der Bundesverband der Solarwirtschaft begrüßt die Strategie. Für den Gebäudebereich werden hohe Erwartungen etwa für die neue ,Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung‘ mit Solarstrom geäußert, die bei einer sachgerechten Umsetzung hoffentlich künftig endlich auch mehr Mieterinnen und Mieter vom preiswerten Solarstrom profitieren lässt.

Der Verband begrüßt die Pläne des BMWK, die Weitergabe des vor Ort erzeugten Solarstroms im Gebäude künftig sehr einfach zu gestalten, etwa an Mieter oder Mitbewohner, z. B. in einer Eigentümergemeinschaft. Das soll ermöglicht werden, ohne dass man dadurch zum Stromversorger wird, ohne dass man zugleich eine Vollversorgung für die Verbraucher im Haus organisieren muss und ohne aufwändige Bürokratie oder teure zusätzliche Zählertechnik. Daran waren Mieterstrommodelle in der Vergangenheit zumeist gescheitert.

Man sehe aber auch offene Baustellen

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