100 Prozent Erneuerbare preiswerter als aktuelles Energiesystem

Ein globales System, was zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie besteht, dass ohne negative CO2-Emissionstechnologie auskommt, wurde in einer Studie der Energy Watch Group und LUT University skizziert.
 

Studie zu erneuerbaren Energien
Studie zu erneuerbaren Energien

In der wissenschaftlichen Studie wurde eine vollständige weltweite Energiewende für die Bereiche Strom, Wärme, Verkehr und Meerwasserentsalzung bis zum Jahr 2050 simuliert. In den vergangenen viereinhalb Jahren haben 14 Wissenschaftler Daten hinsichtlich technischer und finanzieller Punkte erfasst und analysiert.

Das Ergebnis: Die Wende hin zu 100 Prozent erneuerbaren Energien ist mit dem heutigen, konventionellen fossil-nuklearen System wirtschaftlich konkurrenzfähig. Die Treibhausgasemissionen im Energiesystem könnten noch vor 2050 auf Null reduziert werden.

„Der Bericht bestätigt, dass eine Wende hin zu 100 Prozent erneuerbaren Energien in allen Sektoren möglich und nicht teurer ist als das heutige Energiesystem“, erklärt Hans-Josef Fell, ehemaliger Abgeordneter des Deutschen Bundestages und Präsident der Energy Watch Group zur Veröffentlichung. „Es wird gezeigt, dass die ganze Welt auf ein emissionsfreies Energiesystem umstellen kann. Deshalb können und sollten alle politischen Kräfte weltweit viel mehr für den Klimaschutz tun als derzeit anvisiert“, so Fell weiter.

Individuelle Pläne für die Länder

Aus den Ergebnissen der Studie lassen sich nun nationale Pläne für die Energiewende ableiten, die genau auf die Bedingungen der jeweiligen Länder zugeschnitten sind. In der Studie werden konkrete politische Empfehlungen zur raschen Einführung erneuerbarer Energien und emissionsfreier Technologien gegeben.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in allen Ländern die aktuellen Ziele des Pariser
Klimaabkommens beschleunigt werden können und sollten“, sagt der Professor für Solarwirtschaft an der finnischen Universität LUT, Dr. Christian Breyer. „Eine Wende hin zu 100 Prozent sauberen, erneuerbaren Energien ist sehr realistisch – schon jetzt, mit den heute verfügbaren Technologien“, ergänzt Breyer.

Fridays for Future stellt Forderungen

Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) lobte die wirtschaftliche Rentabilität der erneuerbaren Energien: „Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass eine weltweite Umstellung auf erneuerbare Energien nicht nur machbar, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist.“

David Wortmann, Initiator der Eco Innovation Alliance und Gründungsmitglied von Entrepreneurs For Future stellte Forderungen an die Politik, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen und betonte, dass „eine wirtschaftlich profitable Energiewende für uns schon längst kein Mythos mehr“ ist. Franziska Wessel von der Fridays-For–Future-Bewegung sieht ebenfalls die Politik im schnellen Handlungszwang: „Diese Studie zeigt was möglich ist, wenn unsere Politikerinnen und Politiker zum Handeln bereit sind. Wir – Fridays For Future – fordern, dass bereits 2035 auf 100 Prozent erneuerbare Energien umgestellt werden muss.“

Erkenntnisse der Studie in der Zusammenfassung:

  • Die Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien erfordert eine umfassende Elektrifizierung in allen Energiesektoren. Die gesamte Stromerzeugung wird das Vier- bis Fünffache der Stromerzeugung von 2015 ausmachen. Dadurch wird der Stromverbrauch im Jahr 2050 mehr als 90% des Primärenergiebedarfs betragen. Gleichzeitig wird der Verbrauch fossiler und nuklearer Energierohstoffe in allen Sektoren vollständig eingestellt.
  • Die weltweite Primärenergiegewinnung im 100 Prozent Erneuerbare-Energien-System wird aus dem folgenden Mix an Energiequellen bestehen: Solarenergie (69 Prozent), Windkraft (18 Prozent), Wasserkraft (3 Prozent), Bioenergie (6 Prozent) und Geothermie (2 Prozent).
  • Wind- und Solarenergie machen bis 2050 insgesamt 96 Prozent der gesamten Stromversorgung aus erneuerbaren Energien aus. Erneuerbare Energien stammen nahezu ausschließlich aus dezentraler lokaler und regionaler Erzeugung.
  • 100 Prozent erneuerbare Energien sind günstiger: Die Energiekosten für ein vollständig nachhaltiges Energiesystem sinken von 54 €/MWh 2015 auf 53 €/MWh 2050.
  • Die jährlichen Treibhausgasemissionen im Energiesektor sinken durch die Umstellung in allen Sektoren kontinuierlich von rund 30 Gt-CO2-Äq. im Jahr 2015 auf Null bis 2050.
  • Ein zu 100 Prozent erneuerbares Stromsystem wird weltweit 35 Millionen Menschen beschäftigen. Die rund 9 Millionen Arbeitsplätze im weltweiten Kohlebergbau aus dem Jahr 2015 werden bis 2050 komplett eingestellt. Diese werden durch mehr als 15 Millionen neue Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbare-Energien-Branche überkompensiert.
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