Corona-Spot Tönnies

Klima- und Lüftungsanlagen korrekt betreiben

Presseberichten zufolge sind Lüftungs- und Kühlungsanlagen im Schlachtbetrieb Tönnies für die Übertragung von Corona-Viren verantwortlich. Das wäre vermeidbar gewesen. „Würden sich die Betreiber der dortigen Anlagen an unsere und allgemeine Empfehlungen halten, wären Übertragungen wirksam vermieden worden“, sagte Hermann Sperber, Präsident des Bundesindustrieverbands Technische Gebäudeausrüstung e.V.

Deckenmontierte Lüftungsanlage. Quelle: stock.adobe.com/funfunphoto
Deckenmontierte Lüftungsanlage. Quelle: stock.adobe.com/funfunphoto

„Gerade in Räumen mit hohem Kältebedarf, wie es bei Schlachtbetrieben der Fall ist, müssen die Anlagen zur Sicherstellung eines hygienisch einwandfreien Betriebs mit hochwertigen Filtern wie Schwebstoff- oder HEPA-Filtern ausgestattet werden“, so der Gebäudetechnik-Experte. Ein wesentlicher Grund hierfür besteht darin, dass bei Lüftungs- und Kühlanlagen in solchen Gebäuden aus technischen Gründen fast ausschließlich ein Umluftbetrieb stattfindet. Solche Filter werden schon seit vielen Jahren beispielsweise in OPs oder in der Reinraumtechnik eingesetzt. Anders sieht es bei Klima- und Lüftungsanlagen in Büros, Hotels, Shopping-Malls, Veranstaltungs- oder Kongresscentern aus. Dort bietet ein hoher Außenluftanteil den besten Infektionsschutz, da die dauerhafte Lüftung für eine deutliche Verringerung der Virenlast sorgt. „Wir empfehlen gerade in Situationen, wie wir sie derzeit erleben, den Umluftanteil bei Klima- und Lüftungsanlagen so gering wie möglich zu halten“, sagte Sperber.

Nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand wird das Coronavirus SARS-CoV-2 durch Tröpfcheninfektion verbreitet. Da eine Aerosolübertragung nicht ausgeschlossen werden kann, bieten gut belüftete Räume einen weitgehenden Schutz. Denn die Zufuhr gefilterter und aufbereiteter Außenluft und der Abtransport belasteter Raumluft führen immer dazu, dass mögliche Belastungen der Raumluft verdünnt und die Virenlast in einem Gebäude verringert werden. Zusätzlich kann durch eine gezielte Befeuchtung der Raumluft mit Feuchtewerten von 40 bis 60 Prozent das Infektionsrisiko weiter deutlich vermindert werden. Eine Übertragung von Corona-Viren über Lüftungs- bzw. Klimaanlagen kann nahezu ausgeschlossen werden, wenn die Anlagen, wie von Experten empfohlen, fachgerecht betrieben und regelmäßig gewartet werden.

Diese Meldung wurde am 07.07.2020 ergänzt:

Martin Exner, Professor am Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit an der Uni Bonn, wird in einem WDR-Bericht vom 24.06.2020 zitiert. Dort heißt es: Exner hat bei seinen Untersuchungen einen "bislang übersehenen Risikofaktor" ausgemacht. Hotspot der Keime sei die Lüftungsanlage.

Die im BDH organisierten Hersteller von Wohnungslüftungsanlagen differenzieren diese pauschale Berichterstattung in Bezug auf die Lüftungstechnik. Sie weisen darauf hin, dass es sich bei Lüftungs- und Kühlungsanlagen in der Regel um eine mit Umluft betriebene Anlage handelt. Endverbraucher könnten diese jedoch irrtümlicherweise mit den von den BDH-Mitgliedern produzierten Wohnungslüftungsanlagen gleichsetzen. Wohnungslüftungsanlagen hingegen sorgen für einen kontinuierlichen Luftaustausch und können zusätzlich durch Feinstaubfilter Schwebepartikel aus der Außenluft herausfiltern.

„Wohnungslüftungsanlagen arbeiten im balancierten Betrieb und führen vortemperierte und gefilterte Außenluft in die Räume und verbrauchte Luft nach außen ab. Sie sorgen damit für einen ständigen Luftaustausch“, sagt dazu Barbara Kaiser, Leiterin der Fachabteilung Wohnungslüftung im BDH. Wohnungslüftungsanlagen erzielen durch den Luftaustausch in den jeweiligen Räumen einen Verdünnungseffekt, wodurch die spezifische Belastung an möglicherweise vorhandenen Viren im Raum je Kubikmeter sinkt.

Betrieb Raumlufttechnischer Anlagen unter den Randbedingungen der aktuellen Covid-19-Pandemie:

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