Soka Bau

Fachkräfte-Umfrage zur Abwanderung in der Bauwirtschaft

Drei Viertel der ehemaligen Arbeitnehmer können sich eine Rückkehr in die Bauwirtschaft vorstellen. Dies zeigt eine bundesweite Befragung von Baubetrieben, Beschäftigten und abgewanderten Arbeitnehmern.

Bild: hansgeel/stock.adobe.com
Bild: hansgeel/stock.adobe.com

Der Fachkräftemangel ist seit mehreren Jahren eines der bedeutendsten Probleme der Bauwirtschaft. Dabei rückt neben der Fachkräftegewinnung zunehmend die Abwanderung von Fachkräften in den Fokus. Um eine Vorstellung vom Ausmaß der Abwanderung, den Ursachen und möglichen Faktoren für eine Rückkehr der Fachkräfte zu gewinnen, hat Soka-Bau im vergangenen Jahr bundesweit Baubetriebe, Beschäftigte und abgewanderte Arbeitnehmer befragt und damit eine Studie aus dem 2018 fortgeführt, die damals aber nur für Nordrhein-Westfalen Zahlen erhob.

Demnach sind in den Jahren 2023 und 2024 rund 45.000 gewerbliche Arbeitnehmende zwischen 18 und 50 Jahren aus der Bauwirtschaft abgewandert. Die Hauptgründe für die Abwanderung in andere Branchen sind vorrangig schlechte ökonomische Rahmenbedingungen sowie gesundheitliche Belastung durch die körperlich anspruchsvolle Arbeit. Rund 70 % dieser ehemaligen Arbeitnehmenden bezeichnen ihre Abwanderung als dauerhaft, während 30 % sie von vornherein nur als temporär ansehen.

Auffällig im Vergleich zur vorherigen Erhebung (NRW 2018) ist die Verschiebung der Zielbranchen: Während früher vermehrt das Verarbeitende Gewerbe als Alternative genannt wurde, zieht es heute die meisten ehemaligen Bauarbeiter in den öffentlichen Dienst, also z. B. in Bauämter. Dies lässt sich mit der momentan angespannten konjunkturellen Lage im Verarbeitenden Gewerbe begründen.

Die Frage nach einer möglichen Rückkehr in die Bauwirtschaft beantworten die Befragten unterschiedlich: Der Anteil der Abgewanderten, die eine Rückkehr kategorisch ausschließen, ist erfreulicherweise von fast 40 % (NRW 2018) auf ein Viertel gesunken. Von den verbleibenden 75 % wird eine verbesserte Vergütung erneut als mit Abstand stärkster Rückkehranreiz genannt, gefolgt von verbesserten Arbeitsbedingungen. Andere Einflussfaktoren spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Die Befragung zeigt zudem im Vergleich zu 2018 eine deutlich höhere Sensibilisierung der Arbeitgeber für das Problem. 85 % der befragten Betriebe stimmen der Aussage zu, dass das Problem der Abwanderung von Fachkräften in Zukunft weiter zunehmen werde. Mehr als 40 % der Betriebe haben bereits spezifische Maßnahmen zur Fachkräftesicherung ergriffen – auch dies eine deutliche Steigerung gegenüber 2018 (ca. 30 %). Am häufigsten wurden dabei Gehaltserhöhungen umgesetzt, gefolgt von kommunikativen Maßnahmen zur Verbesserung des Betriebsklimas sowie weiteren finanziellen Anreizen. Erfreulicherweise vertreten nun lediglich 13 % der Betriebe (2018 NRW: 40 %) die Auffassung, dass es keine wirksamen Maßnahmen gegen die Abwanderung gibt.

Von den knapp 200.000 gewerblichen Arbeitnehmern, die bereits seit längerer Zeit in der Baubranche tätig sind und aufgrund ihres Alters (zwischen 18 und 50 Jahren) noch einen Branchenwechsel in Erwägung ziehen könnten, zeigen sich laut Befragungsergebnissen 23 % als abwanderungsbereit. 19 % denken über einen dauerhaften Ausstieg nach, 9 % sehen dies sogar als unwiderruflich an. Etwa jeder Zehnte könnten sich eine anschließende Rückkehr vorstellen, sofern sich die Arbeitsbedingungen substanziell verbessern. Auch hier dominieren als Motive für einen Branchenwechsel – wie bereits 2018 – die gesundheitliche Belastung, gefolgt von ökonomischen Gründen sowie der Kritik an Arbeitszeiten und -belastung.

Die Befragung zeigt, dass mit einer weiteren signifikanten Abwanderung von Fachkräften gerechnet werden muss und dies den Fachkräftemangel weiter verschärft. Deutlich werden aber auch einige positive Aspekte. So ist ein relevanter Teil der abgewanderten bzw. abwanderungswilligen Fachkräfte grundsätzlich bereit, zurückzukehren, sofern sich wichtige Rahmenbedingungen – insbesondere Vergütung, Arbeitsbedingungen und Arbeitsklima – verbessern.

Darüber hinaus nehmen die Baubetriebe die Abwanderung von Fachkräften in andere Branchen sehr viel stärker als in der Vergangenheit als bedeutendes Problem war und haben auch in stärkerem Maße bereits mit konkreten Maßnahmen reagiert.

Die Analyse ist Teil des neuen Ausbildungs- und Fachkräftereports.

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SOKA-BAU ist die Dachmarke für zwei gemeinsame Einrichtungen der Tarifvertragsparteien der Bauwirtschaft (Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V., Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e. V.)

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