Großes Potenzial fürs Heizen mit Grubenwasser

Großes Potenzial für die Wärmewende in Nordrhein-Westfalen (NRW) bietet die Bergbauinfrastruktur. Das warme Grubenwasser aus Tagebauen oder Steinkohlezechen könnte für die Beheizung von Gebäuden genutzt werden, so das Ergebnis der Studie "Warmes Grubenwasser".

Zeche Zollverein (Foto: VanReeel/istock)
Zeche Zollverein (Foto: VanReeel/istock)
 Die Studie wurde im Auftrag des NRW-Wirtschafts- und Digitalministeriums durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) durchgeführt. Mit dem warmen Grubenwasser, das über Wasserhaltungsstandorte oder zugängliche Schächte genutzt werden kann, könnte allein in den Regionen des Steinkohlebergbaus eine Wärmemenge von rund 1.300 Gigawattstunden pro Jahr im Referenzjahr 2035 für die zukünftige Wärmeversorgung in NRW zur Verfügung gestellt werden. Der Wärmebedarf von etwa 75.000 Einfamilien-Haushalten könnte somit gedeckt werden.  

Gut für die Umwelt, gut für die Wirtschaft

„Der gesellschaftliche und der politische Druck auf die Zukunft der Steinkohle- und Braunkohlestandorte sind immens. Die heute veröffentlichte Studie liefert einen Baustein zu einer möglichen Nachnutzung und zeigt, wie vielfältig die Möglichkeiten im Wärmesektor sind, um CO2-Emissionen zu senken. Dass die Nutzung von Grubenwasser als Wärmequelle auch wirtschaftlich funktionieren kann, zeigen unsere Nachbarn im niederländischen Heerlen. Ich würde mir wünschen, dass wir das Beispiel Heerlen hier im Revier X-Mal vervielfältigen könnten“, sagte Leonhard Thien, Leiter des Themengebietes Geothermie bei der EnergieAgentur.NRW bei der Vorstellung der Studie. Eine Einsparung von bis zu 1,2 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr sei, bei Nutzung der vorhandenen technischen Potenziale, die das warme Grubenwasser über alle untersuchten Bergbauregionen in NRW zur Verfügung stellen könnte, möglich. Insbesondere die Wasserhaltungsstandorte des Steinkohlebergbaus bieten hohes technisches Potenzial. „Der Ausbau der erneuerbaren und effizienten Energien ist neben der Verringerung des Wärmebedarfs ein wichtiger Baustein, um die Klimaschutzziele in NRW zu erreichen. Das warme Grubenwasser bietet vor allem lokal interessante Möglichkeiten, Treibhausgase im Wärmebereich einzusparen. Auch so lässt sich der von Menschen verursachte Klimawandel begrenzen und die daraus resultierenden Klimafolgen können reduziert werden“, betonte der Präsident des LANUV, Dr. Thomas Delschen. 

Potenzial und Technologien stehen zur Verfügung

Die Nutzung des warmen Grubenwassers ist bereits technisch umsetzbar, dies wird im Rahmen der Potenzialstudie aufgezeigt. Aufgeführt werden realisierte Projekte wie in Bochum (Zeche Robert Müser) oder Bergheim (Tagebau Hambach). Die Ergebnisse der Potenzialstudie „Warmes Grubenwasser“ fließen auch in das landesweite Wärmekataster des LANUV ein. Zukünftig werden hier neben dem aktuellen Anlagenbestand die Potenziale der erneuerbaren und effizienten Energien für die Wärmeversorgung übersichtlich dargestellt. Weitere Ausbaupotenziale im Wärmekataster könnten durch den Abgleich der unterschiedlichen Wärmequellen, wie z.B. das warme Grubenwasser oder die industrielle Abwärme, mit dem dort hinterlegten Wärmebedarfsmodell der Gebäude in NRW, belegt werden. Kommunen, Kreise und Bezirksregierungen in ihrer jeweiligen Funktion als Genehmigungs- oder Planungsbehörde sowie Standortsuchende und Planer erhalten so einen Überblick für NRW. Die Nutzung des warmen Grubenwassers sollte in den betroffenen Regionen bei Wärmeversorgungskonzepten immer in Betracht gezogen werden. Das energetische Potenzial sowie die Technologien zur Nutzung sind vorhanden.
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