EnEV

Effizienzmaßnahme hydraulischer Abgleich

In Zeiten von Corona droht die viel tiefgreifendere Krise Klimawandel bei vielen aus dem Blickfeld zu geraten. Umso mehr sind die Akteure gefordert, erneuerbare Energien und die bestmögliche Nutzung von Energie zu thematisieren. Maßnahmen also, die ökologisch und ökonomisch Sinn machen. Eine davon ist der hydraulische Abgleich

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Anlagentechnische Effizienzmaßnahmen werden weiter an Bedeutung gewinnen. Der hydraulische Abgleich zählt zu den anerkannten Regeln der Technik. Bild: Pixabay
Anlagentechnische Effizienzmaßnahmen werden weiter an Bedeutung gewinnen. Der hydraulische Abgleich zählt zu den anerkannten Regeln der Technik. Bild: Pixabay

Laut Berechnung der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online steigen die Heizkosten für eine durchschnittliche 70-m2-Wohnung durch die Einführung der CO2-Bepreisung in einem Mehrfamilienhaus mit Ölheizung im kommenden Jahr um 85 €. Bei einem Heizsystem auf Basis von Erdgas sind es 65 €. Allerdings ist das nicht der oberste Wert – in einem schlecht gedämmten Mehrfamilienhaus mit Ölheizung beispielsweise werden es im kommenden Jahr etwa 125 € mehr sein. Den Berechnungen liegt der CO2-Preis von 25 €/t für 2021 zugrunde, der danach jedes Jahr schrittweise steigt. 2025 soll der Preis 55 €/t betragen. In der Beispielwohnung mit Erdgas-Heizung werden es dann durchschnittlich 140 € mehr sein als heute, im Fall von Heizöl 185 €. Nicht nur angesichts dieser anstehenden Veränderungen gewinnen Effizienzmaßnahmen im Bestand weiter an Bedeutung.

Echte Einsparungen

Der Effizienzgewinn durch einen fachgerecht durchgeführten hydraulischen Abgleich ist nicht zu unterschätzen. Durch ihn wird das Heizsystem an den tatsächlichen Bedarf in den Räumen angepasst. In einem schlecht eingestellten Heizsystem entspricht der Durchfluss des warmen Wassers nicht der Leistung der Heizkörper. Dadurch erhalten manche Heizkörper sehr viel warmes Wasser, andere zu wenig. Wenn die einen also bereits „pochern“, werden die anderen nicht richtig warm.

In dem über drei Jahre angelegten Praxis-Forschungsprojekt „Optimus“ der damaligen FH Wolfenbüttel (seit 2009 „Ostfalia“) wurde bereits 2006 im Abschlussbericht die Bedeutung der Optimierung von Heizungsanlagen hervorgehoben, als von CO2-Bepreisungen in Deutschland im Wärmesektor überhaupt noch keine Rede war. Energieeinsparungen von bis zu 10 kWh/(m2 a) wurden ermittelt, in sanierten Gebäuden sogar bis zu 19 kWh/(m2 a). Den hydraulischen Abgleich durchzuführen dürfte – abgesehen vom Mehrwert an Wohnkomfort – ökonomisch und ökologisch nur interessanter werden.

Regeln und Richtlinien

Obwohl in den vergangenen Jahren von Seiten der Politik die Bedeutung der Energieeffizienz immer wieder betont wurde, ist der hydraulische Abgleich gesetzes- und verordnungstechnisch bislang nicht explizit geregelt. Er findet sich namentlich weder in der Energieeinsparverordnung (EnEV) noch im aktuellen Gesetzentwurf der Bundesregierung für ein Gebäudeenergiegesetz (GEG), in dem verschiedene Gesetzeswerke zusammengeführt werden sollen: das Energieeinsparungsgesetz (EnEG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG).

Allerdings ist der hydraulische Abgleich in der DIN 18380 sowie in der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, Teil C (VOB/C) geregelt, so dass er erforderlich ist, um entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu bauen. Dies gilt auch im Fall einer Heizungssanierung. In einem Urteil des Landgerichts Verden vom 14. November 2012 (Az.: 2 S 367/08) heißt es in der Begründung im Klagefall einer mangelhaft durchgeführten Kesselsanierung, die auf das Fehlen des hydraulischen Abgleichs zurückgeführt werden konnte: „Ohne entgegenstehende Vereinbarung verpflichtet sich der Werkunternehmer stillschweigend zur Einhaltung der anerkannten Regeln seines Faches.“

Abgleich wird gefördert

Zugleich ist die Politik nicht untätig geblieben. Der hydraulische Abgleich wird vom Bundesamt für Wirtschaft- und Ausfuhrkontrolle (BAFA) über das Programm zur Heizungsoptimierung gefördert. Gegenstand des Programms ist der Ersatz von Heizungspumpen und Warmwasserzirkulationspumpen durch hocheffiziente Pumpen sowie der hydraulische Abgleich am Heizsystem. In Verbindung mit dem hydraulischen Abgleich können zusätzliche Investitionen und Optimierungsmaßnahmen an bestehenden Anlagen gefördert werden. Dabei handelt es sich um die Anschaffung und die fachgerechte Installation von:

  • Einzelraumtemperaturreglern
  • Strangventilen
  • Technik zur Volumenstromregelung
  • separater Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik und Benutzerinterfaces
  • Pufferspeichern
  • sowie die professionell erledigte Einstellung der Heizkurve.

Die Förderung beträgt 30 % der Nettoinvestitionskosten für Leistungen sowohl im Zusammenhang mit dem Ersatz von Heizungs-Umwälzpumpen und Warmwasser-Zirkulationspumpen durch hocheffiziente Pumpen als auch im Zusammenhang mit dem hydraulischen Abgleich, höchstens 25.000 € pro Standort. Das Programm ist mit anderen Förderungen nicht kumulierbar. Zu beachten ist auch, dass die bestehenden Heizsysteme bereits seit mindestens zwei Jahren installiert sind. Der staatliche Zuschuss für eine Wohngebäudeanalyse für Ein- und Zweifamilienhäuser durch einen Energieberater beträgt außerdem bis zu 800 €.

Andere Fördermöglichkeiten bieten sich über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die KfW fördert den hydraulischen Abgleich mit den Programmen „Energieeffizient Bauen und Sanieren“ 430 (Zuschuss), 151/152 (Kredit Sanieren) und 153 (Kredit Neubau). Mit dem Programm 151/152 kann der hydraulische Abgleich sowohl bei Sanierungen zum Effizienzhaus als auch als Einzelmaßnahme „Heizungsoptimierung“ gefördert werden. Die Anlage muss dann allerdings älter als zwei Jahre sein. Es gibt eine kleine Fußangel: Der Mindestbetrag für den Zuschuss nach KfW 430 beträgt 300 €, wofür nach KfW-Bedingungen folglich mindestens 1.500 € investiert werden müssen. Laut co2online bewegen sich die Kosten eines hydraulischen Abgleichs für ein durchschnittliches Einfamilienhaus zwischen 650 und 1.250 €. In der KfW-Praxis wird nach Auskunft der Bank der hydraulische Abgleich außerdem immer zusammen mit anderen Maßnahmen gefördert.

Qualität des hydraulischen Abgleichs

Zu den Schritten beim hydraulischen Abgleich auf der jeweiligen Basis zählen: die Einstellung der Thermostatventile, die Einstellung von Differenzdruckreglern bei Zweirohrheizungen und Flächenheizungen. Bei Einrohrheizungen müssen Strangregulierventile und Volumenstromregler einreguliert werden. Die Frage ist nur, wie gut das Ergebnis auf der jeweiligen Datengrundlage gelingt.

Um den hydraulischen Abgleich vornehmen zu können, muss die benötigte Heizlast bekannt sein. Es stehen zwei Verfahren zur Auswahl. Verfahren A ist grundsätzlich ein pauschalisierendes Schätzverfahren für ein komplettes Gebäude. Verfahren B ist genauer, da es die Heizlast raumweise ermittelt.

Die Ermittlung der notwendigen Daten für die Einstellungen wird im Verfahren A größtenteils geschätzt. Verfahren B basiert auf der raumweisen Berechnung der Heizlast und auf der Ermittlung der Druckverluste des Rohrnetzes. Verfahren A ist der einfachere, schnellere Weg, allerdings auch ungenauer im Ergebnis. Verfahren B ist zeitintensiver, aufwändiger und damit teurer, weil hier detaillierter ermittelt werden muss.

Verfahren A ist eine werkvertraglich geschuldete Regelleistung, also ein Mindeststandard im Sinne der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, hier der Teil C (VOB/C). Das bedeutet erst einmal grundsätzlich, dass Verfahren A zur Anwendung kommt, wenn nichts anderes vereinbart wurde.

Fazit

Zur Ermittlung der Heizlast sind beide Verfahren (A/Regelleistung und B/Premiumleistung) sowohl bei der BAFA- als auch bei einer KfW-Förderung (Einzelmaßnahmen) grundsätzlich zulässig. Im Förderprogramm „Heizen mit erneuerbaren Energien“ des BAFA kann beim hydraulischen Abgleich nach Verfahren A oder B vorgegangen werden. Bei der KfW-Förderung gibt es zwei Ausnahmen bzw. Einschränkungen:

  • KfW-Maßnahme „Effizienzhaus Sanierung und Neubau“ für Privatpersonen (nur Verfahren B zulässig)
  • KfW-Maßnahme „Effizienzhaus Sanierung und Neubau“, „Nichtwohngebäude“ für Unternehmen und Freiberufler (nur Verfahren B zulässig), ausgenommen sind hier wiederum Gebäude bis 500 m2 beheizter Nettogrundfläche, wenn Einzelmaßnahmen vorgenommen werden, z. B. die Optimierung der Heizungsanlage (Verfahren A zulässig).

Unter Fördergesichtspunkten ist das Verfahren B grundsätzlich immer zulässig. Seine Anwendung wird auch von den einschlägigen Verbänden VDZ, ZVSHK und VDMA empfohlen. Soll Verfahren A zum Tragen kommen, muss man im Vorfeld genau hinschauen, ob es als Grundlage für eine Förderung zulässig ist oder nicht. Abgesehen davon sollte man sich über Folgendes im Klaren sein: Wenn man aus Gründen wie CO2-Bepreisung, Klima, Geldbeutel, Wohlfühlfaktor oder Förderung von der Sinnhaftigkeit eines hydraulischen Abgleichs überzeugt ist, sollte er dann auch genau gemacht werden. Im Altbau übrigens auch nicht erst dann, wenn eine Heizungssanierung ins Haus steht.

Dittmar Koop

Dittmar Koop
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Artikel Effizienzmaßnahme hydraulischer Abgleich
Seite 30 bis 33
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