Ansprüche an Raumluftqualität steigen

Technikbasierte Wohnungslüftung ist auf dem Weg zum Standard. Davon überzeugt zeigten sich Referenten und Fachleute beim 5. Forum Wohnungslüftung, das am 16. Oktober in Dortmund stattfand. Auf Einladung der HEA-Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung e. V., des Bundesverbands für Wohnungslüftung (VFW), des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) sowie des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) diskutierten Experten der Wohnungswirtschaft, Planer, Sachverständige, Architekten und Hersteller praxisnah Konzepte und Varianten für mehr Energieeffizienz.

Referenten des 5. Forums Wohnungslüftung: Moderator Hans Berhorst, HEA, Christian Wolf, ZVSHK, Boris Safner, HEA, Frank Hartmann, Forum Wohnenergie, Birgit Leitner, HEA, Ralph Wortmann, Ingenieurbüro Wortmann und Scheerer, Eike Albertz, Umweltamt Dortmund, Hans Westfeld, Sachverständiger und Energieberater, Berthold Hoppe, Ingenieurbüro bhb, Prof. Dr.-Ing. Thomas Hartmann, iTG Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden Forschung und Anwendung GmbH (v. l. n. r.) Bild: HEA/Ralf Pieper
Referenten des 5. Forums Wohnungslüftung: Moderator Hans Berhorst, HEA, Christian Wolf, ZVSHK, Boris Safner, HEA, Frank Hartmann, Forum Wohnenergie, Birgit Leitner, HEA, Ralph Wortmann, Ingenieurbüro Wortmann und Scheerer, Eike Albertz, Umweltamt Dortmund, Hans Westfeld, Sachverständiger und Energieberater, Berthold Hoppe, Ingenieurbüro bhb, Prof. Dr.-Ing. Thomas Hartmann, iTG Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden Forschung und Anwendung GmbH (v. l. n. r.) Bild: HEA/Ralf Pieper

In luftdichten Gebäuden muss aktiv gelüftet werden, um Bauschäden zu vermeiden und ein gesundes Raumklima zu gewährleisten. Für den nötigen Luftwechsel kann der Mieter in der Regel nicht sorgen. Deshalb ist eine mechanisch unterstützte und unabhängig vom Nutzer funktionierende Wohnungslüftung vernünftig und notwendig. Eines der wichtigsten Argumente jedoch ist die Rückgewinnung von Energie, die bei der klassischen Fensterlüftung verloren geht.
Aktuell werden pro Jahr etwa 44.000 Wohnraumlüftungsanlagen (bei einer Grundgesamtheit von 170.000 bis 180.000 neuen Wohneinheiten) installiert, d. h., jede vierte Wohnung wird mit einer solchen Anlage ausgestattet, Tendenz steigend. Um den Anforderungen an Gesundheit, Energieeffizienz und Schutz der Bausubstanz künftig gerecht zu werden, plädierte Boris Safner, Fachgebietsleiter der HEA, für die gesetzliche Verankerung des Lüftungskonzepts in Sanierung und Neubau.

Raumluftqualität im Fokus
Auf Schadstoff-Sensorik und CO2-Belastungen richtete Frank Hartmann, Forum Wohnenergie, Zeilitzheim, den Fokus. Unterschiedlich genutzte Räume benötigen eine bedarfsorientierte Lüftung. Spezielle Nutzeranforderungen verlangen nach Prüfung des Lüftungssystems auf ihre raumhygienische Relevanz für das jeweilige Objekt.
Der Vortrag von Hans-Jürgen Westfeld, Sachverständiger und Energieberater, Bielefeld, knüpfte an. So führen bei Nichtwohngebäuden, vorrangig in Schulen, Kindergärten und Büros, neuerdings extreme CO2- und Schadstoffkonzentrationen zu Beschwerden der Nutzer.
Im Rahmen eines Feldversuchs mit der Hessischen Wohnungsbaugesellschaft wurden aktuell insbesondere in Schlafzimmern CO2-Werte jenseits der maximal zulässigen Arbeitsplatzkonzentration von 5.000 ppm gemessen. Umso wichtiger ist daher die professionelle Planung und Ausführung von Lüftungsanlagen durch versierte Fachleute.

Stellschraube Energieeinsparung: starkes Motiv für Sanierung
Große Aufmerksamkeit widmeten die Teilnehmer Praxisbeispielen. Ralph Wortmann von Wortmann und Scheerer – Ingenieurbüro für Wärme- und Energietechnik, Bochum, stellte u. a. die Sanierung eines Hattinger Mehrfamilienhauses aus den 1960er Jahren zum Null-Emissions-Gebäude vor. Die Experten sind überzeugt von der Stellschraube Energieeinsparung als starkes Motiv für Sanierung. So wurden 18 Wohneinheiten (mit einem bisherigen Verbrauch von ca. 140 kWh/m2 a) gedämmt und erhielten eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Die zentrale Heizung mit Holzpellets versorgt jede Wohnung über ein Luftheizregister und einen Heizkörper im Bad. Erreicht wurde Passivhausstandard. Fazit: Da keine Nebenkostenart eines Gebäudes so stark beeinflussbar ist wie der Energieverbrauch, kann eine Mehrinvestition aus Vermietersicht durchaus sinnvoll sein.

Handwerker ist Mittler zum Kunden
„Dass zu einer gut funktionierenden Lüftung mehr gehört als einzelne Komponenten, ist unseren Fachhandwerkern klar“, war die Antwort von Christian Wolf, Referent des ZVSHK, St. Augustin, auf Kritik von Planerseite. „Sinnvoll abgestimmte Lösungen, korrekte Luftbedarfsberechnungen und bedarfsgerechte Anlagenplanung sowie optimale Installation, Inbetriebnahme und Wartung sind Grundlagen für einen energieeffizienten Betrieb, der dann die Akzeptanz von Eigentümern und Mietern findet“. Oft wissen Auftraggeber wenig oder gar nichts von der Notwendigkeit eines Lüftungskonzepts. Handwerker haben zudem mit den bekannten Vorbehalten von Nutzern zu kämpfen, die am liebsten über das Fenster lüften und meinen, dass dies bei Einbau einer Anlage künftig nicht mehr möglich ist. Hier unterstützt der ZVSHK und gibt Orientierung, um sich in der zum Teil unübersichtlichen Normungslandschaft zurechtzufinden. Wolf plädierte zudem für eine ganzheitliche Dokumentation, die Fachhandwerkern mehr Rechtssicherheit verleiht.
„Es gibt keine Alternative zur technisch unterstützten Wohnungslüftung“. Boris Safner, HEA, ist optimistisch, dass sich diese Erkenntnis bei Architekten, Planern und Wohnungswirtschaft durchsetzt. Auch ins Bewusstsein der Bevölkerung sei das Thema inzwischen weiter vorgedrungen.

www.hea.de


 

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