Brandschutz integrieren

Sprinkleranlagen im Bestand

Modernisierungsarbeiten an bestehenden Gebäuden stellen Eigentümer, TGA- und Brandschutzplanende häufig vor Herausforderungen, insbesondere wenn es um den anlagentechnischen Brandschutz geht. Während im Neubau klare Planungsgrundlagen und normgerechte Ausgangssituationen vorherrschen, finden sich im Bestand gewachsene Strukturen, unklare Dokumentationen und oft erhebliche Abweichungen von aktuellen Vorschriften.

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Die einzelnen Gewerbeflächen im Kaufhaus werden seit 2024 saniert. Bild: Infiprotec GmbH
Die einzelnen Gewerbeflächen im Kaufhaus werden seit 2024 saniert. Bild: Infiprotec GmbH

Der Autor: Mirco Sachse, Geschäftsführer der Infiprotec GmbH, Travenbrück

Um bauliche und anlagentechnische Änderungen an aktuelle Brandschutznormen und -konzepte anzupassen, sind in Bestandsgebäuden häufig individuelle Lösungen gefragt. Die Sanierung eines ehemaligen Kaufhauses in einer bayerischen Großstadt zeigt exemplarisch, wie die Integration moderner Brandschutzlösungen unter diesen Bedingungen gelingen kann.

Erneuerung und Erweiterung des Sprinkler- und Rohrleitungsnetzes

Das in der Innenstadt gelegene Kaufhaus wurde 1969 erbaut und wird seit September 2024 saniert, um die einzelnen Gewerbeflächen Stück für Stück für neue Händler zu revitalisieren. Dabei muss das bestehende Sprinkler- und Rohrleitungsnetz vollständig erneuert und erweitert werden.

Sprinkleranlagen in Kaufhäusern und Einkaufszentren sind essenziell für die Brandbekämpfung und haben eine hohe Erfolgsquote. Sie dienen dem Schutz von Kunden, Personal und Waren, weshalb Planung, Einbau und Wartung nach strengen Richtlinien, wie der VdS CEA 4001 oder DIN EN 12845, erfolgen. Bei dem Kaufhausprojekt müssen die Arbeiten am baulichen Brandschutz unter anspruchsvollen innerstädtischen Rahmenbedingungen erfolgen, da sich die Immobilie in einer stark frequentierten Lage mit Fußgängerzone, Straßenbahnverkehr und begrenzter Logistikfläche befindet. Ziel ist deshalb nicht nur, den baulichen und anlagentechnischen Brandschutz an aktuelle Vorschriften anzupassen, sondern auch, die Auswirkungen auf den laufenden Betrieb sowie das Umfeld möglichst gering zu halten.

Demontage der alten Sprinkleranlage

Zu den größten Herausforderungen im Bestand zählen die Bewertung und der Umgang mit vorhandenen Installationen. Im betrachteten Projekt zeigt sich deutlich, dass die bestehenden Leitungen nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprechen. Die verbauten Komponenten entsprechen hinsichtlich Dimensionierung, Material und Ausführung den heutigen Normen der DIN EN 12845 für die Planung, Installation und Instandhaltung von automatischen Sprinkleranlagen in Gebäuden sowie den VdS-Richtlinien für Brandschutz und Sicherheit überwiegend nicht.

Die bestehenden Leitungen genügen weder hinsichtlich Dimensionierung noch Material den aktuellen Anforderungen und mussten demontiert werden. Bild: Infiprotec GmbH

Der alten Sprinkleranlage fehlte so die Wirksamkeit: Im Brandfall hätte dies dazu führen können, dass nicht ausreichend Wasser am Brandherd ankommt. Auch nicht passende Positionierungen oder ungeeignete Sprinklerköpfe hätten eine Brandkontrolle verhindern können. Deshalb wurde in einem ersten Schritt die Anlage, einschließlich umfangreicher Haupt- und Nebenleitungen vollständig stillgelegt und demontiert. Insgesamt wurden etwa 1.000 Sprinklerköpfe entfernt, Leitungen entleert sowie 480 Meter Hauptleitung plus etwa 3.000 Meter Nebenleitungen abgebaut.

Insgesamt wurden 480 Meter Hauptleitung und etwa 3.000 Meter Nebenleitungen abgebaut. Bild: Infiprotec GmbH

Maßgeschneiderte Lösungen für unklare Leitungsführung und verwinkelte Grundrisse

Die technische Umsetzung der neuen Brandschutzanlage erfolgt unter Berücksichtigung aktueller Regelwerke und anlagenspezifischer Anforderungen. Nach der Demontage der Altanlage wird zurzeit ein neues Rohrleitungsnetz aufgebaut und mit über 1.000 Sprinklerköpfen ausgestattet. Neue Rohrleitungsstränge werden dabei in die vorhandene Gebäudestruktur integriert. DN100-Stahlrohre, Formstücke und Kupplungen können jedoch nicht nach einem starren Schema montiert werden, vielmehr sind individuelle Anpassungen an die baulichen Gegebenheiten gefordert. So werden unter anderem Sonderhalterungen und Quertraversen eingesetzt, um die neuen Leitungen sicher und normgerecht zu befestigen. Gleichzeitig müssen Komponenten wie Panzerschläuche und Fallrohre so integriert werden, dass sowohl die hydraulischen Anforderungen als auch die baulichen Einschränkungen berücksichtigt werden.

Außerdem werden detaillierte hydraulische Berechnungen für die einzelnen Geschosse durchgeführt, um im Brandfall sicherzustellen, dass die erforderlichen Wassermengen und -drücke zur Verfügung stehen. Ergänzend wird eine neue Feuerwehreinspeisung installiert und in das bestehende Netz integriert, um die externe Löschwasserversorgung sicherzustellen. Im Bereich der Schaufenster werden zusätzlich vier hängende Sprinkler und eine neue DN32-Verteilleitung installiert sowie neue Stichleitungen angebracht. Außerdem wird eine Dichtheits- und Funktionsprüfung durchgeführt.

Vor allem die unvollständige Dokumentation birgt bei diesem Projekt Herausforderungen. Die Leitungsführungen sind oft nur teilweise nachvollziehbar, frühere Umbauten wurden nicht ausreichend erfasst und bauliche Gegebenheiten weichen von den ursprünglichen Bauunterlagen ab. Dies erfordert während der Ausführung immer wieder Anpassungen. Da Deckenhöhen, Trassenführungen und Befestigungsmöglichkeiten oft eingeschränkt sind, kommen individuell gefertigte Halterungen und Quertraversen oder Formstücke und variable Kupplungssysteme zum Einsatz. Dies erlaubt es, Leitungsführungen an verwinkelte Grundrisse oder Hindernisse wie Unterzüge, Lüftungskanäle oder Kabeltrassen anzupassen.

Flexible Lösungen für moderne Brandschutzkonzepte

Neben den technischen Anforderungen spielen auch die äußeren Rahmenbedingungen eine Rolle. Die innerstädtische Lage erschwert die Logistik und Bauorganisation. Begrenzte Lagerflächen, eingeschränkte Zufahrtsmöglichkeiten und die Notwendigkeit, den laufenden Betrieb in der Umgebung möglichst wenig zu beeinträchtigen, erfordern eine präzise Planung und Abstimmung. Gleichzeitig müssen Lärm- und Staubemissionen minimiert sowie gesetzliche Ruhezeiten eingehalten werden. Insgesamt zeigt das Projekt jedoch, wie die Integration von Brandschutzlösungen im Bestand gelingen kann. Nicht normgerechte Bestandsleitungen, unklare Ausgangssituationen und individuelle bauliche Gegebenheiten machen Standardansätze nahezu unmöglich. Doch Flexibilität und die Fähigkeit zur situativen Anpassung lassen sich Projekte dieser Art effizient, sicher und termingerecht umsetzen. Bestehende Strukturen richtig bewerten zu können und daraus maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln, wird damit zu einer der wichtigsten Kompetenzen im modernen Brandschutz.

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