Brandschutz in Küchen

Zusammenspiel von EN 16282-7 & EN 17446

Die europäischen CEN-Standards EN 17446 und die EN 16282-7 befassen sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit dem anlagentechnischen Brandschutz in gewerblichen Küchen und stehen in engem Zusammenhang miteinander.

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Die hohen Brandrisiken in gewerblichen Küchen verlangen nach professionellem Brandschutz bei Planung, Bau und Betrieb. Bild: Johnson Controls
Die hohen Brandrisiken in gewerblichen Küchen verlangen nach professionellem Brandschutz bei Planung, Bau und Betrieb. Bild: Johnson Controls

Der Autor: Jan Waldow, Business Development Manager Vertical Market Gastgewerbe – Ansul, Tyco Haustechnikprodukte (Deutschland) GmbH, Johnson Controls, Ratingen

Geht es um Brandschutz in Küchen, trifft man im Markt auf zwei europäische CEN Standards. Während die Aufmerksamkeit sich momentan sehr stark auf die EN 17446:2024-12 „Brandbekämpfungsanlagen für Großküchen – Planung, Dokumentation und Prüfanforderungen“ richtet, ist die DIN EN 16282-7:2021-07 „Einbau und Betrieb von stationären Feuerlöschanlagen“ aus der Normenreihe „Einrichtungen in gewerblichen Küchen – Elemente zur Be- und Entlüftung“ für die Frage nach der Löschanlage von umfassenderer Bedeutung. Sie beschreibt, woraus sich eine gute Löschanlage zusammensetzt und welche Kochgeräte zu schützen sind.

Die EN 17446 beschreibt im Wesentlichen Prüfanforderungen für professionelle Fettbrandlöschsysteme in gewerblichen Küchen, während die EN 16282-7 die grundlegenden Eigenschaften und Basisparameter eines Fettbrandlöschsystems definiert und neben der Auslegung, Installation und Instandhaltung durch vom Hersteller geschulte Techniker eine geprüfte und zertifizierte Systemhardware fordert. Die sich in Überarbeitung befindende Version der EN 17282-7 wird künftig auf die EN 17446 verweisen.

Die Einhaltung der EN 16282-7 kann erst für die abgeschlossene Installation geprüft und bestätigt werden, da sie nicht vornehmlich die Hardware betrifft, sondern auch Anforderungen an die Systemauslegung, Installation und Instandhaltung einschließt.

Verpflichtend oder freiwillig: Gültigkeitsbereich der Normen

Die EN 16282-7 und die EN 17446 sind in allen CEN Mitgliedsstaaten eingeführt und dazu im Widerspruch stehende nationale Normen wurden zurückgezogen.

Beide Normen sind keine harmonisierten Normen und sind nicht rechtlich vorgeschrieben. Gleichzeitig dokumentieren sie aber den Stand der Technik und es ist sicherlich zielführend und dringend anzuraten, sie bei Planung, Bau und Betrieb zu berücksichtigen. Dies gilt besonders für den Fall, dass es zu einem Schaden kommt.

Eine Verpflichtung für den Einsatz gewerblicher Küchenlöschanlagen kann allerdings aus folgenden Werken resultieren bzw. von folgenden Institutionen verlangt werden:

  • Muster-Versammlungsstättenverordnung – MVStättVO
  • DGUV Regel 110-003
  • CEA 4001
  • Anforderungen der Versicherer
  • Anforderungen des Betreibers (auch Franchisegebers)
  • andere lokale oder spezielle Anforderungen.

Notwendigkeit automatischer Fettbrandlöschanlagen

Brände können jederzeit durch Überhitzung, beispielsweise aufgrund fehlerhafter Thermostate und Sicherheitstemperaturbegrenzer entstehen, oder auch weil Fett im Kochtopf oder in der Pfanne überhitzt. Brände auf nicht temperaturüberwachten Geräten wie Herden sind sogar häufiger als in Fritteusen. Jede dieser Ursachen birgt das Potenzial, dass ein Feuer sich über die Küchenabluftanlage im übrigen Gebäude ausbreitet. Beim Brandschutz nur auf die Fritteuse zu achten, ist also ebenso falsch, wie davon auszugehen, allein die Menge an verwendetem Fett oder Öl wäre ausschlaggebend dafür, ob ein automatisches Löschsystem sinnvoll ist oder nicht. Über die Küche hinaus ausbreiten kann sich ein Brand, wie unter anderem Beispiele in privaten Küchen zeigen, auch bei kleinen Mengen Fett oder Öl. Brände in gewerblichen Küchen treten zu jeder Tages- und Nachtzeit auf, davon 16,9 Prozent zwischen Mitternacht und 6:00 Uhr morgens. (Quelle: NFIRS 5.0)

Das Küchenpersonal beobachtet nicht ununterbrochen jeden Kochvorgang und bemerkt Brände nicht zwingend unmittelbar, sondern häufig erst nach einiger Zeit, wenn die Flammen bereits größer geworden sind. Das erfolgreiche Löschen ist dann ohne entsprechende Schulung, mit Handfeuerlöschern nur schwierig oder gar nicht möglich. Zu berücksichtigen ist außerdem, dass Köche keine ausgebildeten Feuerwehrleute in Schutzausrüstung sind. Neben weniger geübtem und verlässlichem Löschen besteht für sie eine erhebliche Verletzungs- und Gesundheitsgefahr.

Entstehung und Herkunft Von Normen als Benchmark

Während vor allem in den USA aber auch in anderen Ländern bereits einzelne Standards zur Prüfung und Zertifizierung von Fettbrandlöschanlagen für gewerbliche Küchen existierten, war dies für Europa lange nicht der Fall. Zur Schaffung einer einheitlichen Bewertung wurden daher die 2017 erschienene EN 16282-7 auf Grundlage der DIN 18869-6 entwickelt und im Anschluss aus der spanischen UNE 23510 die EN 17446 zur Schaffung eines einheitlichen Teststandards.

Obwohl die EN 17446 und die amerikanische UL300 in weiten Teilen Ähnlichkeiten aufweisen, gibt es auch Unterschiede. So sieht die EN 17446 beispielsweise nur Tests der Abluftkanäle bis 6,0 Meter vor, während die UL300 Tests bis 75 Fuss (22,86 Meter) umfasst und dann für unbegrenzte Kanallängen gelten kann.

Auch fordert die US-amerikanische Prüforganisation Underwriters Laboratories (UL) die regelmäßige Qualitätskontrolle der Bauteile und der Produktion in der Fabrik als Bestandteil der Zertifizierung.

Wichtig ist auch zu beachten, für welche Kochgeräte die jeweilige Anlage geprüft und der Schutz im Handbuch dokumentiert beziehungsweise beschrieben ist. Hier kommen bei der EN 17446 noch stetig weitere Systemauslegungen hinzu.

Prüfung und Zulassung von System und Hardware

Neben der Schulung und Zertifizierung der Techniker für Planung, Installation und Wartung durch den Hersteller des Löschsystems stellt die EN 17446 den Prüfstandard für Löschtests mit unterschiedlichen Kochgeräten und der Abluftanlage bereit. Dabei werden Systemauslegungen mit minimalen und maximalen Parametern der Löschleitungs- und Düsenanordnungen geprüft und, wenn erfolgreich, im Handbuch dokumentiert. Die Löschtests schließen auch Prüfungen der Löschmittelverteilung im Leitungsnetzwerk und Spritztests ein. Dies dient dem Blick sowohl auf den Arbeitsschutz, als auch auf die Unterbindung der Brandausbreitung.

Werden diese „pre-engineered“, also vorausgelegten Designs entsprechend verwendet, ist sichergestellt, dass die Anlagen im Brandfall und unter Worst-Case-Bedingungen funktionieren. Jeder einzelnen im Handbuch aufgeführten Systemauslegung liegen also reale Brandversuche zugrunde.

Geschützte Bereiche und Geräte

Unabhängig vom Prüfstandard (EN 17446 oder UL300) sind grundlegend zwei unterschiedliche Schutzkonzepte zu unterscheiden, die allerdings innerhalb der Zulassungen kombiniert werden können. Der wirtschaftlichere Ansatz ist der gerätespezifische Schutz, bei dem jedes Gerät individuell getestet wird; der alternative Ansatz ist der überlappende oder der Zonen-Schutz.

Beiden Ansätzen gemein ist, dass jedes einzelne Gerät mit den entsprechenden Düsenanordnungen geprüft werden muss. Die dokumentierten jeweiligen Maximalabmessungen und -abstände müssen beachtet werden. Beim überlappenden Schutz wird dies mit einer einzigen Düsenanordnung für alle damit getesteten Kochgeräte erreicht.

Beim überlappenden Schutz wird allerdings durch die Vereinheitlichung der Konfiguration über alle Bereiche regelmäßig Löschmittel nutzlos verbraucht. Die Flexibilität bei der Geräteanordnung erhöht sich somit zu Lasten ohne Wirkung verbrauchten Löschmittels und dafür benötigter Hardware. Die Löschanlagen werden flexibler, etwa doppelt so groß und zwangsläufig teurer. Zu beachten ist, dass laut Handbuch auch beim überlappenden Schutz ausdrücklich ein für das jeweils zu schützende Kochgerät zertifizierter Schutz installiert werden muss.

Ansul Küchenlöschanlage R-102: Flexibles Feuerlöschsystem für Hotel, Imbisswagen, Edel- oder Fast-Food-Restaurant. Verfügbar in zwei anpassbaren Konfigurationen: ein gerätespezifisches Design mit Düsen, die auf besondere Gefahrenbereiche jedes Geräts ausgerichtet sind, und ein überlappendes Design, bei dem sich die Düsen überlappen, um eine Gruppe von Geräten abzudecken. Bild: Johnson Controls

Geschützt werden kann immer nur, was auch getestet wurde. Ist kein Schutz im Handbuch oder einem zertifizierten Nachtrag dokumentiert, gibt es auch keinen. Das Vermischen verschiedener Regelwerke beziehungsweise Zulassungen ist nicht zulässig (Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB, Anhang 14, Teil 10.4.2).

Beim Testen des Abluftkanals ist zu beachten, dass die EN 17446 für die Zertifizierung lediglich den Test der Löschung im Ablufkanal auf den ersten 6,0 Metern fordert. Tests mit längeren Kanälen, wie in anderen Standards gefordert, sind jedoch zulässig und von einigen Herstellern auch durchgeführt worden. Der erfolgreiche Test mit einer Kanallänge von 75 Fuss kann allerdings nicht wie beim UL300 Test als unbegrenzt geschützte Kanallänge gewertet werden.

Abweichend von anderen Standards zur Systemzertifizierung bezieht die EN 17446 zusätzlich alle drei Arten von Lüftungsdecken nach EN 16282-3 mit ein, was besonders für den europäischen Markt von Bedeutung ist.

Brandversuche und Zertifizierung

Die Brandversuche gemäß EN 17446 sollen in den CEN-Mitgliedsstaaten oder für die Zertifizierung nach EN 17446 akkreditierten Testinstituten durchgeführt werden. Die Akkreditierung für die Erteilung der Zertifizierungen muss von der nationalen zuständigen Stelle erfolgt sein. Das ist zum Beispiel in Deutschland die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) oder in England UKAS (United Kingdom Accreditation Service) die das BSI zertifiziert hat.

Im Markt zu findende Aussagen wie, das Löschsystem würde die Anforderungen der EN 17446 erfüllen (oder ähnliche Formulierungen) geben oft nur die Meinung zum Beispiel des Vertreibers, nicht aber die einer akkreditierten Prüfstelle wieder und sind nicht unbedingt ausreichend. Einzig ausschlaggebend ist die Dokumentation jedes einzelnen Schutzes im, durch ein für die EN 17446 Zertifizierung akkreditierten Labors, zertifizierten Handbuch.

Ist im EN 17446 Prüfstandard kein Prüfverfahren für ein bestimmtes Kochgerät enthalten, muss sich um einen passenden alternativen Schutz bemüht werden. Gleichzeitig gilt aber auch hier die Einschränkung der MVV TB (Anhang 14 – 10.4.2 Selbsttätige Feuerlöschanlagen).

Das zertifizierte Systemhandbuch

Besondere Bedeutung kommt dem zertifizierten Systemhandbuch zu. Es ist der Schlüssel zum korrekten Planen, Installieren, Instandhalten und Auditieren der Installation und des geprüften Schutzes für unterschiedliche Kochgeräte und Abluftanlagen. Abweichungen vom Handbuch sind ebenso wenig hinnehmbar, wie Lücken beim trotz vorhandenem Prüfverfahren nicht getesteten Schutz für bestimmte Kochgeräte.

Ebenso müssen unterschiedliche Düsenanordnungen zum Beispiel für verschiedene Düsenabstände einzeln getestet und im Handbuch als zertifiziert gelistet sein.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch die EN 17446 erstmals ein umfassender europäischer Teststandard geschaffen wurde. Mit ihrer Hilfe können unterschiedliche Systeme unter einheitlichen europäischen Bedingungen getestet werden. Der Endnutzer erhält eine zuverlässige Bestätigung der Löschwirkung nach vergleichbaren realistischen Kriterien.

Natürlich müssen dabei weiterhin die Anforderungen der EN 16282-7 befolgt werden, um ein umfassendes Qualitätspaket einschließlich Anlagenauslegung, Installation und Wartung zu erhalten. ⟵

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Zusammenspiel von EN 16282-7 & EN 17446
Seite 16 bis 19
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