Sanitärbranche zwischen Hoffen und Bangen
Die mittelständisch geprägte Sanitärbranche hat das Krisenjahr 2009 per saldo "unerwartet gut gemeistert". 2010 rechnet sie wieder mit einem leichten Wachstum. So beschreibt die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) die Quintessenz des vom ifo-Institut vorgelegten Branchenberichts.
Danach sank der konsolidierte Gesamtumsatz von Industrie, Fachgroßhandel und Fachhandwerk 2009 lediglich um 3 % auf 16,1 Mrd. EURO (nach 16,6 Mrd. EURO). Zu verdanken sei das aber ausschließlich dem "robusten Inlandsmarkt", für den sogar ein geringes Plus von 0,8 % (13,2 Mrd. EURO nach 13,1 Mrd. EURO) zu Buche stehe. Dagegen brachen die Verkaufserlöse im Ausland mit einem Minus von 17,1 % (2,9 Mrd. EURO nach 3,5 Mrd. EURO) drastisch ein. Der starke Rückgang traf laut VDS-Geschäftsführer Jens J. Wischmann in erster Linie die knapp 230 Industriefirmen, während sich für Großhandel und Handwerk ihre überwiegende Inlandsorientierung positiv bemerkbar machte. Insofern habe sich die weltweite Rezession auf die drei Marktstufen völlig unterschiedlich ausgewirkt.
Für 2010 sei in der Branche auf Basis der aktuellen ifo-Schätzung ein moderates Umsatzplus von nominal etwa 2,5 % auf 16,5 Mrd. EURO möglich. Mit fast 7 % erhole sich das Auslandsgeschäft zwar überproportional, erreiche mit prognostizierten 3,1 Mrd. EURO jedoch "gerade einmal" das Niveau von 2006. Es werde wohl "mindestens" bis 2012 dauern, bis das durch die tiefgreifende internationale Immobilienkrise verlorene Volumen wieder kompensiert sei.
Kontinuierlicher verlaufe die Entwicklung im Inland. Das beruht, so der Dachverband, im Wesentlichen auf der auch künftig entscheidenden Stabilität privater Badmodernisierungen, mit denen man seit Jahren 70 bis 80 % des Umsatzes erziele. 2010 sollen die Verkaufserlöse im Heimatmarkt insgesamt um rund 1,5 % auf 13,4 Mrd. EURO steigen.
Konjunktur ohne klaren Trend
Unstrittig sei, dass das Bad bei den Bundesbürgern im Allgemeinen sowie bei Bauherren und Hauseigentümern im Besonderen eine "hohe Wertschätzung" genieße. Das bestätige aktuell das Resultat einer bundesweiten Internetumfrage. Danach stufen 94 % der ca. 70.000 Teilnehmer das Bad als Entspannungsort im Vergleich zu anderen Wohnungsräumen als "relativ wichtig" und 5 % sogar als den "wichtigsten Raum überhaupt" ein. Daraus lasse sich u. a. eine prinzipiell vorhandene Investitionsbereitschaft und damit die Aufgeschlossenheit der Haushalte für kompetente Angebote ableiten. Für Wischmann beweisen Themen wie Bad und Wohlbefinden, Bad und Hygiene, Bad und Gesundheit, Bad und Barrierefreiheit sowie Bad und Ressourcenschonung die konkreten Erfolgschancen einer engagierten Verbraucheransprache. Dafür sorge z. B. der "Tag des Bades", den die Branche in diesem Jahr am 18. September in Deutschland veranstalte.
Gegenwärtig fehle es in der Sanitärwirtschaft aber an einem klaren konjunkturellen Trend. So zeige das nach dem Vorbild des generellen Geschäftsklima-Index monatlich erhobene ifo-Barometer für Juni 2010 wieder eine skeptischere Stimmung der Betriebe sowohl bei der Erwartungs- als auch bei der Lage-Komponente. Insgesamt bewege sich die konjunkturelle Einschätzung damit noch leicht im positiven Sektor. Wischmann: "Momentan pendeln wir zwischen Hoffen und Bangen".
Starke Position in Europa
In der kompletten haus- und gebäudetechnischen Branche, die neben dem Sanitärsektor die Wirtschaftszweige Heizung, Klima und Lüftung umfasst, verringerte sich der konsolidierte Gesamtumsatz 2009 laut ifo ebenfalls moderat um 3 % auf 38,6 Mrd. EURO (nach 39,8 Mrd. EURO). Analog zur Entwicklung in der Sanitärsparte stehe einem Inlandsplus von 1,3 % (31,4 Mrd. EURO) ein um gut 18 % auf 7,2 Mrd. EURO geschrumpftes Auslandsgeschäft gegenüber. Für 2010 sei ein Umsatzwachstum von ca. 2,5 % (Inland: + 2 %, Ausland: + 6 %) auf dann 39,6 Mrd. EURO zu erwarten. Die Stärke des heimischen Haustechnik-Markts werde außerdem im europäischen Vergleich sichtbar. Neben Deutschland habe es 2009 nur in der Schweiz keine Umsatzeinbußen gegenüber 2008 gegeben.
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 Bewertung: Die mittelständisch geprägte Sanitärbranche hat das Krisenjahr 2009 nach Aussage ihres Dachverbands per saldo "unerwartet gut gemeistert". Zu verdanken war das ausschließlich dem sogar leicht positiven Inlandsgeschäft. Dagegen brachen die Verkaufserlöse im Ausland drastisch ein. Für 2010 rechnet die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) insgesamt wieder mit einem geringen Wachstum.
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