Präfekturverwaltung als Pilotprojekt
Europäische und speziell deutsche Maßnahmen im Umweltschutz stoßen auf großes Interesse in Japan. Wird auch der 2008 eingeführte Gebäude-Energieausweis zum Modell für das fernöstliche Land?
Ein Anfang zumindest ist gemacht: Im Eingang der Präfektur-Verwaltung in Kanazawa hängt seit Ende Januar 2010 ein solches Dokument - nach Angaben der Behörde das erste seiner Art in Japan. Ausgearbeitet hat den Energieausweis das Öko-Zentrum NRW im westfälischen Hamm - und Vorschläge für eine japanische Version gleich dazu. Anlässlich eines Deutschlandbesuchs hatte die Verwaltungsspitze von der europaweiten Einführung des Energieausweises erfahren. Von ihrem Vorstoß erhofft sie sich einen Impuls für mehr Energiebewusstsein und Einsparmaßnahmen.
"Bei der Berechnungssystematik haben wir uns im Wesentlichen an einer auch in Japan gültigen Norm der Internationalen Standardisierungsorganisation (ISO) orientiert, nämlich der ISO 13790 und den sieben mit geltenden Normen", erläutert der Fachliche Leiter des Öko-Zentrums NRW, Dipl.-Ing. Jürgen Veit. Innerhalb der ISO 13790 würden verschiedene Möglichkeiten der Pauschalisierung angeboten. ?Von diesen haben wir die jeweils einfachste Form gewählt?, so der Bauphysiker. Für die Kennwerte des Ausweises und dessen Aufbau gibt es keine entsprechende internationale Vereinbarung. Hier entschied sich das Öko-Zentrum für eine Übernahme der europäischen Norm EN 15217, nach der auch in Deutschland gearbeitet wird.
Die Verbrauchswerte zu dem acht Jahre alten Bürohaus lieferte die Präfekturverwaltung, ebenso Klimadaten der Region für eine witterungsbereinigte Berechnung. Mangels statistischer Daten für einen Vergleich mit ähnlichen Gebäuden vor Ort zogen Veit und seine Ingenieure Angaben aus Deutschland heran. Das Ergebnis, nun nachzulesen im Eingangsbereich des Präfekturgebäudes: Dessen Nutzenergiebedarf liegt bei 104,2 kWh/a?m² Fläche.
Ihre Erfahrungen aus dem Pilotprojekt fassten die Zentrums-Mitarbeiter in einem Konzept für einen möglichen japanischen Energieausweis zusammen. Gemeinsam mit dem fertig gestellten Dokument stellten sie die Vorschläge bei einem Workshop in Kanazawa vor rund 80 einheimischen Baufachleuten vor. Ob der Energieausweis zum Exportschlager in Richtung Japan werden kann? Das muss man abwarten.
www.oekozentrum-nrw.de
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 Datenblatt und Erläuterungstext der ersten für ein japanisches Gebäude erstellten Energieausweises
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